Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Klima-Alarm in Bonn

Ohrenbetäubendes Sirenengeheul auf dem Platz vor dem Hotel Maritim in Bonn: Greenpeace-Aktivisten schlagen Alarm. Im Maritim diskutieren rund 4.000 Delegierte aus 190 Ländern seit zehn Tagen über Klimaschutzmaßnahmen. Doch die Verhandlungen stagnieren. Hauptblockierer sind die EU und die USA. Sie wollen keine Zusagen zur CO2-Reduktion und zur Finanzierung des Klimaschutzes geben.

  • /

Den Delegationen fehlt offenbar jeder Realitätsbezug. Wir erinnern sie mit dem Klima-Alarm an die dramatische Erderwärmung, sagt Corinna Hölzel, Wald- und Klimaexpertin von Greenpeace.

Die Erderwärmung zerstört bereits jetzt die Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten. Wetterextreme nehmen zu, der Meeresspiegel steigt und die Zahl der Menschen, die sich auf der Flucht vor den Klimafolgen befinden, wird immer größer. Die Industrienationen wollen nur 8 bis 15 Prozent CO2 bis 2020 reduzieren. Das ist deutlich zu wenig, sagt Hölzel.

Damit es beim UN-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen ein Klimaabkommen geben kann, müssen die reichen Industrienationen mehr Geld zum Schutz des Klimas an die Entwicklungsländer zahlen. Greenpeace fordert von den Industrieländern, jährlich 110 Milliarden Euro für den Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen. Für Deutschland bedeutet dies einen Anteil von sieben Milliarden Euro. Zudem müssen die Industrienationen ihren CO2-Ausstoß um mindestens 40 Prozent bis 2020 verringern.

Klimaverhandlungen sind kein Beamten-Mikado nach dem Motto: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Einige Länder haben ganz klar kein Interesse, den Klimawandel aufzuhalten. Die USA, Australien, Neuseeland, Japan und Kanada tun so, als ob es keinen Klimawandel gäbe und stellen ihre eigenen Interessen vor die Interessen des gesamten Planeten, sagt Hölzel.

Die EU übernimmt ebenfalls keine Initiative beim Klimaschutz. Auf dem Finanzministertreffen wurden Anfang dieser Woche keine konkreten Summen für den Klimaschutz festgelegt. Europa hat die Wahl: Will es weiterhin auf der Zuschauerbank sitzen und zusehen, wie die anderen Industrieländer die Hoffnung auf ein gutes Klimaabkommen in Kopenhagen verspielen oder will es den Schritt machen und sich für ein starkes Abkommen einsetzen?, fragt Hölzel. Besonders Bundeskanzlerin Angela Merkel ist hier gefordert, eine Führungsrolle beim Klimaschutz zu übernehmen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Cordes + Partner in einer von Greenpeace beauftragten Stellungnahme.

Mehr zum Thema

Gradwanderungen

Die Erderhitzung lässt sich bei 1,5 Grad stoppen, doch auch das wird die Welt verändern, so der Weltklimarat. Über dessen neuen Bericht spricht Greenpeace-Experte Christoph Thies.

Fahrplan für die Zukunft

Während die Kohlekommission darum ringt, wann welches Kraftwerk vom Netz geht, rechnet Greenpeace vor: So geht die Energiewende; auch ohne Kohle hat Deutschland immer genug Strom.

So werden Sie Waldretter

Wald oder Kohle: Das ist gerade die Frage in dem kleinen alten Waldstück Hambacher Forst. Damit RWE es nicht rodet, kann jeder ein Zeichen setzten – hier sind 10 Tipps.