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Tagebuch: Lisa beim Weltklimarat

Die 19-jährige Schülerin Lisa Reichmann engagiert sich von Anfang an im Greenpeace-Jugendprojekt SolarGeneration. Klimaschutz ist für die Abiturientin aus Hamburg eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Deshalb hat sie keine Sekunde gezögert und ist in die thailändische Hauptstadt Bangkok gereist. Dort wird der Weltklimarat (IPCC) am 4. Mai den dritten Teil seines Klimaberichts 2007 vorlegen. Lisa will vor Ort die Politiker daran erinnern, dass es um die Zukunft der nachfolgenden Generationen geht. Hier berichtet unsere jugendliche Botschafterin von ihren Eindrücken, die sie im Alltag mit anderen SolarGeneration-Mitgliedern aus aller Welt, auf der IPCC-Tagung und ihrer Reise durch Asien sammelt.

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Sonntag, 6. Mai: Der letzte Tag - Abschied nehmen! Nachdem wir durch den strömenden Regen zum Konferenzzentrum geschwommen waren (zum Glück machen U-Bahn Eingänge konstant nervige Geräusche, so dass man sie immer wieder finden kann), ging es wieder an die Arbeit. Ab heute waren die ADB-Governors, also die richtig wichtigen Menschen, da und freundlicherweise trafen sie gleich zu Beginn alle zusammen. Das gab uns Gelegenheit, viel Lobbyarbeit zu leisten, indem wir Lesezeichen mit Fotos und künstliche Kirschblüten verteilten - das Nationalsymbol Japans, das wegen des Klimawandels jedes Jahr früher blüht. Vielen Delegierten gefiel die Idee, und da wir noch in der Verkleidung des letzten Abends in Erinnerung waren, kamen recht gute Gespräche zustande.

Nachmittags haben wir die Statements der einzelnen Länder begutachtet, um herauszufinden, wen wir noch gesondert bearbeiten müssen - Großbritannien und die Schweiz zeigten sich als Fürsprecher unserer Forderungen.

Anschließend hatten Daniel Mittler von Greenpeace International, der internationale Geschäftsführer von Greenpeace, Gerd Leipold, und ich ein Gespräch mit der deutschen Delegation unter der Leitung von Staatssekretärin Karin Kortmann aus dem Bundesministerium für Entwicklung. Dabei habe ich eine Jugenddeklaration übergeben, die auf dem McPlanet-Kongress in Berlin entstanden ist. Sie verdeutlichte, dass wir die ADB und ihr Verhalten im Auge behalten - selbst dann, wenn wir nicht vor Ort sind!

Frau Kortmann hat sich bedankt und uns eine schriftliche Antwort versprochen. Da werden wir nachhaken! Insgesamt war das Gespräch recht gut, einige unserer Forderungen werden von der Delegation unterstützt, andere konnten wir zumindest deutlich vermitteln.

Dann hieß es ganz plötzlich Abschied nehmen: Vom Konferenzzentrum, gewohnten Wegen und vielen tollen Greenpeace-Menschen, mit denen ich erlebnisreiche und spannende Tage verbringen durfte! Mit den SolarGeneration-Ladies war ich noch in einem kleinen japanischen Restaurant - wenn man sich Mühe gibt und nichts anders hat, kann man sogar Salat mit Stäbchen essen!!! ;-)

Jetzt habe ich meinen Rucksack gepackt und werde eine letzte Nacht in unserem vollgestopften Chaos-Zimmer verbringen, das wir uns zu siebt teilen. Morgen ziemlich früh geht’s zum Bahnhof, dann mit dem Zug nach Osaka und in den Flieger nach Deutschland. Es wird sicher schön, statt Reis mal Kartoffeln zu essen, aber ich hatte hier eine geniale Zeit und mag gar nicht weg. Randvoll mit neuen Eindrücken, netten Kontakten, Ideen und viel Motivation ist mein Gepäck sicher schwerer als auf dem Hinweg - diese Reise hat sich gelohnt wie keine zuvor!

