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Klimaschutz geht jeden an

Der Schwerpunkt der Greenpeace-Arbeit wird im Jahr 2007 der Schutz des Klimas sein. Was für den Klimaschutz entscheidend ist und wer Verantwortung trägt, haben wir in einem Gespräch mit dem Greenpeace-Klimaexperten Jörg Feddern für Sie festgehalten. Sie erfahren auch, was jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen kann.

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Greenpeace Online: Warum rücken wir den Klimawandel so in den Fokus unserer Arbeit?

Jörg Feddern: Klimawandel betrifft uns alle. Das wissen wir. Wir erleben ihn inzwischen tagtäglich. Ganz aktuell durch diesen milden Winter.

Und wir stecken, was die internationalen Klimaschutzziele angegeht, absolut fest. Es gab Anfang November die Klimaschutzkonferenz in Nairobi. Dort wurde versucht über das Jahr 2012 hinaus, für eine Reduktion der CO2-Emissionen zu sorgen. Diese Konferenz ist mit sehr schwachen Ergebnissen zu Ende gegangen. Das heißt, wir wissen nicht, wie es weiter geht.

Aber wir müssen jetzt handeln. Wir haben nur noch zwei Jahrzehnte Zeit, um klare Klimaschutzziele zu erreichen und das Schlimmste zu verhindern. Wissenschaflter sind überzeugt, dass der durchschnittliche Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius bleiben muss, um die Auswirkungen des Klimawandels einigermaßen im Griff behalten zu können.

Greenpeace Online: Was erwarten wir von der Bundesregierung in diesem Zusammenhang?

Jörg Feddern: Unser politisches Ziel in Deutschland für 2007 muss sein, dass wir von der Bundesregierung ein klares Reduktionsziel bis 2020 genannt bekommen - mindestens 40 Prozent weniger CO2. Auf Europa hochgerechnet heißt das wenigstens 30 Prozent CO2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 1990 reduzieren. Die deutsche Regierung muss vorangehen, egal, was die EU beschließt. Bis 2020 sind für uns 40 Prozent machbar und wir wollen das erreichen. Dies ist unser politisches Hauptziel.

Deutschland muss Vorreiter im Klimaschutz bleiben bzw. werden. Und deswegen sagen wir, es ist wichtig in diesem Jahr ein klares Zeichen zu setzen. Mit einem wirksamen und klaren Klimaschutzziel. Denn dieses Jahr bieten sich Deutschland zwei seltene Gelegenheiten zur Einflussnahme. Wir haben die EU-Ratspräsidentschaft inne und sind Gastgeber des G8-Gipfels.

Greenpeace Online: Wer außer Berlin wird von uns zum Mitmachen aufgefordert?

Jörg Feddern: Wir sehen sämtliche Industriestaaten in der Pflicht. Sie müssen ihre Verhinderungshaltung aufgeben, ihre Bremsmanöver einstellen. Sie sollen sich stattdessen auf ein international verbindliches und überprüfbares Reduktionsziel festlegen. Alles andere, wie zum Beispiel freiwillige Abkommen, nützen nichts, weil es nicht überprüfbar ist. Darüber hinaus wollen wir die Bevölkerung und unsere Fördererinnen und Förderer erreichen. Jeder Einzelne von uns kann etwas tun, um den Klimawandel etwas mehr in Grenzen zu halten.

Greenpeace Online: Worin bestehen weltweit die größten Schwierigkeiten, die einen notwendigen Klimaschutz behindern?

Jörg Feddern: Eine der großen Schwierigkeiten ist und bleiben die USA. Als größter CO2-Einzelemittent weltweit gehören sie dem Kyoto-Prozess nicht an. Sie sind unter Bush ausgestiegen und haben das Kyoto-Protokoll bis heute nicht ratifiziert. Und es ist nicht zu erwarten, dass die USA solange George W. Bush im Amt ist, in irgendeiner Weise in diesen Prozess zurückkehren. Man versucht es immer wieder, aber das ist eher aussichtslos.

Greenpeace Online: Und wo sind bei uns in Deutschland die größten Schwierigkeiten zu sehen?

Jörg Feddern: In Deutschland sind es in erster Linie die Energiekonzerne. Allen voran der RWE-Konzern, der auch heute noch Braunkohlekraftwerke baut. In Neurath entsteht eine der größten CO2-Dreckschleudern Europas. RWE ist unverbesserlich, denn trotz der klaren Signale für die CO2-Reduktion und trotz der klaren Alternativen, Stichworte Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, investiert einer der größten Energiekonzerne in Deutschland immer noch in dreckige Braunkohle.

Doch das macht nicht nur RWE, sondern auch Vattenfall. Dieses Unternehmen betreibt vorwiegend in Ostdeutschland Braunkohlekraftwerke. Solche Konzerne setzen klare Signale und sagen, wir wollen neue Braunkohlekraftwerke. Für uns unverständlich!

Dass die Politik keine geeigneten Maßnahmen ergreift, um das zu verhindern, verwundert und kann so nicht hingenommen werden. Die Politik hat ein Mittel zur Hand, den Emissionshandel. Man muss die Konzerne derart mit Emissionszertifikaten ausstatten, dass es sich nur lohnt in die neueste und sauberste Technologie zu investieren. Sprich in erneuerbare Energien oder in hochmoderne Gaskraftwerke, aber auf gar keinen Fall in Braunkohle.

