CO2-Grenzwerte für Vans - erst Gezänk, dann Geschacher

Mitte November 2010 baten wir um Ihr Engagement für strengere Abgaswerte in der EU. Es sollten erstmals verbindliche CO2-Grenzwerte für die große Zahl von gewerblichen und anderen leichten Nutzfahrzeugen, sogenannten Vans, beschlossen werden. Wie bereits im Dezember 2008 versuchte die deutsche Autoindustrie, die von der EU-Kommission vorgeschlagenen strengeren CO2-Grenzwerte deutlich abzuschwächen.
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Schon die EU-Kommission hatte einen eher maßvollen Vorschlag unterbreitet: Bis 2020 sollten demnach schrittweise 135 Gramm CO2 pro Kilometer erreicht werden. Technisch machbar ist mehr. Doch die deutsche Regierung blockierte diesen Wert erfolgreich. Schlussendlich verständigte man sich auf 147 Gramm, einen Wert, der schon heute von vielen Fahrzeugen unterboten wird. Lesen Sie, was Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck von dieser Einigung hält:

Auch diesmal wieder ging der Einigung ein langes Gezänk voraus. Seit Monaten konnten sich die EU-Gremien nicht auf verbindliche CO2-Grenzwerte für den wichtigen Sektor der Kleinlaster und sogenannten Vans einigen. Auch diesmal wieder war es die deutsche Autoindustrie, die die Blockade organisierte, mit Unterstützung der deutschen Politik.

Das Ergebnis der letztendlich gefundenen Einigung ist dementsprechend mager: Durchschnittlich 175 Gramm CO2 dürfen die Vans im Jahr 2017 noch ausstoßen, im Jahr 2020 sind es dann noch 147. Eine weitergehende Verschärfung wurde, angeblich im Interesse von VW und Mercedes, durch die deutschen EU-Vertreter verhindert. Und dies, obwohl schon heute (nach einer Aufstellung des ADAC für das Jahr 2010) etwa 30 Prozent der Vans den Grenzwert für 2017 erreichen oder sogar unterschreiten - acht Jahre vorher!

Von diesen Grenzwerten geht also keinerlei Innovationsdruck aus, sie schreiben nur fest, was sowieso schon Stand der Technik ist. Während die deutsche Autoindustrie glaubt, ihre Interessen dadurch zu schützen, dass sie dem Fortschritt im Wege steht, vertut sie wieder eine große Chance, eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

Zudem führt diese Einigung dazu, dass Millionen von Gewerbetreibenden ebenso wie Familien, die vor allem diese Autotypen fahren, auf Jahre hinaus in unnötig hohem Maße beim Tanken zur Kasse gebeten werden. Das Ganze ist ein Trauerspiel, ähnlich dem Geschacher um CO2-Grenzwerte für PKW vor zwei Jahren. Auch damals war es die deutsche Autoindustrie - prominent vertreten durch Kanzlerin Merkel höchstpersönlich - die schärfere Grenzwerte aktiv verhinderte. Mit dem Ergebnis, dass auch heute noch Autohersteller PKW verkaufen können, die weit hinter dem technisch Machbaren her hinken - während dieselben Hersteller in den Showrooms Modelle zeigen, die schon jetzt weit unter den Grenzwerten selbst für 2015 liegen.

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