Viele Grüße, Lisa

Samstag, 5. Mai: Ein Tag als japanische Geisha Heute war der große Tag: die Kimono-Aktion! Schon am frühen Vormittag machten wir sieben internationalen SolarGeneration-Ladies uns mit der U-Bahn auf eine Weltreise durch Kyoto, um dann endlich an einem winzigen Kimono-Shop anzukommen. Dort erwarteten uns zwei großartige alte Damen in einem Gewimmel aus bunten Stoff, Spiegeln und Regalen. Jede von uns suchte sich einen Kimono aus und wir erwarteten, sie einfach überziehen zu können- aber weit gefehlt!

Los ging es mit der Grundierung für das Make-up, alles in weiß und rosa. Anschließend kam die Operation Haare: hochstecken, eindrehen, Kunsthaar. Das gab’s natürlich nicht in blond .... Als dieses Gezerre überstanden war, wurden wir buchstäblich in unsere Kimonos verpackt, man fühlt sich etwas mumienhaft! Wenn man dann schließlich in rund sechs Schichten Stoff eingewickelt ist, sich weder bewegen noch atmen kann und alles um einen herum schlabbert und schleift, fühlt man sich schon äußerst japanisch. Und fragt sich, wie manche Frauen das regelmäßig ertragen?

Als einmaliges Erlebnis war es aber total beeindruckend und äußerst spaßig, nicht zuletzt wegen der älteren Ladenbesitzerin. Die redete unentwegt auf japanisch auf uns ein, während sie uns zurecht zupfte. Nachdem wir auch noch reichlich Klimperkram in die Haare gesteckt gekriegt haben, gab es ein Lauftraining auf Plateau-Flipflops aus Holz. Etwas Unbequemeres hat die Welt noch nicht gesehen!

Also haben wir uns im neuen Outfit ins zwei Taxis gequetscht und sind zum Konferenzzentrum von Kyoto gefahren, wo das ADB-Meeting stattfindet. Dort angekommen haben wir unser freundlichstes Lächeln aufgesetzt und sind mit unseren Fächern problemlos durch den Security-Check gekommen. Direkt danach allerdings haben wir uns für ein gemeinsames Foto mit dem ADB-Präsidenten Kuroda aufgestellt und unsere Fächer geöffnet, so dass für alle zu sehen war: ADB quit coal! Clean energy now!

Kuroda ist sofort entsetzt aus dem Bild verschwunden, dennoch hat er uns und unsere Forderung sicher wahrgenommen. Da äußerst viele Menschen seiner Einladung nachgekommen waren und im Garten das Buffet genossen, ergaben sich für uns viele weitere Gesprächsmöglichkeiten. Wegen der Farbenvielfalt unserer Kostüme waren wir gefragtes Foto-Objekt. Einige Delegationen wollten mit uns posieren, was wir natürlich gleich genutzt haben, um Kontakt aufzunehmen und unsere Forderungen zu verbreiten. Schade nur, dass wir wegen der Enge unserer Kimonos nichts von dem guten Essen hatten ...

Anschließend ging es zur Restaurierung wieder in den Kimono-Laden, wo uns die Besitzerin mit einem fröhlichen Oh my god! heiße Handtücher ins Gesicht drückte, um uns von der Schminke zu befreien. Ich kann nicht sagen, wer mehr Spaß hatte, aber wir haben diesen Tag sicher nicht nur wegen der erfolgreichen Lobbykontakte genossen!

Wie ihr seht geht’s mir also prima- jetzt haben wir gerade eine Lass-uns-Kekse-essen-und-Blog-schreiben-Party und sollten vielleicht eigentlich schlafen, sind aber hellwach. ;)

Liebe Grüße von Lisa, die schon jetzt gar keine Lust hat, übermorgen zurückzukommen - kann ich hier bleiben und Ihr besucht mich mal???

Freitag, 4. Mai, Zum ersten Mal bei einer internationalen Konferenz dabei

Heute Morgen ging es richtig rein ins Konferenzleben: Zuerst besuchten wir ein Panel der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) und verschiedener NGOs, in dem kontrovers diskutiert wurde.