Das Problem in Deutschland ist, dass die Politik im Prinzip den Energiekonzernen folgt. Sie stattet sie überreichlich mit Verschmutzungszertifikaten aus. Damit sind die Konzerne nicht gezwungen, umzuschalten. Und das wollen wir in diesem Jahr ändern.

Greenpeace Online: Reicht es, wenn Berlin sich nur um die Energieversorger kümmert?

Jörg Feddern: Nein, der andere entscheidende Einflussfaktor ist der Verkehrssektor. Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass die Autohersteller immer noch Fahrzeuge produzieren, die im Schnitt acht Liter verbrauchen, obwohl wir über die Technik verfügen, den Flottenverbrauch in 10 bis 15 Jahren auf drei bis vier Liter zu drücken. Dass die Politik dieses Effizienzpotential brachliegen lässt, ist unverantwortlich. Stattdessen lassen sich die Politiker mit der freiwilligen Reduzierung der Automobilindustrie abspeisen. Wir wissen was freiwillige Maßnahmen in der Vergangenheit gebracht haben, nichts, gar nichts. Deswegen fordern wir die Politiker auf, sowohl im Energie- als auch im Verkehrssektor zu handeln. Natürlich gehört eine EU-weite Perspektive dazu.

Greenpeace Online: Was will Greenpeace bei den Menschen bis Ende 2007 erreicht haben?

Jörg Feddern: Wir wollen, dass die Bevölkerung oder ein Großteil der Bevölkerung den Klimawandel ernst nimmt und sich selbst am Klimaschutz beteiligt. Jeder Einzelne sollte sich darüber Gedanken machen, was er oder sie zur Lösung dieses Problems beitragen kann. Wir wollen der Öffentlichkeit Vorschläge präsentieren, was jeder tun kann. Ein erster Schritt ist zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Also weg von RWE oder Vattenfall die in Braunkohle investieren. Weg von E.ON oder EnBW, die immer noch die Atomenergie hochhalten.

Außerdem kann man sich in seinem Haushalt umsehen, wo man Strom sparen kann. Strom sparen bedeutet CO2 sparen. Da gibt es eine ganze Menge: angefangen bei den berühmten Stand-by-Schaltungen, auf die man verzichten sollte, bis zum Neukauf von Geräten. Gerade beim Kauf von sogenannten Weißgeräten, wie Kühlschränken, Waschmaschinen, Gefriertruhen, sollte darauf geachtet werden, dass nur die effizientesten Geräte in den Haushalt kommen. Die sind zwar immer ein wenig teurer, aber dadurch, dass diese Geräte wenig Strom verbrauchen, amortisieren sie sich zügig. Und das immer schneller, weil der Strom immer teurer wird.

Das Dritte ist, beim Kauf von Neuwagen keine PS-Monster zu wählen, sondern Sprit sparende Autos. Die bringen einen genauso bequem von A nach B. Aber auch, und das ist das klassische Beispiel, für kürzere Strecken einfach mal das Fahrrad nutzen oder zu Fuß gehen. Das fördert die Gesundheit und spart CO2.

Wir wünschen uns natürlich, dass uns viele Leute unterstützen. Denn nur wenn sich der öffentliche Druck auf die Politik erhöht, wird diese wirklich aktiv etwas für den Klimawandel tun. Reden tun sie alle darüber und der Wandel ist unbestritten, jeder sagt, der Klimawandel ist katastrophal. Was jetzt folgen muss, sind konsequente Maßnahmen, um den Klimawandel aufzuhalten. Das Entscheidende sind die weniger als zwei Grad.

Wir dürfen und müssen dafür sorgen, dass die Temperaturen sich nicht weiter erhöhen. Zwingend muss der Anstieg deutlich unter zwei Grad bleiben. Ein Beispiel: die Temperaturerhöhung, die wir jetzt schon feststellen, führt dazu, dass einer der größten deutschen Gletscher auf der Zugspitze in spätestens 15 Jahren verschwunden sein wird - eindeutig wegen des Klimawandels. Viele andere Gletscher in den Alpen, die noch deutlich größer sind, wird bis Ende diesen Jahrhunderts das gleiche Schicksal ereilen. Ich denke, wir alle müssen diese große Aufgabe gemeinsam bewältigen.

Greenpeace Online: Wie geht es 2008 und danach weiter?

Jörg Feddern: Unsere Schwerpunkte in diesem Jahr sind die Politik und die Energikonzerne, die, wie RWE, immer noch in alte CO2-starke Technologien setzen. Aber wir werden auch deutlich machen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Meere hat, auf die Wälder, auf das Grund- und Trinkwasser. Das sind ganz große Probleme.

Wir werden in den nächsten Jahren das Klima zum Schwerpunkt machen, weil wir gar nicht daran vorbeikommen. Die Klimaproblematik ist nicht von heute auf morgen zu lösen. Wir werden langen Atem beweisen müssen, denn dies Problem muss mehr als dringend gelöst werden, sonst wird sich vieles verändern - nur zum Negativen.

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