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Lobbyarbeit für die eigene Zukunft

Vier Tage Wind und Regen, sechsunddreißig Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags und sieben neue Ja-Stimmen für konsequenten Klimaschutz in Deutschland - mit dieser Bilanz haben 50 Greenpeace-Jugendliche aus ganz Deutschland ihr Klima-Camp vor dem Berliner Reichstag beendet.

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Viele Jugendliche waren bereits am Sonntag, den 6. Mai 2007, nach Berlin gekommen. Sie wollten von den Mitgliedern des Bundestags erfahren, wie es die Politik in Deutschland mit dem Klimaschutz hält. Außerdem sollte jeder einzelene Politiker ihnen schildern, was er konkret für den Schutz des Klimas tut. Und schließlich sollten sich die Politiker ohne Wenn und Aber für 40 Prozent Treihausgasreduzierung bis 2020 in Deutschland aussprechen.

Dabei stellte sich heraus, dass die Jugendlichen mit ihrem Wissen und ihrer Überzeugungskraft den redegewandten Politikern voll gewachsen waren. In einigen Fällen gelang es ihnen sogar, die Politiker so zu beeindrucken, dass diese sich zu entschiedeneren Klimaschutzmaßnahmen bekannten, als zuvor. Das war Lobby-Arbeit einmal anders: nicht für ein Unternehmen, sondern für die eigene Zukunft.

Jugendliche suchen das Gespräch mit den Politikern

Los ging es am Montagabend mit einer kleinen Eröffnungsfeier auf dem Greenpeace-Schiff Beluga II, welches für einen Tag in Zukunft II umbenannt wurde. Die Abgeordneten erlebten auf der Beluga II ein Theaterstück der Jugendlichen, mit dem diese ihre wachsende Sorge vor dem Klimawandel zum Ausdruck brachten. Die Jugendlichen forderten die Abgeordneten auf, nun endlich gemeinsam mit ihnen das Steuer herumzureißen und die Zukunft II an dem nahenden Eisberg vorbeizusteuern.

Am Dienstagabend trafen die Greenpeace-Jugendlichen die beiden jungen Bundestagsabgeordneten Anna Lührmann und Frank Schwabe zu einem Gespräch darüber, wie diese die deutsche Klima- und Energiepolitik bewerten. Dabei ging es nicht nur um Klimapolitik - so nutzten die Greenpeace-Jugendlichen die Chance, mit den jungen Politikern zum Beispiel über den Alltag eines Abgeordneten im Bundestag oder über das Thema Generationengerechtigkeit zu sprechen.

Ein weiterer Politiker, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Peter Struck, stand den Greenpeace-Jugendlichen im Camp Rede und Antwort. Im Bezug auf die kommende UN-Klimaschutzkonferenz in Bali bekräftigte er bei seinem Besuch die Forderungen der Jugendlichen und sprach sich dagegen aus, das deutsche Klimaschutz-Ziel von Klimaschutz-Zielen anderer Länder abhängig zu machen.

Ein Klima-Wecker für den Bundestag

Zum Abschluss des Klima-Camps bekamen die Jugendlichen noch Besuch von der Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Frau Göring-Eckardt wurde von den Greenpeace-Jugendlichen eingeladen, um ihr Eindrücke und Erfahrungen aus einer Woche Klima-Camp vor dem Berliner Reichstag zu schildern.

Aufwachen: Klimaschutz! stand auf einem Wecker, den die Jugendlichen Frau Göring-Eckardt als symbolisches Geschenk für den Deutschen Bundestag überreicht haben. Damit machten sie noch einmal deutlich, dass die Politik in Sachen Klimaschutz endlich das Tempo anziehen muß, um die Zukunft der jungen Generation vor dem Klimakollaps zu bewahren.

Von Politikverdrossenheit keine Spur

Wie auch das Wetter während des Klima-Camps, war auch die Zufriedenheit der Jugendlichen mit dem Engagement der Politiker insgesamt durchwachsen. Der 17-jährige Christian Walter aus Tuttlingen resümiert: Mit unserem Auftritt haben wir den Politikern gezeigt, dass wir nicht, wie so oft von der Jugend behauptet wird, politikverdrossen sind. Wir sind in Berlin gewesen, um zu zeigen, dass wir unsere Zukunft mitgestalten wollen und uns dafür auch einsetzen.

Hubertus Sanner, 19 Jahre, aus Lahnstein ergänzt: Es war jedoch enttäuschend, dass von der CDU und FDP sehr wenige Abgeordnete kamen. Aber das ist ein Zeichen dafür, dass wir weiterhin Druck auf die Politker ausüben müssen.

Markus Semrau, Koordinator der Greenpeace Jugendprojekte, dazu: Die Enttäuschung der Jugendlichen über die Beteiligung der Politiker am Klima-Camp ist verständlich. Es kommt nicht sehr oft vor, dass Jugendliche sich so nahe und engagiert an die Bundespolititik wenden - trotzdem haben es gerade einmal zwei Abgeordnete aus der CDU/CSU-Fraktion und nur ein Vertreter der FDP geschafft, die zehn Schritte vom Parlamentsgebäude zu den Jugendlichen herüberzulaufen. Der Rest ließ die Chance, sich mit der jungen Generation über eines der wichtigsten Zukunftsthemen unserer Zeit zu unterhalten, ungenutzt verstreichen.

Einsatz für den Klimaschutz geht weiter!

Mit dem Klima-Camp ist das Engagement der Jugendlichen für den Klimaschutz natürlich nicht beendet - erst einmal treten sie die Rückreise in ihre Heimatstädte von Freiburg bis Lübeck an. Doch werden sie die Menschen auch vor Ort in ihren Städten mit bunten, kreativen Aktionen auf den Klimawandel aufmerksam machen. Und über Pfingsten geht es dann schon wieder nach Berlin, hier wird die Greenpeace-Jugend mit rund 250 jungen Aktivisten am Karneval der Kulturen teilnehmen. Die Botschaft auch hier: Klima retten!

(Autor: Markus Semrau)

Publikationen

Verbraucherratgeber: Klimaschutz

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