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Klimacamp Polen - ein Signal an die Welt

Im polnischen Konin, am Rande eines ausgedehnten Kohletagebaus, ist seit zwei Wochen ein vierstöckiger Globus zu sehen - die Climate Rescue Station, das Greenpeace-Klimaschutzcamp. Menschen aus 15 verschiedenen Ländern bewohnen es, bis die am 1. Dezember begonnenen UN-Klimaverhandlungen in Poznan beendet sind. Die Campbewohner informieren, protestieren, demonstrieren - für Klimaschutz, gegen Kohle.

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Das Camp direkt an der Kohlegrube Jozwin-2B ist ein Zeichen an die Welt und an die Politik. Die Konferenz in Poznan vom 1. bis 12. Dezember 2008 dient der Vorbereitung auf den UN-Klimagipfel in Kopenhagen Ende 2009. Dort wird sich zeigen, ob es den Staaten gelingt, sich auf ein wirksames Kyoto-Nachfolgeabkommen zum Klimaschutz zu einigen oder nicht.

Kopenhagen könnte eines Tages das Synonym für Scheitern oder Gelingen im Kampf gegen den Klimawandel sein. In Poznan werden schon die Weichen gestellt.

Einer der Greenpeacer in der Klimaschutzstation ist Gene Hashmi aus Indien. Sowohl Polen als auch Indien decken ihren Strombedarf fast ausschließlich mit Hilfe der Kohleverbrennung. Beide Länder verfügen über große eigene Kohlevorkommen. Gene in Konin erzählt von Jharia in Westbengalen, dem größten und ältesten Kohlevorkommen Indiens:

Jharia und die kala-heera

Jharia - eine Stadt, grau vom Kohlestaub. Gelegen in einer Landschaft, in die sich schon lange keine Vegetation mehr verirrt hat. Wo aus unzähligen Klüften und Rissen im Erdboden giftige Gase austreten, auf den Straßen, den Höfen, den Feldern. Wo alle Wasserquellen verseucht sind von den Abwässern der Kohlewäschereien. In der es kaum einen Menschen gibt, der nicht von kala-heera abhängt, vom Schwarzen Diamanten Kohle.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Jharia sei vergleichbar mit der in einem Kriegsgebiet, erzählt Gene. Zu jeder Zeit schwelen mindestens 70 ober- und unterirdische Kohlefeuer - die ältesten schon so lange wie in Jharia Kohle abgebaut wird.

Die Feuer haben 42 Millionen Tonnen von dem schwarzen Stoff verzehrt, haben die Fundamente der Stadt ausgehöhlt. Die Häuser von Jharia reißen, Wände stürzen in sich zusammen, Fußböden brechen ein. Oft ohne Vorwarnung. Längst sind auch die Feuer selber in die Stadt eingedrungen. Ihre Flammen sind auf der Hauptstraße zu sehen, haben Eisenbahnschienen unterwandert.

Anders als Konin ist Jharia auf Satellitenbildern nicht zu sehen. Eine dicke Qualmglocke hüllt die Region seit über einem Jahrhundert ein. Was die Bilder nicht zeigen: woraus der tödliche Rauchcocktail besteht, aus Aerosolen, Kohlenstoff-, Stickstoff- und Schwefelverbindungen. Und auch das zeigt Google Earth nicht: was der Rauch den Menschen antut. Haut- und Atemwegserkrankungen, chronische Bronchitis, Tuberkulose, Asthma und Staublunge bestimmen Leben und Sterben in Jharia.

Welten trennen die Menschen in Jharia und in Konin. Trotzdem haben sie etwas gemeinsam: Sie sind die ersten Glieder in einer Kette, die direkt ins Desaster führt. Auch die Kohlegruben von Konin spucken weiter den schmutzigsten Brennstoff der Welt aus, den Klimakiller Nummer 1.

Weltweit sind hunderte Milliarden Dollar Investitionen in Kohlekraftwerke geplant. Wenn diese Kraftwerke wirklich realisiert werden, könnte der globale CO2-Ausstoß bis 2030 um 60 Prozent steigen. Die Folgen wären verheerend und sie gehen uns alle an.

(Autorin: Sigrid Totz)

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