Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

UN-Klimatagung endet enttäuschend

An den Gesprächen über ein neues UN-Klimaschutzabkommen haben in Bonn rund 2000 Delegierte aus 170 Ländern teilgenommen. Fortschritte auf dem Weg zu einem neuen weltweiten Klimaabkommen sind nicht erzielt worden. Die üblichen Verdächtigen - Kanada, Japan, Australien und die USA - bremsten die Verhandlungen wieder einmal aus. Doch auch sie sollten wissen, dass für solche Spiele keine Zeit mehr ist. Der Klimawandel ist da.

  • /

Die USA, Kanada, Japan und Australien haben wieder ihre unrühmliche Gesprächstaktik eingesetzt, um die Verhandlungen zu verzögern , sagt Stephanie Tunmore, Greenpeace Klima-und Energieexpertin, die die Verhandungen vor Ort beobachtete. Dabei sind konkrete Vorschläge zum Schutz des Klimas mehr als dringend erforderlich.

Im Gegensatz zu den meisten Industrienationen zeigten sich die Entwicklungs- und Schwellenländer auf der Konferenz sehr konstruktiv. China, Indien oder Mexiko präsentierten eigene Vorschläge zu wichtigen Finanzierungs- und Technologiefragen. Doch wenn die Industriestaaten keine Zusagen für eine notwendige finanzielle Unterstützung machen, werden auch sie kein neues Klimaschutz-Abkommen unterstützen.

Bei den derzeitigen Verhandlungsrunden geht es um die Umsetzung der Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Bali von Ende 2007. Dort hat sich die Staatengemeinschaft verpflichtet innerhalb von zwei Jahren ein Nachfolgeabkommen für das dann auslaufende Kyoto-Protokoll zu erarbeiten. In dem neuen Vertragswerk soll der Klimaschutz nach 2012 festgelegt werden. Erstmals sollen auch Schwellen- und Entwicklungsländer mit einbezogen werden.

Ganz besonders die Industriestaaten haben eine historische Verantwortung für den Klimaschutz, denn sie sind für den größten Teil des Problems verantwortlich. Die Industrieländer sind auch diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind, handeln zu können und Geld für den Klimaschutz zur Verfügung zu stellen.

Und wie geht es nun weiter? Nach einer weiteren Verhandlungsrunde im August 2008 in Accra (Ghana) sollen auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz im Dezember in Posen (Polen) die Weichen für einen Verhandlungsendspurt bis zum anvisierten Abschluss im Dezember 2009 in Kopenhagen gestellt werden.

Regierungen und Minister müssen endlich aufwachen und sich das Ausmaß der Klimawandels vor Augen führen, fordert Tunmore. Millionen von Menschen, insbesondere in den Entwicklungsländern, werden ihre Lebensgrundlagen oder gar ihr Leben verlieren, wenn wir nicht schnellstens handeln. Wir haben keine Zeit mehr, wir müssen jetzt anfangen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Cordes + Partner in einer von Greenpeace beauftragten Stellungnahme.

Mehr zum Thema

Geht’s so? Geht so…

Am Ende des UN-Klimagipfels steht ein Regelbuch, wie Länder das Klima wirksam schützen. Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser war in Kattowitz dabei und bewertet das Ergebnis.

Standpauke in zwei Städten

Deutschland will Klimaschutz, schiebt die naheliegende Lösung aber auf die lange Bank. In Berlin und Köln und fordern heute darum Zehntausende: Macht endlich Schluss mit Kohle!

Es geht immer um alles

Pellworm spürt die Auswirkungen des Klimawandels. Die Backsens klagen darum mit Greenpeace und zwei weiteren Familien gegen die Bundesregierung: für das Recht auf Klimaschutz.