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Kyoto-Protokoll: Nur Russland fehlt noch

Nach sechs Jahren Arbeit sind die Regeln nun festgelegt, die das Kyoto-Protokoll zu einem wirksamen Instrument gegen die Klimakatastrophe machen sollen. Kein Wunschergebnis, aber auch kein fauler Kompromiss. Das Beste jedenfalls, was uns derzeit im Wettlauf mit der Zeit zur Verfügung steht. So die Einschätzung von Greenpeace am Ende der neunten UN-Klimaschutzkonferenz am Freitag in Mailand.

Quälend langsam hat sich der Prozess vorangeschleppt. So unvollkommen das Abkommen letztendlich auch geworden ist, es liefert einen ersten Rahmen, mit dem wir der Klima-Herausforderung begegnen können. Unter einer Voraussetzung: Russland muss jetzt Wort halten und das Protokoll ratifizieren.

Zu den Bedingungen von Kyoto gehört, dass Industriestaaten dabei sein müssen, die gemeinsam für mindestens 55 Prozent der 1990 ausgestoßenen Treibhausgase stehen. Diese Voraussetzung kann nach der Verweigerung durch die USA nur noch mit dem Beitrag Russlands erfüllt werden.

Die USA haben in Mailand bis zum Schluss versucht, das Kyoto-Protokoll auszuhebeln, indem sie technische Scheinlösungen als Alternativen anpriesen. So sollte nach dem Willen der Amerikaner ausgerechnet die Ölindustrie Forschungsgelder erhalten, um Techniken zur Kohlendioxid-Verpressung in leer gepumpten Öl- und Gasfeldern zu entwickeln.

Für Karsten Smid, Klima-Experte bei Greenpeace, ein klarer Versuch, den Bock zum Gärtner zu machen: Die USA machen ihrer Ölindustrie ein weiteres Profitfeld auf. Erst verdienen die Multis am Treibstoff, dessen Verbrennung zur massenhaften Entstehung von Treibhausgasen führt. Dann sollen dieselben Multis dank risikoreicher 'end-of-the-pipe'-Techniken noch einmal von der Beseitigung der erzeugten Treibhausgase profitieren. Das ist unerträglich.

ExxonMobil-Klimaexperte Brian Flannery, ebenfalls vor Ort, ging so weit, das Kyoto-Protokoll als zu teuer, ineffektiv und ungerecht zu diffamieren. Ungerecht darum, weil die Industrieländer, die für rund 80 Prozent aller Emissionen weltweit verantwortlich sind, mehr leisten sollen als die Entwicklungsländer. Im übrigen besteht nach Flannerys Meinung kein akuter Handlungsbedarf. Man habe noch viel Zeit.

Währenddessen hat die Inuit Circumpolar Conference angekündigt, die Vereinigten Staaten wegen Menschenrechtsverletzung zu verklagen. Die Inuit wollen die Inter-American Commission on Human Rights einladen, sich vor Ort ein Bild von den Folgen der Klimaerwärmung zu machen.

Denn während ExxonMobil und George W. Bush alle Anstrengungen gegen die Klimaerwärmung boykottieren, schmilzt an den Polen in immer schnellerem Tempo das Eis. Mit dem Eis auf den Nordmeeren verschwinden auch die Jagdgründe der Inuit. Ihre traditionelle Lebensweise, und damit ihre kulturelle Identität, ist durch den Klimawandel akut bedroht.

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