Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Raserei-freie A8: Tempo 120 für den Klimaschutz

Es könnte so einfach sein, Treibhausgase einzusparen. Beispielsweise mit einem Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde. Damit würden neun Prozent weniger CO2 von deutschen Autobahnen in die Luft gepustet. Sofort. Doch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wehrt ab - obwohl seine Partei ein Tempolimit beschlossen hat. Deswegen haben Greenpeace-Aktivisten am Freitagmorgen gehandelt. Auf der Autobahn A8 haben sie 13 Verkehrsschilder mit der Aufschrift 120 - Klimaschutz aufgestellt.

  • /

Die Schilder wurden an einem rund 26 Kilometer langen Abschnitt der A8 zwischen den Auffahrten Stuttgart-Flughafen und Aichelberg in beiden Fahrtrichtungen aufgestellt. Seit April hat Greenpeace in insgesamt sechs Bundesländern auf Autobahn-Teilstücken mit einer Gesamtlänge von 120 Kilometern Geschwindigkeits- beschränkungen für den Klimaschutz eingeführt. Damit protestieren die Umweltschützer gegen die Blockade eines Tempolimits.

Ein solches Tempolimit wäre die schnellste und günstigste Maßnahme, um im Verkehrsbereich Treibhausgase einzusparen. Neun Prozent Einsparung - keine andere Maßnahme hat ein annähernd großes Potenzial. Immerhin werden auf den 12.300 Kilometern Autobahn in Deutschland rund ein Drittel aller PKW-Kilometer gefahren. Zwei Drittel dieser Strecken sind komplett ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Raser haben freie Bahn.

Unverständlich, wie Verkehrsexperte Marc Specowius von Greenpeace findet: Deutschland leistet sich als einziges Industrieland der Welt weiterhin unbeschränkte und CO2-treibende Raserei. Es wäre ein ungeheurer Zynismus, sollte Minister Tiefensee sogar gegen den Willen seiner Parteibasis weiterhin ein Tempolimit blockieren. Er verantwortet damit Jahr für Jahr mehrere Millionen Tonnen Treibhausgase. Specowius erklärt weiter:Da die zuständigen Politiker weiterhin nichts tun wollen, handelt Greenpeace jetzt.

{video_r}Das jetzt von Greenpeace mit Tempo-120-Schildern ausgestattete Teilstück der Autobahn A8 gehört zu den am stärksten befahrenen Strecken in Deutschland. Hier gibt es eine signifikante Unfallhäufung. Auch diese Gefahr würde durch ein Tempolimit abgemildert.

Zudem wäre ein Tempolimit ein wichtiges Signal für die Autoindustrie. Sobald kein Tempo 200 mehr gefahren werden dürfte, würde auch die Nachfrage nach PS-Monstern sinken. Somit wäre durch generelle Geschwindigkeitsbeschränkung die Grundvoraussetzung zum Bau sparsamerer Autos gegeben. Leichtere Motoren bewirken leichtere Autos, die Sicherheit der Insassen kann auch mit geringem Fahrzeuggewicht sichergestellt werden. Ohne Mehraufwand. Dieses Downsizing von Fahrzeugen könnte die CO2-Emissionen von PKW in kürzester Zeit halbieren. Es hätte damit einen deutlich größeren Effekt als alle derzeit diskutierten CO2-Grenzwerte für Autos.

Ein technologisches Konzept für solche PKW gibt es bereits. Das SmILE-Prinzip (Small, Intelligent, Light, Efficient). Ein von Greenpeace nach diesem Konzept umgebauter serienmäßiger Renault Twingo hat bisher mehr als 80.000 Kilometer bei Testfahrten zurückgelegt. Sein Durchschnittsverbrauch liegt bei 3 Litern auf 100 Kilometern und ist damit 50 Prozent niedriger als beim Serienauto. Greenpeace sammelt zurzeit bundesweit Kaufabsichtserklärungen für nach dem SmILE-Prinzip gebaute Autos. Verbraucher erklären mit ihrer Unterschrift, zukünftig besonders spritsparende PKW mit SmILE-Technologie kaufen zu wollen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Cordes + Partner in einer von Greenpeace beauftragten Stellungnahme.

Mehr zum Thema

Gradwanderungen

Die Erderhitzung lässt sich bei 1,5 Grad stoppen, doch auch das wird die Welt verändern, so der Weltklimarat. Über dessen neuen Bericht spricht Greenpeace-Experte Christoph Thies.

Fahrplan für die Zukunft

Während die Kohlekommission darum ringt, wann welches Kraftwerk vom Netz geht, rechnet Greenpeace vor: So geht die Energiewende; auch ohne Kohle hat Deutschland immer genug Strom.

So werden Sie Waldretter

Wald oder Kohle: Das ist gerade die Frage in dem kleinen alten Waldstück Hambacher Forst. Damit RWE es nicht rodet, kann jeder ein Zeichen setzten – hier sind 10 Tipps.