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Klimawandel: Wie Konzerne lügen

Erinnern Sie sich an die zermürbenden Diskussionen, ob Rauchen nun Lungenkrebs auslöst oder nicht? Über Jahrzehnte zogen sich die Debatten hin, weil - wie man heute weiß - den Abstreitern dank Finanzspritzen aus der Tabakindustrie nicht die Luft ausging. Der Verband kritischer Wissenschaftler (UCS) aus den USA hat nun eine Studie vorgelegt, wie ExxonMobil (Esso) mit der Szene der Klimawandel-Skeptiker verbandelt ist. Das Fazit: In der Absicht die Öffentlichkeit über den Klimawandel zu täuschen, hat ExxonMobil eine der durchdachtesten und erfolgreichsten Fehlinformationskampagnen gestartet, seit die Tabakindustrie versucht hat, die Menschen über den Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs sowie Herzerkrankungen hinters Licht zu führen.

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Die kritischen Wissenschaftler haben analysiert, welche Mittel ExxonMobil nutzt, um ans Ziel zu kommen. Es sind die gleichen, die seinerzeit die Tabakindustrie einsetzte. So werden allseits akzeptierte Erkenntnisse über die Erderwärmung in Frage gestellt, um künstlich den Eindruck von Unsicherheit zu erzeugen.

Aber der Exxonkonzern schreckt auch nicht davor zurück, scheinbar unabhängige Organisationen ihm genehme Botschaften verbreiten zu lassen. Die Öffentlichkeit bekommt so den Eindruck, der Widerstand gegen den Klimawandel ist weit verbreit. In der UCS-Studie wird das in Anlehnung an die kriminelle Geldwäsche Informationswäsche genannt.

Die öffentliche Aufmerksamkeit wird manipuliert, indem man fordert, seriöse Wissenschaft zum Thema zu betreiben. So soll verhindert werden, dass wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen werden. Außerdem weisen die kritischen Wissenschaftler darauf hin, dass Exxon seinen besonderen Einfluss beim US-Präsidenten ausnutzt, um dessen Politik und die Regierungsäußerungen zum Thema zu beeinflussen.

Leider muss man nicht erst bis nach Washington gehen, um auf diese Art von Informationswäsche von Exxon zu stoßen, erklärt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. Inzwischen fährt der Konzern seine Desinformationskampagne weltweit und auch bei der EU in Brüssel.

Bereits im Ende 2005 hat Greenpeace darauf hingewiesen, dass sich in Brüssel ein von der Energieindustrie gesteuerter Anti-Kyoto-Zirkel einrichte. Eine Schlüsselrolle spielen dabei neoliberale Denkfabriken, die nach amerikanischem Muster, mit amerikanischem Know-How und mit amerikanischen Industriedollars die EU-Parlamentarier bearbeiten.

Doch nicht nur die Politiker stehen im Fadenkreuz, inzwischen sollen auch deutsche Konzerne wie der Energieriese RWE auf ihre Seite gezogen werden, sagt Smid. Dies bewies uns ein internes Dokument, das Greenpeace zugespielt wurde.

Und die Versuche zeigen Erfolge: Im vergangenen September leugnete RWE in einem Rechtsstreit mit Greenpeace vor dem Oberlandesgericht in Köln den Klimawandel, erklärt Smid. RWE stellte alle wissenschaftlichen Erkenntnisse in Abrede und vertrat die Ansicht, dass es wissenschaftlich nicht bewiesen sei, ob das Klima sich verändere. Eine Vorgehensweise, die auch der Bericht der kritischen Wissenschaftler für Exxon beschreibt.

Zwar dementierte RWE, zusammen mit anderen Konzernen eine konspirative Lobby-Gruppe in Brüssel zu gründen. Aber zwischen Chris Horner vom Competitive Enterprise Institut (CEI), einem Vertreter des Anti-Kyoto-Zirkels, und dem Brüsseler Chef-Lobbyisten von RWE, Markus Becker, ist es nach Greenpeace-Recherchen schon zu mehreren Kontakten gekommen.

RWE-Brüssel erklärt dazu, sie habe die Pflicht, sich mit allen Stakeholdern zu unterhalten. Das CEI besitzt mit dem European Enterprise Institute (EEI) eine Zweigstelle in Brüssel und organisiert Kampagnen gegen den Al Gore-Film Eine unbequeme Wahrheit.

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