Anschließend habe ich zusammen mit Greenpeace-Experten aus Indien und China und dem Greenpeace-International- Geschäftsführer Gerd Leipold die ADB-Delegation aus Großbritannien getroffen. Ich habe eine Petition britischer Studenten übergeben, die sich in People and Planet für ähnliche Ziele einsetzen wie wir, aber keine eigene Delegation in Kyoto haben. Die UK-Delegation hat kaum konkrete Aussagen gemacht und tendierte dazu, mich wenig Ernst zu nehmen. Wir werden ihnen in den nächsten Tagen beweisen, dass wir ernst zu nehmen sind und wissen, was wir wollen und worüber wir reden!

Nachmittags ging es weiter mit den Vorbereitungen für weitere SolarGeneration- Aktivitäten: Was wir machen wollen, verraten wir aber noch nicht :). Da wir im Flur vor dem NGO-Büro saßen, konnten wir beobachten, was so vor sich ging und unsere Nase in viele interessante Details stecken - Konferenzen sind schon irgendwie toll! An dieser Einschätzung konnte auch ein unglaublich langweiliger Workshop am späten Nachmittag nichts ändern, den wir fluchtartig verlassen haben, um nicht einzuschlafen!

Abends sind wir einer Einladung der ADB gefolgt und haben ein kulturelles Event und Abendessen besucht. Da viele Delegierte da waren, war das eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Lobbygespräche zu führen, ausserdem konnten wir Kimonos und Geishas bewundern und hervorragend essen.

Was wir den ganzen Tag getan haben, klingt vielleicht nicht so wahnsinnig interessant, war für uns aber total spannend, da wir schließlich wenig Erfahrung mit internationalen Konferenzen haben. Die wirklich wichtigen ADB-Menschen (Governors) sind zwar noch nicht da, und die Atmosphäre ist entsprechend entspannt, aber es lohnt sich absolut hier zu sein! Morgen wird es richtig spannend, aber wir wollen noch nicht alles verraten.

Hinterher seit ihr aber natürlich die ersten, die erfahren, wie es war - wir sind schon ganz aufgeregt! Viele Grüße aus Kyoto, Lisa

Dienstag, 1. Mai, Klima-Hot-Spot: Wo ein Tempel ertrinkt ...

Mein letzter Tag in Thailand wird mir sicher in Erinnerung bleiben! Wir waren an einem Klima-Hot-Spot in der Nähe von Bangkok, wo sich die Auswirkungen der globalen Erwärmung schon heute deutlich zeigen. Um dorthin zu kommen, mussten wir uns allerdings erstmal durch den wilden Verkehr kämpfen (auf einen Pick-up passen locker sechs Leute und ein Kühlschrank oder warum nicht mal zu viert auf eine Mofa?) und mit dem Bus über halb überschwämmte Sandwege schwimmen.

Am Rande eines Mangrovenwaldes am Golf von Bangkok angekommen, sind wir dann in eines der hier so typischen Boote mit umgebautem Automotor gestiegen und hatten eine äußerst spaßige Fahrt mit schönen Ausblicken auf Stelzendörfer und Natur. Dann kam der komplizierte Teil, eine echte Herausforderung: Ein matschig-schlammiger Wall im Wasser, selbst barfuß noch wahnsinnig glitschig, beschäftigte uns lange.

Schliesslich kamen wir an ein winziges Dorf, über das wir lernten, dass seine Bewohner in den letzten 20 Jahren achtmal umziehen mussten, da das Dorf von Erosion und Überflutung bedroht ist. Ihren Tempel allerdings wollten sie nicht aufgeben, er steht inzwischen direkt am Rand des Meeres und ist kaum noch zugänglich - und damit ein wirklicher Klima-Hot-Spot. Durch strömenden Regen wanderten wir weiter durch Matsch, über Brückchen und schmierige Holzplanken.

