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Hunderte Aktivisten auf Ölsand-Demonstration verhaftet

Sie reicht von Kanada über sechs US-Bundesstaaten bis zum Golf von Mexiko: Rund 2.735 Kilometer lang soll die umstrittene Keystone XL Pipeline das Öl aus der dreckigen Tarsand-Produktion transportieren. Bei friedlichen Demonstrationen vor dem Weißen Haus wurde auch Phil Radford, Chef von Greenpeace USA, in Handschellen weggeführt.

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Seit elf Tagen protestieren Aktivisten vor dem Sitz des US-Präsidenten in Washington D.C., um ihn an seine Wahlkampfversprechen zu erinnern. Viele haben Buttons mit dem Schriftzug Umweltschützer für Obama ’08’ angeheftet - als Ausdruck ihrer Unterstützung für den Präsidenten, der TransCanada kurzerhand die Baugenehmigung entziehen könnte. Die Homepage der Protestbewegung meldet derzeit 595 Verhaftungen (Stand: 31.08.2011). Ob die Regierung die Anliegen der Demonstranten ernst nimmt, wird sich zeigen. Obama muss bis zum 1. November eine Entscheidung fällen; das Außenministerium hat sich bereits zugunsten des klimaschädlichen Projektes geäußert.

Aktuell liegt die Kapazität der Keystone Line bei etwa 591.000 Barrel und erreicht Oklahoma und Illinois. Obwohl erst seit einem Jahr in Betrieb, sorgen bereits elf Lecks für wachsenden Ärger - und die ersten direkten Umweltverschmutzungen. In South Dakota flossen durch eine undichte Stelle 79.000 Liter aus.

Die Keystone XL Pipeline soll 1,1 Millionen Barrel Rohöl bis zu den Raffinerien an der Golfküste transportieren können - täglich! Die Kosten für das Giga-Projekt liegen bei 7 Milliarden US-Dollar, knapp 5 Milliarden Euro.

Diese gigantische Pipeline soll dafür sorgen, das noch mehr Öl aus der kanadischen Ölsandproduktion in die USA fließt. Sollte der Bau genehmigt werden, wird dieser die Umweltzerstörung in Kanada massiv ausweiten, kommentiert Christoph von Lieven, Ölsand-Experte bei Greenpeace.

Gewonnen wird das Rohöl aus einem Öl-Sand-Gemisch, das in riesigen Vorkommen in Kanada lagert. Der Verarbeitungsprozess gilt als eine der dreckigsten Arten der Ölgewinnung. Um an den sogenannten Tarsand heranzukommen, schlägt die Ölindustrie mit Genehmigung der kanadischen Regierung riesige Flächen Borealen Wald kahl. Der Produktionsprozess setzt die drei- bis fünffache Menge an Treibhausgasen frei, die üblicherweise bei der konventionellen Ölgewinnung anfallen. Zudem ist er energieintensiv und teuer. Vor allem die kanadische Provinz Alberta profitiert von der Gier nach Öl und steckt viel Geld in die Weiterentwicklung der Technik, die im Umkehrschluss beim Ausbau der Erneuerbaren Energien fehlen.

Statt ihre Energieversorgung auf saubere, erneuerbare Energien auszurichten, machen sich die USA noch mehr von Öl abhängig, befürchtet Ölexperte von Lieven. Mit dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls fallen für Kanada auch jegliche verbindlichen CO2-Reduktionsziele weg. Genützt haben die zuvor jedoch wenig: Das Land hat sich seinen Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll längst entzogen und kurzerhand beschlossen, seinen Treibhausgasausstoß um gerade ein Siebtel des vereinbarten Einsparungsziels zu reduzieren. Eine umso größere Rolle werden die regionalen Proteste spielen, betont von Lieven. Das Thema Ölsand ist ein trauriger Dauerbrenner - seit Jahren Jahren kommt scharfer Gegenwind von zahlreichen Klimawissenschaftlern, betroffenen Gemeinden rund um die Tarsand-Raffinerien und Umweltschutzgruppen.

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