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1001 PS-Märchen

Auf dem Automarkt ist fast alles zu kriegen: 1001 PS, eine Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h, von 0 auf 100 km/h innerhalb von 2,5 Sekunden. Für schlappe 1,3 Millionen Euro besitzt man ihn, den Bugatti Veyron von VW - das schnellste Serienauto der Welt. Und das wahrscheinlich überflüssigste!

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Doch auch die erschwinglicheren Modelle von VW, Audi, BMW, Mercedes, Opel und Porsche warten mit hohen PS-Zahlen auf: Auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung wird man wieder kaum ein Modell unter 100 PS finden. Mittlerweile sind 200 PS völlig normal - 1970 genügten noch 50 PS.

Unsere Aufgabe als Hersteller ist es nun mal, die Wünsche unserer Kunden zu befriedigen, so Martin Winterkorn. Der VW-Chef will weismachen, dass Verbraucher hohe PS-Zahlen verlangen. Ungebrochen setzt die Autoindustrie aufs Geschäft mit viel PS. Schon die Zahlen faszinieren, doch sie lassen das beeindruckende Fahrerlebnis allenfalls erahnen: 260 kW (354 PS) leistet der Achtzylinder, wirbt zum Beispiel Audi.

Irrationale PS-Zahlen

Für den Gebrauch im Straßenverkehr sind diese PS-Monster maßlos übermotorisiert. Dadurch sind sie unnötig schwer, verbrauchen zu viel Sprit - und produzieren unnötig viel CO2, erklärt Verkehrsexperte Marc Specowius von Greenpeace. Die Autoindustrie will sich zwar - aufgrund der Klimadebatte - ein ökologisches Antlitz zu geben. Doch das ist reine Makulatur.

Laut freiwilliger Selbstverpflichtung der europäischen Automobilindustrie sollten Neufahrzeuge ab 2008 im Flottenverbrauch nur noch 140 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Davon sind vor allem die deutschen Autobauer weit entfernt. Schon jetzt ist klar, dass sie das Ziel 2008 nicht erreichen werden. So steckte VW wertvolle Ressourcen in die Entwicklung des 1001-PS-Schlitten Bugatti Veyron - und stellte parallel die Produktion des drei-Liter-Autos ein.

Dass das nicht zukunftsfähig ist, erklärt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: Wie man es besser macht, zeigen die Franzosen, die bei ähnlichen Ausgangsbedingungen die angestrebte Verbrauchsminderung erreichen. Die deutschen Hersteller müssen endlich begreifen, dass Klimaschutz kein überflüssiger Luxus ist, sondern unabdingbare Voraussetzung für die Zukunft - sowohl ökologisch wie ökonomisch.

Wie fatal sich das Ignorieren veränderter Bedingungen auswirken kann, mussten Chrysler und Ford in den USA erfahren. Sie meldeten 2006 Rekordverluste. Aufgrund der hohen Benzinpreise machten die Verbraucher die geliebten spritschluckenden Pick-ups und Geländewagen zu Ladenhütern und investierten in Mittelklassewagen von Toyota, Mazda und Honda. Mehr als 70 Prozent der Chrysler-Autos sind hoch im Spritverbrauch.

Schwindende Erdölvorräte und Klimawandel sind kein vorübergehendes Phänomen. Autos müssen effizienter werden - sonst sind sie nicht zukunftsfähig, so Specowius.

Lesen Sie nächste Woche, wie Verbraucher in Deutschland entscheiden würden. Emnid hat im Auftrag von Greenpeace gefragt, auf wieviel PS sie beim Autokauf verzichten würden.

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