Der Tempel wird nur noch von einigen wenigen Mönchen bewohnt, von denen einer über seine Probleme berichtete, nachdem wir uns in Ruhe umgesehen hatten. Man sieht äußerst deutlich, dass die Dorfbewohner mit ihren bescheidenen Mitteln versuchen, den Tempel zu retten, der gegen das vorrückende Wasser aber praktisch keine Chance mehr hat. Die Dorfbewohner werden wohl bald erneut umziehen müssen - Klimaflüchtlinge der Gegenwart!

Auf dem Rückweg haben wir im Gemeinschaftshaus des Dorfes hervorragend gegessen und alle waren wahnsinnig nett und bemüht um uns - auch wenn wir Europäer ein ziemliches Verständigungsproblem hatten, haben wir die Offenheit und Gastfreundschaft dieser Menschen sehr genossen! Die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre fortwährende Umzieherei ertragen ist genauso beeindruckend wie ihre Lebensfreude und ihr Versuch, den Tempel auf verlorenem Posten zu erhalten. Zusammen mit den Schwierigkeiten des An- und Abmarsches entsteht so wohl die Besonderheit dieses Tages, für die es gar keine richtigen Worte gibt ...

Mit den Eindrücken aus Bangkok und Umgebung beladen, werden wir jetzt in Kyoto/Japan, unser bestes tun, um die Asiatische Entwicklungsbank zu einer Veränderung ihrer Energiepolitik zu bewegen. Aber davon später mehr, es wird spät und wir schlafen sowieso sehr wenig.

Viele Grüße an Euch, Lisa

Montag, 30. April 2007: Treffen mit dem IPCC-Chef

Gestern sind wir umgezogen - ins Stadtzentrum von Bangkok. Auf dem Weg dorthin bekamen wir einen ersten Eindruck von dieser Stadt der Kontraste: Menschen leben in echter Armut, in Bergen von Müll, direkt neben der Autobahn. Der Verkehr ist der helle Wahnsinn und absolut chaotisch, viele Menschen tragen einen Mundschutz, aber noch mehr sind ungeschützt unterwegs. Und gleichzeitig sieht man überall Werbung für westliche Produkte und fast jeder scheint ein Handy zu besitzen. Diese Mischung und die Lebhaftigkeit auf den Straßen, kombiniert mit der feuchtwarmen Hitze, machen diese Stadt so interessant, aber auch so anstrengend.

Allerdings sind wir ja nicht als Touristen gekommen, sondern um die Welt zu retten, und damit ging es heute, am ersten Tag des Treffens des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dem UN-Klimarat, in der Praxis los. Nachdem wir gestern bis spät in die Nacht an den letzten Vorbereitungen gearbeitet haben, traf eine ziemlich müde, aber motivierte Truppe zusammen und machte sich auf den Weg zum Konferenzzentrum der Vereinten Nationen in Bangkok.

Dort war der Future Carrier aufgebaut, ein mobiler Container mit Windrad und Solaranlage, der die Funktionsweise Erneuerbarer Energien anschaulich demonstriert.

Leider wollte der Wettergott uns einen gehörigen Schrecken einjagen, denn als wir das Hotel verließen, regnete es stark und anhaltend. Doch irgendwann wird immer alles gut, und so hatten wir echtes Glück: Zwei Minuten vor dem wichtigsten Ereignis des Tages kam die Sonne durch!

Wir trafen Dr. Pachauri , den Vorsitzenden des IPCC, bevor er die Konferenz offiziell eröffnete. Da bei diesem Treffen Lösungen für die globale Erwärmung vorgestellt und empfohlen wurden, worin aber auch Scheinlösungen wie Atomkraft und sogenannte saubere Kohlekraftwerke enthalten sein könnten, haben Dr. Pachauri und das IPCC großen Einfluss auf die kommenden Verhandlungen und Entscheidungen zum Klimaschutz.

