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Ein Interview mit Janine Lück

Auf dem UN-Klimagipfel in Bali geht es um unsere Zukunft ...

Wenn Anfang Dezember die politische Weltgemeinschaft auf Bali zusammenkommt, um auf dem wahrscheinlich wichtigsten Klimagipfel aller Zeiten die Weichen für die Zukunft unserer Erde zu stellen, will sie als Zeugin für ihre Generation dabei sein: Janine Lück, 21, aus Krefeld.

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Ganz genau wird Janine vor Ort hinschauen, wie unsere Politiker mit dieser historischen Chance umgehen. Doch sie wäre keine engagierte Greenpeacerin, würde sie nicht ihre Zukunft selbst mit anpacken wollen. Als deutsche Delegierte der SolarGeneration, einem internationalen Greenpeace-Jugendprojekt, zeigt sie mit anderen jungen Umweltschützern aus der ganzen Welt, dass das Bekenntnis zum Klimaschutz nur über konkrete Handlungen wirksam wird - und dafür ist der Zeitpunkt jetzt gekommen.

Ihr habt euch ja einiges für Bali vorgenommen! Welche Aktionen hat die SolarGeneration für den Weltklimagipfel geplant?

Janine Lück: Diverse! Wir werden während der kompletten Konferenz Präsenz im Konferenzgebäude zeigen und wollen dort mit so vielen Delegierten wie möglich ins Gespräch kommen und die Konferenz aus direkter Nähe verfolgen. Wir wollen zeigen, dass Jugendliche sich sehr wohl für ihre Zukunft einsetzen und sich für den Klimaschutz stark machen!

Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior wird auch vor Ort sein und am 8. Dezember wollen wir uns natürlich an den dortigen Aktivitäten zum weltweiten Klima-Aktionstag beteiligen. Außerdem planen wir, den politisch Verantwortlichen unsere Botschaften für den Klimaschutz zu überbringen - ich zum Beispiel werde noch eine Botschaft der Greenpeace-Jugend aus Deutschland im Gepäck haben.

Unsere Botschaften wollen wir den Delegierten an einem großen Drachen präsentieren - und wir hoffen, dass auch der eine oder andere Minister uns dort besuchen wird. Beginnen werden wir aber mit einem Solar-Festival am Kuta-Beach von Bali, wo wir über das Thema Klimaschutz informieren werden. Die Bar wird über ein Solar-Panel betrieben und auf der Bühne treten lokale Bands und traditionelle Tänzer auf. Es soll ein Fest werden, mit dem wir unsere Lebensfreude ausdrücken wollen. Letztlich wird ja auf diesem Gipfel unser aller (Über-)Leben verhandelt!

Die Klimaverhandlungen finden rund um den 10. Jahrestag des Kyoto-Abkommens statt ...

Janine Lück: ...und dafür ist natürlich eine Geburtstagsfeier geplant! Am 10. Dezember laden wir herzlich alle Delegierten im Konferenzgebäude dazu ein, mit uns gemeinsam eine Geburtstagstorte anzuschneiden. Unsere Message lautet: Kyoto - Just do it! Soll heißen: Bleibt dran am Kyoto-Abkommen und sorgt dafür, dass wir auch nach 2012 einen verlässlichen Fahrplan haben, wie wir dem Klimaproblem beikommen wollen. Nur wenn jetzt alle an einem Strang ziehen, Menschen und verantwortliche Politiker aus den reichen Industrienationen, aus Schwellenländern und aus armen Entwicklungsländern, haben wir gemeinsam eine Chance, den Klimaschutz anzupacken.

Die Industrieländer müssen ihre CO2-Emissionen bis 2020 um dreißig Prozent absenken, weltweit müssen die Emissionen bis 2050 sogar um mindestens 50 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden - nur dann ist es möglich, den zu erwartenden Temperaturanstieg unter die 2-Grad-Marke zu drücken. Aber dafür muss jetzt auf Bali ein konkreter Aktionsplan für die nächsten Jahre entworfen werden, sonst droht uns allen der blanke Horror: Überschwemmungen, Dürren, Stürme; Auseinandersetzungen um Ressourcen sowie Flüchtlingsströme...

Welche Position erwartest du vom deutschen Umweltminister auf der Konferenz?

Janine Lück: Ich finde, er pusht das Thema Klimaschutz auf internationaler Ebene schon ganz gut und ich glaube, dass er einen sehr aktiven Part auf der Konferenz spielen und hoffentlich viele andere Regierungen mit ins Boot holen wird für einen wirksamen Aktionsplan. Aber er muss auch in Deutschland konsequent und glaubhaft bleiben: Neue Kohlekraftwerke können doch zu dieser Zeit keine ernsthafte Antwort auf den beginnenden Klimawandel sein!

