Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Bushs Klima-Initiative ist reine PR-Show

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush, hat am Donnerstag die Weltöffentlichkeit mit der Ankündigung eines eigenen Klimaschutzvorhabens überrascht. Diese Verlautbarung erfolgte nur eine Woche vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm, den die Gastgeberin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch zu einem Klimagipfel machen wollte. Den Schachzug des US-Präsidenten kommentiert unser Energieexperte Karsten Smid.

  • /

Die neue Klimaschutz-Initiative ist ein hinterhältiges Ablenkungsmanöver, sagt Smid. Es ist nur dazu gedacht, das Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen zu schwächen. Der Vorstoß von Bush ist inhaltlich inakzeptabel. Der Zeitpunkt unmittelbar vor G8 entlarvt die Initiative als reine PR-Show. Wer Klimaschutz will, muss das Klimaschutz-Abkommen von Kyoto ratifizieren. Bundeskanzlerin Merkel muss weiter dafür kämpfen, dass sich die Industriestaaten auf verbindliche Reduktionen der Treibhausgase einigen.

Bush, der vor Jahren schon dafür gesorgt hatte, dass die USA das Kyoto-Klimaprotokoll nicht unterzeichneten, will nun noch weitere jahrelange Verhandlungen führen. Wann die USA, der weltgrößte Produzent des Treibhausgases Kohlendioxid, dann mal endlich konkret etwas gegen den immer schneller fortschreitenden Klimawandel tun wollen, steht allerdings nach wie vor in den Sternen.

Wenig überraschend fielen die weltweiten Reaktionen auf Bushs Initiative aus. So kam aus Australien, ebenfalls Kyoto-Protokollverweigerer, große Zustimmung. Um das Gesicht zu wahren und nicht einzugestehen, dass es Unstimmigkeiten zwischen den G8-Staaten gebe, rangen die Regierungschefs von Großbritannien, Japan und Deutschland sich ein Lob für den US-Präsidenten ab. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel jedoch warnte davor, auf ein trojanisches Pferd reinzufallen. Und der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, rechnet laut der Nachrichtenagentur dpa nicht mehr mit einer Einigung auf konkrete Klimaschutzvorgaben in Heiligendamm - womit ein Wunschtraum der Bundeskanzlerin geplatzt wäre.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Cordes + Partner in einer von Greenpeace beauftragten Stellungnahme.

Mehr zum Thema

Geht’s so? Geht so…

Am Ende des UN-Klimagipfels steht ein Regelbuch, wie Länder das Klima wirksam schützen. Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser war in Kattowitz dabei und bewertet das Ergebnis.

Standpauke in zwei Städten

Deutschland will Klimaschutz, schiebt die naheliegende Lösung aber auf die lange Bank. In Berlin und Köln und fordern heute darum Zehntausende: Macht endlich Schluss mit Kohle!

Es geht immer um alles

Pellworm spürt die Auswirkungen des Klimawandels. Die Backsens klagen darum mit Greenpeace und zwei weiteren Familien gegen die Bundesregierung: für das Recht auf Klimaschutz.