Wir waren deshalb besonders stolz, dass Dr. Pachauri einem Vertreter aller sieben anwesenden SolarGeneration-Länder die Möglichkeit gab, ein kurzes Statement abzugeben, und anschließend in unserer Aktion symbolisch den Treibhausgas-Ausstoß reduzierte. Es waren viele Reporter anwesend und unsere bunten Schilder konnten unsere Forderungen in die ganze Welt verbreiten:

  • Der Klimawandel ist real, deshalb brauchen wir jetzt Lösungen!
  • Atomkraft ist keine Lösung, weil sie unsicher ist und es kein Endlager gibt!
  • Saubere Kohlekraftwerke existieren nicht und können keine Lösung sein!

Die einzige Lösung sind Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Das Ergebniss konnten wir anschließend im thailändischen Fernsehen und auf www.bbc.com besichtigen!

Nach unserer Aktion beim IPCC-Meeting trafen wir einen thailändischen Abgeordneten im Parlament und berichteten ihm von unseren Aktivitäten und Vorschlägen. Dieses Treffen fand haupsächlich auf Thai statt und war für mich deshalb weniger interessant, ganz im Gegensatz zu dem, was darauf folgte!

Im Ministerium für Energie trafen wir mit dem Minister zusammen und lernten zunächst, warum Bangkok so stark von gelben T-Shirts geprägt ist: Der König wurde an einem Montag geboren und ihm zu Ehren tragen viele Thais an Montagen gelb!

Das Gespräch mit dem Minister war allerdings weniger schön: Seiner Meinung nach kann der Klimawandel nur aufgehalten werden, wenn die Energieversorgung durch Atomkraft gesichert ist. Diese Wahl zwischen Pest und Cholera kommt für uns nicht in Frage, deshalb haben wir recht ausführlich mit ihm diskutiert und ihm die Studie Energy (R)evolution übergeben, die zeigt, dass eine Wende hin zu Erneuerbaren Energien möglich ist. Der Minister war nicht bereit, uns dies zu glauben, stattdessen versuchte er, uns mit einer Vorführung an einer Biogasanlage und Geschenken ruhig zu stellen. Weit gefehlt - so schnell wird man uns nicht los, sie haben schon verstanden, worum es uns geht!

Dieses Gespräch löste in einigen von uns echte Wut über die Ignoranz des Ministers aus, zum Glück sind wir in der kurzen Zeit aber gut als Gruppe zusammengewachsen und haben normalerweise viel Spaß. So konnten wir uns gegenseitig wieder aufbauen, bevor wir direkt am größten Fluss Bangkoks zu Abend aßen.

Jetzt haben wir einen ziemlich erfolgreichen und gut gefüllten Tag hinter uns, und morgen geht es schon weiter mit meiner letzten Aktion in Bangkok und dem Flug nach Kyoto - zum jährlichen Treffen der Asian Development Bank. Die Zeit vergeht so unglaublich schnell und trotzdem habe ich das Gefühl, schon lange hier zu sein und die Leute gut zu kennen. Der Abschied morgen wird also nicht ganz leicht, auch wenn neue spannende Aktivitäten warten ...

Viele Grüße aus Bangkok, Lisa

Samstag, 28. April 2007: Eine Nacht- und Dampf-Aktion

Den gejetlagten Europäern fällt das Aufstehen jeden Tag schwerer, aber beim Frühstück Affen zu beobachten, entschädigt für einige kurze Nächte ...

Anschließend ging es daran, mehr über die Entwicklung einer Kampagne zu lernen- besonders spannend z.B. für die Delegation aus Indonesien, wo es noch kein SolarGeneration-Projekt gibt, aber bald richtig losgehen wird! Um Abwechslung in die zahlreichen Vorträge zu bringen und uns auf das Treffen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) vorzubereiten, das ab nächste Woche in Bangkok stattfinden wird, ging es dann in die Praxis: In Rollenspielen haben wir Lobbygespräche mit Politikern und Passanten geübt, was sich als äußerst spaßig herausstellte. Nach einem (auf unseren Wunsch hin weniger scharfen) Mittagessen (man gewöhnt sich auf die Dauer an dreimal Reis pro Tag), ging es an die Pressearbeit. Dazu teilten wir uns in Reporter, die sich die fiesesten Fragen ausdachten, und die SolarGeneration, die sich nach Kräften bemühte, darauf zu reagieren. Nach dieser Vorbereitung kann uns nichts mehr schrecken, schließlich hatten wir auch Beratung von Experten, und niemand stellt hinterhältigere Fragen als Wang!!!