Warum hat eine UN-Klimakonferenz gerade in Indonesien eine so große Bedeutung?

Janine Lück: Indonesien ist leider ein trauriges Beispiel dafür, dass Klimaschutz nicht ohne Urwaldschutz funktioniert. Die vielen Brandrodungen der Regenwälder, um zum Beispiel Platz für Palmölplantagen zu schaffen, führten dazu, dass Indonesien heute weltweit drittgrößter CO2-Emittent ist - gleich nach den USA und China. Indonesien bringt auf diese Weise mehr CO2 in die Atmosphäre als Deutschland, obwohl wir die Industrienation sind!

Viele Menschen, insbesondere auch dort, wo Produkte aus Palmöl auf dem Markt sind, ahnen gar nicht, welche Folgen die Abholzung und Brandrodung der Wälder hat. Es ist eben ein armes Land, das auf diese Weise seine Ressourcen zu Geld macht. Und wir wollen ihnen ja auch nicht die Lebensgrundlage nehmen, aber wir müssen international nach Alternativen suchen. Dafür muss ein finanzieller Ausgleich gefunden werden. Auch das muss auf Bali verhandelt werden!

Die SolarGeneration gibt es seit 2003. Du bist von Anfang an dabei gewesen. Welche Ziele verfolgt ihr mit dem Projekt?

Janine Lück: Generell, wie der Name ja schon sagt, treten wir als Generation für eine weltweite Energieumstellung und konsequenten Klimaschutz ein. Wir wollen, dass Schluss gemacht wird mit Kohle- und Atomkraft und dass stattdessen Energie effizienter genutzt und erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Wasser ausgebaut werden.

Ich war gerade für ein Jahr in Australien und habe dort im Greenpeace-Büro gearbeitet. Die führen in Australien die gleichen Diskussionen wie wir: Die letzte Regierung setzte weiter auf Kohle, was dort ein riesiger Wirtschaftszweig ist, und weil sie sich nicht mit der traditionellen Energielobby anlegen wollte. Aber vielleicht ändert sich ja mit dem aktuellen Regierungswechsel einiges: Der neue Premier Kevin Rudd hat in Aussicht gestellt, endlich das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen!

An welchen SolarGeneration-Projekten warst du denn schon beteiligt?

Janine Lück: Sowohl an ganz vielen kleinen, lokalen Aktionen wie der in Krefeld, als wir an einer Straßenmodenschau in Bikinis teilgenommen haben. Auf unseren Rücken stand: Solar heizt uns ein. Das war lustig! Aber ich war auch 2004 bei den Renewables in Bonn dabei, einer internationalen Konferenz zum Thema erneuerbare Energien. Wir haben vor dem Konferenzgebäude jeden Tag die Themen versinnbildlicht, die auf der Agenda standen: böse Politiker, gute und schlechte Energien, Geld, das aus Schornsteinen quillt... Wir führten mit vielen Politikern Gespräche und haben uns als Generation gezeigt, die Interesse an ihrer Zukunft hat. Das ist auch in Bali unser Anliegen: Die Delegierten treffen dort Entscheidungen von einer Tragweite, die unsere und folgende Generationen am stärksten betreffen werden. Ich will mit ihnen sprechen und diskutieren und sehen, wer unsere Interessen vertritt. Und ich möchte, dass sie feststellen: diese Zukunft, für die ich hier kämpfe, hat ein Gesicht!

Was machst du, wenn du nicht gerade Politikern auf die Füße trittst?

Janine Lück: Zurzeit arbeite ich an einer Bewerbungsmappe für den Studiengang Kommunikationsdesign. Das ist meine andere, künstlerische Seite! Ich hoffe, dass ich eines Tages die Chance habe, mein politisches Interesse in die Kunst einzubringen. Ich hätte Lust, später für kritische Zeitungen oder Magazine zu arbeiten. Ich kann mir aber auch vorstellen, hauptamtlich für NGOs zu arbeiten.

Du wirst ja Jeani genannt. Wenn du mit den Augen blinzeln und dir etwas wünschen könntest...

Janine Lück: ... würde ich mir als erstes mehr Gerechtigkeit im Großen wie im Kleinen wünschen. Ob es sich um den Kauf von Fair Trade-Produkten handelt oder wie man mit Menschen umgeht... Dann wünsche ich mir natürlich, dass wir das Klimaproblem in den Griff kriegen. Und für mich: Hoffentlich bleibe ich so glücklich, wie ich bin. Das wäre schön.

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