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Flugreisen - Klimaschutz bleibt auf der Strecke

Der Kampf gegen den Klimawandel kann ohrenbetäubend sein. Das erleben seit Sonntag hunderte Umweltschützer in ihrem Protest-Camp neben dem größten britischen Flughafen Heathrow. In Sichtweite ihrer Zelte starten und landen die Flugzeuge. Ihr einwöchiger Protest richtet sich gegen die Erweiterung des Flughafens, die noch mehr Flugverkehr ermöglichen soll.

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Schon jetzt trägt jeder Flugreisende erheblich zur Produktion von Treibhausgasen bei. Weltweit prognostizieren Flughafenbetreiber deutlich steigende Zahlen an Fluggästen. Der Betreiber des Flughafens in Frankfurt am Main, Fraport, teilte am Montag mit, im Juli eine neue Rekordmarke an Passagieren erreicht zu haben. Rund 5,2 Millionen Fluggäste!

Dabei muss man berücksichtigen, dass das Flugzeug eines der klimaschädlichsten Verkehrsmittel überhaupt ist, sagt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. Schon jetzt trägt allein der Flugverkehr auf der ganzen Welt zu rund neun Prozent der klimaschädlichen Gase bei. Und die schädliche Wirkung wird als dreimal so hoch eingeschätzt, weil der Ausstoß in so hohen Schichten der Atmosphäre stattfindet.

Muss es wirklich das Flugzeug sein?

Grund genug, dass jeder der eine Flugreise ins Auge fasst, dieses nochmal überdenkt. Jeder einzelne sollte sich fragen, ob seine Reise wirklich mit dem Flugzeug erfolgen muss, gibt Smid zu bedenken. Und wenn nicht, sollte man beispielsweise auf die Bahn ausweichen.

Jeder, der zu dem Schluss kommt, es muss das Flugzeug sein, sollte versuchen seine Reise klima-neutral zu gestalten. Indem er sich zum Beispiel an Klimaschutzmaßnahmen beteiligt, wie sie von atmosfair verwirklicht werden, erklärt Smid. Und Geschäftsreisende sollten die Möglichkeiten von Videokonferenzen in ihren Betrieben gründlich prüfen.

Weg mit den klimaschädlichen Subventionen!

Doch nicht nur die Flugreisenden stehen in der Pflicht, sich weniger klimaschädlich zu verhalten. Greenpeace fordert besonders von Industrie, Fluglinien und Politikern ein Umdenken. Um so erfreulicher war es, dass Anfang des Jahres das Thema in aller Munde war. Doch bis heute ist nichts geschehen, kritisiert Smid. Der Flugverkehrslobby ist es gelungen, das Thema wieder aus den Schlagzeilen zu bringen. Und die Untätigkeit der Politiker trug ein Übriges dazu bei.

Die notwendigen Schritte würden nicht nur den Klimaschutz weiterbringen - es geht auch um Subventionsabbau und Steuergerechtigkeit. Derzeit haben die Fluglinien in Deutschland kaum Kosten. Sie brauchen keine Umsatzsteuer zu bezahlen, es gibt keine Kerosinsteuer auf den Flugzeugsprit und das Kaufen und Handeln mit Verschmutzungsrechten ist für sie nicht vorgesehen, so Smid. Fast jeder andere Tropfen Sprit ist in Deutschland mit Steuern belegt.

Greenpeace fordert: Weg mit den Subventionen! Auf EU-Ebene muss eine Kersosinsteuer eingeführt werden und der Flugverkehr in den EU-Emissionshandel für CO2-Produktionszertifikate eingegliedert werden.

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