Um unsere Übung zu perfektionieren, haben wir einige von uns bei ihren Interviews gefilmt und diese zum großen Vergnügen der Gruppe ausgewertet. Diese ist inzwischen recht gut zusammengewachsen, auch wenn es uns nach wie vor unmöglich ist, alle Namen zu erinnern - thailändische Namen sind einfach zu lang und mit den Spitznamen kommen wir durcheinander. Nebenbei bemerkt: Der komplette thailändische Name für Bangkok ist so lang, dass man zwei Minuten braucht, um ihn komplett auszusprechen und sogar die Thais Teile vergessen :) Inzwischen haben wir aber auch das erste einfache Wort in Thai gelernt: Ka (was man in Kringelschrift natürlich anders schreibt) bedeutet: ja!

Der Abend war dann mit weiteren Vorbereitungen für die Aktivitäten auf dem IPCC-Meeting gefüllt, Banner malen, Schilder gestalten, 250 Stifte mit selbstgebastelten Windmühlen bestücken ... Eine echte Nacht- und Dampf-Aktion (es ist zu warm für Nebel) in einer Mischung aus Englisch, Thai, Chinesisch, Philippino, Indonesisch und was hier sonst noch gesprochen wird. Einen Bericht in vollständigen deutschen Sätzen zu schreiben, wird so zur echten Herausforderung, zumal ich an einem chinesischen Laptop schreibe und aufgeschmissen bin, wenn er nicht tut, was ich will ...

Freitag, 27. April 2007: In Bangkok angekommen: es geht los! Nach einer relativ kurzen Nacht geht es heute los: Jetzt sind auch die Jugendlichen aus den Philippinen, Indien und Indonesien angekommen und das allgemeine Kennenlernen startet. Um dieses mit einem Eindruck der Umgebung zu verbinden, haben wir eine Bootstour zum Golf von Bangkok gemacht. Diese Tour war mit vielen neuen Eindrücken verbunden: Fischer in kleinen Booten vorm Industriegebiet, Mangroven-Wald und Affenbesuch beim Frühstück (bei dem es Reis gab, was durchaus gewöhnungsbedürftig ist ...). Außerdem erheitert uns der Energie-Campaigner aus Thailand mit thailändischem Karaokegesang.

Jetzt geht es los: Die internationale Arbeit der SolarGeneration wird vorgestellt. Außerdem präsentieren die Jugendlichen aus den einzelnen Ländern, wie sie das Projekt SolarGeneration bei sich vor Ort umsetzen. Und wie sie sich in ihren Ländern für Erneuerbare Energien und den Klimaschutz stark machen. Spannend ist, wie unterschiedlich die Arbeitsweisen, Ansätze und Zielgruppen sind - und wie stark die einzelnen Länder dennoch durch gemeinsame Begeisterung und Motivation für dieses Projekt verbunden sind.

Nach einem äußerst scharfen, thailändischen Mittagessen - für Europäer ist auch das scharf, was Thais als mild bezeichnen :) -, ging es wieder an die Arbeit. Da das IPCC-Meeting am Montag beginnt, haben wir uns an die Vorbereitungen gemacht: Briefing, Brainstorming, Planung, Bannersprüche sammeln. Mit 40 Jugendlichen aus sieben Ländern kommen da natürlich spannende Ideen zusammen. Am Montag werden wir an einer mobilen SolarGeneration Solar-Anlage den thailändischen Energieminister treffen und am Dienstag einen sogenannten Klima-HotSpot besuchen, an dem bereits jetzt sichtbar wird, welchen Einfluss der Klimawandel hat.

Aber ich will euch nicht zu viel verraten - schließlich sollt ihr die Berichte der nächsten Tage ja auch noch mit Spannung lesen, so wie es auch hier in Bangkok immer Neues zu entdecken gibt ...

Viele Grüße aus Thailand, Lisa

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