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Die G8 haben versagt

Die Chance zu einem echten Fortschritt war da und ist vertan worden, sagt Tobias Münchmeyer, Klimaexperte von Greenpeace zur Abschlussdeklaration des G8-Gipfels am Donnerstagabend. In dem Papier ist nachzulesen, dass die G8-Staaten eine Halbierung der Kohlendioxidemissionen bis 2050 ernsthaft in Betracht ziehen. Dazu Münchmeyer: Die G8 hätte mit ehrgeizigen Verpflichtungen zeigen können, dass sie in der Lage ist, Verantwortung und Vorreiterschaft zu übernehmen. Die G8 haben versagt.

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Ein positiver Aspekt an dem Abschlussdokument ist der Beschluss, dass Verhandlungen für eine zweite Verpflichtungsperiode im Zuge des Kyoto-Protokolls bis 2009 abgeschlossen sein sollen. Außerdem hat der Abschlusstext aber auch die tiefe Spaltung der G8 im Klimaschutz offengelegt, erklärt Münchmeyer. Das ist gut, weil die Welt dadurch klar sehen kann, dass sich die USA verbindlichen Reduktionszielen weiter verweigern.

Noch am Vormittag wollten Greenpeace-Aktivisten den in Heiligendamm versammelten Staatschefs eine Klimaschutz-Petition überbringen, um ein Scheitern des Gipfels in dieser Frage zu verhindern. In elf Schlauchbooten näherten sie sich dem Tagungsort von der Seeseite her. Zuvor wurde die Polizei über die friedliche Aktion unterrichtet. Mit mehreren Schnellbooten und Polizeischlauchbooten machte diese trotzdem Jagd auf die Greenpeacer und verfolgte und bedrängte sie. Dabei kam es zu harten Zusammenstößen, bei denen sechs Aktivisten leicht verletzt wurden.

Man kann Schlauchboote auch anders stoppen

Die Greenpeace-Aktion fand im sogenannten Großen Seegebiet vor Heiligendamm statt. Heute Morgen um 10:45 Uhr waren die Boote von Osten und Westen in das Gebiet zehn Seemeilen vor der Küste gefahren. Auf Fahnen und Flaggen trugen die Aktivisten den Slogan G8 - Act now. Sie hatten eine Petition dabei, die die G8-Staaten unter Führung von Angela Merkel drängt, verbindliche Reduktionen ihrer Treibhausgas-Emissionen zu beschließen.

Da die G8-Beratungen zum Klimaschutz seit gestern in eine ernste Krise geraten sind, hatte sich Greenpeace zu dieser Aktion von Wasserseite aus entschlossen. Die Greenpeace-Flottille bestand aus vier Katamaran-Schlauchbooten, fünf klassischen Schlauchbooten und zwei Sechs-Meter-Schiffen.

Ein kleines Schlauchboot und ein Sechs-Meter-Boot wurden von Polizeibooten wortwörtlich überfahren. Sechs Aktivisten wurden dabei verletzt, einige ins Wasser gestoßen. Sie erlitten Prellungen und Quetschungen an Rücken und Rippen, Armen und Beinen. Ein Aktivist blieb vorsorglich im Krankenhaus.

Man kann Schlauchboote auch anders stoppen, ohne sie zu überfahren, sagt Jörg Feddern, Greenpeace-Klimaschutz-Experte. Gewaltfreier Protest in Sichtweite muss auch bei den mächtigsten Männern und Frauen der Welt möglich sein, ohne dass man in Lebensgefahr gerät. Die Boote sind in Polizeigewahrsam.

Petition mit klaren Zielvorgaben

In der Petition heißt es unter anderem: Die G8-Staaten müssen einen Durchbruch bei den internationalen Klimaverhandlungen durch verlässliche Erklärungen erwirken. Die Treibhausgas-Emissionen in Industriestaaten müssen bis zum Jahr 2020 um mindestens 30 Prozent (gegenüber 1990) reduziert werden. Die Entwaldung und Degradierung der Urwälder muss bis 2010 gestoppt werden. Mit dieser Petition fordern wir Sie auf, Ihrer Verantwortung für den Klimaschutz gerecht zu werden.

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