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100 Konzerne plötzlich Klimafreunde

In New York sprachen sich Führungskräfte von 100 internationalen Unternehmen für sofortige Maßnahmen zum Klimaschutz aus. "Wir erkennen, dass wir als Industriezweig Teil des Problems sind", sagte Volvo-Präsident Tomas Ericson in Nordamerika - und fügte hinzu: "Aber wir sind auch Teil der Lösung." Wir fragten Gabriela von Goerne, Greenpeace-Klimaexpertin und Mitglied des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), wie diese Ankündigung einzuordnen ist.

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Greenpeace Online: Gabriela, glaubst du an den Wandel im Denken der Konzernführungen?

Gabriela: Ich halte es für eine absolute Imagekampagne. Das meiste, was Konzerne bisher in Sachen Klimaschutz gesagt haben, waren reine Lippenbekenntnisse. Es gab einige sogenannte Selbstverpflichtungen der Industrie bezüglich Klimaschutzprojekten, zum Beispiel die Reduzierungen der Treibhausgase, die nie eingehalten wurden.

Anstatt große Worte zu schwingen, sollten die Emissionen wirklich gesenkt werden. Daran kann man die Konzerne messen. Die Autoindustrie sollte, wie die EU es vorgeschlagen hat, die 120 Gramm CO2-Ausstoß erreichen.

Greenpeace Online: Der Ansatz der Konzerne war die Forderung nach einem Preis auf CO2-Emissionen. Ist das sinnvoll?

Gabriela: Es gibt schon ein Instrument, das einen Preis für CO2 kreieren sollte, den Emissionshandel. Dort gäbe es bereits einen Preis für CO2-Verbrauch. Doch der Staat gibt die Zertifikate momentan kostenlos aus. Insofern kriegen die Unternehmen die Verschmutzungsrechte geschenkt. Anstatt eine CO2-Steuer zu fordern, sollten sie lieber fordern, das die Zertifikate in Zukunft zu 100 Prozent versteigert werden.

Greenpeace Online: Im Kyoto-Protokoll gibt es ja bereits ähnliche Ansätze, wie den Clean Development-Mechanismus, kurz CDM. Was hat es damit auf sich?

Gabriela: Der CDM sieht vor, dass ein Industrieland ein sauberes Entwicklungshilfeprojekt durchführt, zum Beispiel erneuerbare Energien aufbaut oder nachhaltig zur Energieversorgung beiträgt. Die Emissionen, die dadurch vermieden werden, kann sich das Geberland gutschreiben lassen.

Ähnlich ist es jetzt auch im europäischen Emissionshandel möglich. Das heißt, ein Konzern, zum Beispiel RWE, der ein schmutziges Braunkohlekraftwerk baut, kann die dafür benötigten Zertifikate durch ein CDM-Projekt erstehen. De facto holt man sich also die Legitimation für den Bau dreckiger Kraftwerke hier, im Ausland.

Greenpeace Online: Das klingt, als sei diese Regelung nicht sehr wirksam?

Gabriela von Goerne: Es gibt einige sehr unschöne Projekte des CDM. Zum Beispiel der Austausch eines bestimmten Fluorkohlenwasserstoffs durch einen anderen. Fluorkohlenwasserstoffe sind extrem klimaschädlich. Deswegen kann ein Unternehmen mit einem einzigen solchen Projekt sehr viele Zertifikate bekommen. Dadurch wird die Idee natürlich aufgeweicht. Greenpeace arbeitet schon lange daran, dass diese ganze Sache verboten wird.

Greenpeace Online: Kann man gegen diese Fehlentwicklung wirken?

Gabriela von Goerne: Ich glaube es ist wichtiger denn je, daran zu denken, wozu der CDM eigentlich entwickelt wurde. Momentan wird überlegt die Speicherung von CO2 tief unter dem Boden durch den CDM möglich zu machen. Das kann Anreiz für ein Entwicklungsland sein, in Kohlekraftwerke statt in regenerative Energien zu investieren. Das ist natürlich absurd und kontraproduktiv.

Greenpeace Online: Vielen Dank für das Gespräch!

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