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Rote Laterne für Obama, Merkel nur rosa

Wie engagiert gehen die Staatschefs gegen den Klimawandel vor? Gegen Ende der Vorverhandlungen in Barcelona hat Greenpeace sich diejenigen genauer angesehen, die auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen eine Schlüsselrolle spielen werden - unter anderem Barack Obama, Gordon Brown und Angela Merkel. Das Ergebnis ist ernüchternd.

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Unsere Analyse zeigt: Die führenden Industriestaaten verheizen das Klima, sagt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. Die selbst ernannte Klimakanzlerin legt keine konkreten Finanzierungszusagen für internationale Klimaschutzprojekte vor und hat im Gegensatz zu anderen Regierungschefs nicht zugesagt, nach Kopenhagen zu fahren. Sie wird ihrer Führungsrolle beim Klimaschutz nicht gerecht.

Das nationale Ziel von Deutschland, bis zum Jahr 2020 40 Prozent CO2 einzusparen, scheint unter den jetzigen Bedingungen nicht realisierbar. Allein die Planung von bis zu 28 weiteren Kohlekraftwerken steht diesem Ziel entgegen. Schöne Worte können das Klima nicht retten. Es muss Schluss sein mit dieser rein symbolischen Klimapolitik, sagt Smid.

Greenpeace hat analysiert, welche Leistung die Regierungschefs erbringen müssen, um das Klimaziel des Weltklimarates zu erreichen. Dabei wurden unterschiedliche Kriterien angelegt. So bewertete Greenpeace beispielsweise den Einsatz für den Waldschutz. Doch auch ob der Staatschef persönlich an der Klimakonferenz in Kopenhagen teilnimmt, floss in die Bewertung ein.

Absolutes Schlusslicht in Sachen Klimaschutz ist US-Präsident Barack Obama mit nur acht Prozent der erforderlichen Leistung. Dafür erhält er die rote Laterne. Was allerdings nicht heißt, dass die anderen daneben gut aussehen. So lässt auch Angela Merkels Engagement deutlich zu wünschen übrig. Sie schafft gerade 45 Prozent und belegt damit einen mäßigen mittleren Platz. Ob China, Brasilien oder Indien - die Schwellenländer engagieren sich mittlerweile stärker als die Industriestaaten.

Greenpeace fordert von den Industrieländern, ihre Treibhausgase bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Darüber hinaus muss die Abholzung der Urwälder in Brasilien und Indonesien gestoppt werden, um die Klimabilanz zu verbessern. Außerdem ist eine jährlich Finanzierung von 110 Milliarden Euro für internationale Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern notwendig.

Die Vorgaben der Wissenschaftler des Weltklimarates sind klar und allen bekannt, erklärt Smid. Es fehlt allein der politische Wille, um zu einem Durchbruch zu kommen.

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