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Planet mit Fieber

2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das hinterlässt Spuren auf unserem Planeten. Die Politik muss handeln, aber auch jeder von uns kann etwas tun.

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Das Jahr 2014 schlägt alle Temperaturrekorde. In Deutschland zeigte das Thermometer durchschnittlich plus 10,3 Grad Celsius –  0,4 Grad mehr als bei allen bisherigen Messungen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Zuvor waren die Jahre 2000 und 2007 Spitzenreiter mit je 9,9 Grad.

Doch der Traum vom langen warmen Sommer erfüllt sich dadurch nicht. Denn für den Temperaturrekord sind vor allem die milden Winter- und warmen Herbstmonate verantwortlich. Und statt mit Bilderbuchsommern müssen wir mit immer extremeren Wetterverhältnissen durch den Temperaturanstieg rechnen. Denn je wärmer die Atmosphäre ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Und die gibt sie auch wieder ab: Unwetter und sintflutartige Regenfälle nehmen zu.

Dieses Phänomen gilt nicht nur für Deutschland – in ganz Europa und sogar weltweit war es seit mehr als 500 Jahren nicht mehr so warm: Das Jahr 2014 brachte die höchsten Durchschnittstemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. „Die weltweiten Hitzerekorde sind ein weiterer Beleg dafür, wie schnell sich die Erde inzwischen erwärmt“, erklärt Karsten Smid, Greenpeace-Experte für Klima. „Die 15 heißesten Jahre lagen alle im Zeitraum von 1997 bis heute.“

Hitzewellen überall auf der Welt

Die ausgeprägten Hitzeperioden sind wie ein Fieber für unseren Planeten: Sie machen ihn krank, bringen Gefahr. So vergrößern sie etwa das Risiko großflächiger Waldbrände. Verheerende Dürren, die zu Wasser- und Nahrungsmittelknappheit führen, häufen sich – etwa im Amazonas-Gebiet. Die Region ist eigentlich eine der wasserreichsten unserer Erde. Doch innerhalb eines halben Jahrzehnts, in den Jahren 2005 und 2010, kam es dort gleich zweimal zu den schwersten Dürren der letzten hundert Jahre.

Australien plagte sich im vergangenen Jahr ebenfalls mit einer extremen Hitzewelle. Im Norden des Bundesstaates New South Wales maß die Höchsttemperatur im australischen Sommermonat Januar 47,8 Grad Celsius - so viel wie nie zuvor. Der Wert übertrifft den dortigen Hitzerekord um 3,6 Grad. Die Gluthitze fachte Buschbrände an.

In Kalifornien wurden 2014 die heißesten und trockensten Monate registriert seit der ersten  Wetteraufzeichnung dort vor 119 Jahren. Die anhaltende Wärme führte zu einer der schlimmsten Dürren, die Kalifornien je erlebt hatte.

Konsequenzen für Menschen und Meere

Hitzewellen wie diese sind ein Paradies für Insekten. Sie gedeihen darin prächtig. Für die Menschen in den betroffenen Gebieten bedeuten mehr Insekten ein höheres Risiko, sich mit Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber zu infizieren, die die Tiere übertragen.

Und auch die Ozeane bekommen den Temperaturanstieg zu spüren: Im Durchschnitt waren sie an der Oberfläche um 0,6 Grad wärmer als je zuvor. Die erhöhten Temperaturen der Meere gehen hauptsächlich auf den Nordpazifik zurück, der sich mit den anderen Weltmeeren vermischt.  Im warmen Wasser sterben die Korallen Millionen Jahre alter Riffe und die Artenzusammensetzung der Meere verändert sich.

Ihr Spiegel steigt, denn die Pole schmelzen. Neueste Untersuchungen von Wissenschaftlern zeigen: Seit 1993 stieg der Meeresspiegel um etwa drei Millimetern pro Jahr – stärker als bisher vermutet. Das Klimagremium der Vereinten Nationen (IPCC) sagt einen weltweiten Anstieg  bis zu einem Meter für dieses Jahrhundert voraus.

Gletscher als Anzeiger des Klimawandels

Am deutlichsten lässt sich die Erwärmung des Klimas jedoch an den Gebirgsgletschern ablesen, etwa im Alpenraum. Ihr rasanter Rückgang gehört zu den sichtbarsten Auswirkungen des Klimawandels – sie sind sozusagen das globale Fieberthermometer. Ihr Schmelzen ist in Zeiträumen von nur wenigen Jahren deutlich zu erkennen, so etwa bei „Pasterze“ dem  größten Gletscher Österreichs. 1856 betrug seine Fläche 30 Quadratkilometer. Bis heute schrumpfte er  um beinahe die Hälfte. Einen großen Teil seiner Ausdehnung verlor er  zwischen 2011 und 2012. Auch diese Schmelze trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei; das steigende Wasser bedroht vor allem Küstenstädte.

Gemeinsam gegensteuern

Gletscherschmelzen, Krankheiten, Dürre – um ihnen entgegenzuwirken, gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen den Klimawandel bremsen. Dafür ist eine weltweite Energiewende notwendig, und jeder Einzelne kann dazu beitragen: einen Ökostromanbieter wählen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, bewusst Konsumieren. Weniger tierische Produkte kaufen und nur dann in den Flieger steigen, wenn es wirklich nötig ist. Denn nur so können wir den Fieberanstieg unseres Planeten aufhalten.

Hinweis: Bewegen Sie den Schieberegler auf den Abbildungen für den Vorher-Nachher-Vergleich.
Rhone-Gletscher
Der Rhonegletscher im Jahr 1925 Der Rhonegletscher in den schweizerischen Alpen, aufgenommen am  21.8.2012

1925 und 2012

Der Gletscher in den Schweizer Zentralalpen schmolz zwischen 2010 und 2013 um 50 Meter ab.

Ochsentaler-Gletscher
Ochsentaler Gletscher Ochsentaler Gletscher neu

1912 und 2010

Der österreichische Gletscher am Fuße des Piz Buin nimmt dramatisch ab. Zurück bleibt Geröll.

Pasterze-Gletscher
Pasterze Gletscher Pasterze Gletscher

1940 und 2000

Ursprünglich war Österreichs größter Gletscher 30 Km² groß. Seit 1856 verlor er fast die Hälfte seiner Fläche.

Publikationen

Arctic Sanctuary (Arktis Schutzgebiet)

Das arktische Eis schmilzt. Schon bald wird der Arktische Ozean wie andere Meere für einen Großteil des Jahres für die Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt zugänglich sein.
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