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Weltbank kritisiert Tschad-Pipeline

Beim Bau der Tschad-Kamerun Ölpipeline nimmt das Konsortium der beteiligten Firmen um ExxonMobil keine Rücksichten auf archäologische Grabungsstätten. Anstelle die Pipeline um die Gebiete herum zu führen, werden Trassen mitten durch drei Fundstätten hindurch gebaut und damit Kulturgüter unwiederbringlich zerstört. Im Projektbericht für das erste Quartal 2003 gesteht ExxonMobil ein, dass ein Weltbank-Experte das Vorgehen des Unternehmens in dieser Hinsicht als alles andere als optimal kritisiert hat.

Dabei unterstützen die Weltbank und die Europäische Entwicklungsbank das Projekt selbst finanziell wie ideell. Knapp vier Milliarden Dollar werden insgesamt in die Erschließung von Ölquellen im Süden des Tschad und den Bau der über 1000 Kilometer langen Transportpipeline an die Küste Kameruns gesteckt. Neben ExxonMobil, das 40 Prozent an dem Konsortium hält, sind die malaysische Petronas mit 35 Prozent und ChevronTexaco mit 25 Prozent beteiligt. Noch im Sommer 2003 soll das erste Öl fließen.

Für die Erschließung der Ölfelder wurden bislang schon Bauern von ihrem Land vertrieben, die Wasserversorgung der verbliebenen Landwirte und Fischer entlang der Flüsse ist bedroht. In Kamerun führt die Pipeline parallel zu den großen Flüssen durch Urwald, der noch Lebensraum von Waldvölkern wie den Pygmäen ist.

Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Projekt seit langem. Amnesty International stellte massive Menschenrechtsverletzungen fest, im Tschad verschwanden Kritiker des Projekts spurlos. Der erste Bonus der Ölkonzerne von 4,5 Millionen Dollar wurde von der Regierung umgehend in Waffen angelegt. Kamerun gilt als eines der korruptesten Länder der Welt. Es ist entsprechend unwahrscheinlich, dass tatsächlich drei Viertel der Einnahmen des Landes wie vorgesehen in Gesundheitswesen, Bildung und Umweltschutz reinvestiert werden.

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