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Mit Gen-Bäumen gegen Klimawandel?

Die Stimmung ist gedämpft, doch die Arbeit geht weiter: Auf der neunten UN-Klimaschutzkonferenz in Mailand ist am Dienstag der Vertragstext zur Anrechnung von Wäldern verabschiedet worden. Ein Kompromiss, den Greenpeace nur bedingt akzeptieren kann, denn zur Aufforstung sollen auch genmanipulierte Bäume erlaubt sein.

Greenpeace steht der Anrechnung von Wäldern beim Klimaschutz generell sehr kritisch gegenüber. Lange Zeit galt als sicher, dass Bäume das Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Neuere Untersuchungen aber legen den Schluss nahe, dass dies nicht dauerhaft geschieht.

Aufforstungen bergen zudem auch Gefahren. Wird den reichen Industriestaaten erlaubt, ein Prozent ihrer Emissionen durch Aufforstungen in ärmeren Ländern auszugleichen, so kann dies zu Enteignungen und zur Ausbreitung von Monokulturen führen.

Greenpeace hat darum gefordert, die Anrechnung von Wäldern an bestimmte Voraussetzungen zu binden: an Umweltverträglichkeitsprüfungen, die Einhaltung sozialer Standards und die Beachtung von Landrechten indigener Völker. Diese Bedingungen sollten in einem eigenen Anhang an das Kyoto-Protokoll festgehalten werden.

Zwar sind die Forderungen in Teilen aufgegriffen worden, doch finden sie sich nicht in einem eigenen Anhang, sondern im Vertragstext selbst. Ein Kompromiss, mit dem Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid leben kann. Mit einer Ausnahme: Dass die Konferenz beschlossen hat, genmanipulierte Bäume zum Aufforsten zuzulassen, ist indiskutabel, sagt er. Hier wird lediglich ein unkalkulierbares Risiko durch ein anderes ersetzt.

Immerhin: Wenn COP 9, die neunte Kyoto-Vertragsstaatenkonferenz, am 12. Dezember endet, werden nach sechs Jahren alle wesentlichen Vertragstexte des Kyoto-Protokolls unter Dach und Fach sein.

Am 10. Dezember 1997 haben im japanischen Kyoto 98 Staaten das Abkommen zum Klimaschutz unterzeichnet. Mittlerweile haben 120 Staaten das Protokoll ratifiziert. Damit es in Kraft treten kann, fehlt noch einer der großen Industriestaaten: Russland. Doch Russland mauert. Vor den Präsidentschaftswahlen im März nächsten Jahres wird sich dort in Sachen Klimaschutz vermutlich nichts bewegen.

Die Stimmung unter den Konferenzteilnehmern in Mailand ist denn auch eher gedämpft. Der fehlende Kick aus Russland drückt auf die Energie. Umso mehr Druck macht der Klimafeind Nummer 1 - die USA, die das Abkommen seit 2001 massiv boykottieren. Sie sind mit einer großen Delegation angereist und machen mit einem ausgefeilten Technologieprogramm Stimmung gegen das Protokoll.

Das Motto der US-Amerikaner, die rund ein Viertel aller Treibhausgase weltweit produzieren, lautet letztlich: Wir machen weiter wie bisher. Statt auf klimafreundliche erneuerbare Energien setzen sie auch zukünftig auf die Verbrennung fossiler Treibstoffe wie Öl - und rechtfertigen das mit Scheinlösungen. (sit)

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