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Die Zeit rennt uns davon

Rekordhitze und sintflutartige Regenfälle: Doch die Politik reagiert so, als sei noch alle Zeit der Welt, um der Bedrohung des Klimawandels Herr zu werden. Heute ist in Bonn das vorletzte Vorbereitungstreffen für den nächsten Klimagipfel zu Ende gegangen - wieder ohne nennenswertes Ergebnis. Martin Kaiser, Leiter der Internationalen Klimapolitik bei Greenpeace, kommentiert.

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Es steht immer schlechter um den internationalen Klimaschutz. Die Chancen für ein Klimafolgeabkommen bei der nächsten Klimakonferenz in Cancun, Mexiko tendieren nach diesen Verhandlungen in Bonn gegen Null. Die Tage hier waren geprägt von totaler Rat- und Ziellosigkeit der Diplomaten.

Die US-Vermittler wissen, dass sie nach dem Scheitern von Obamas Klimaschutzgesetz keinerlei internationalen Abkommen beitreten können. Saudi Arabien will kein Abkommen und verzögert, wo es nur kann und die EU hat das Interesse verloren. Deutschland und Frankreich konzentrieren sich derzeit mehr auf innenpolitische Probleme als auf den Klimawandel.

Dabei zeigen die Waldbrände in Russland und die verheerende Flut in Pakistan einmal mehr, wie bedrohlich Extremwetterereignisse sind. Solche Katastrophen werden durch den Klimawandel zunehmen, wenn der globalen Erwärmung kein Einhalt geboten wird.

Es wäre dringend notwendig, dass Bundeskanzlerin Merkel auf dem EU-Gipfel im Oktober die EU zu einem Reduktionsziel für Kohlendioxid von 30 Prozent führt. Damit könnte sie ein Zeichen setzten, dass wenigstens ihr die Abkehr der schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung wirklich ein zentrales Anliegen ist.

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