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Hybridautos sind keine Klimaschützer

Würden Sie gern so einen schweren Porsche Cayenne fahren? Mit über 275 Sachen über die Autobahn brettern? Damit würden Sie rund 67 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchen! Klar, die drei Leute, die sich einen Porsche Cayenne leisten können, zerstören das Klima sicher nicht allein. Aber warum dieses Auto als Paradebeispiel für die Klimazerstörung dienen kann, auch wenn die Industrie was anderes behauptet, hat uns unser Verkehrs-Experte Günter Hubmann in einem Gespräch klar gemacht.

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Greenpeace Online: Warum ist so ein Porsche Cayenne für dich das Sinnbild der Klimagefährdung?

Günter Hubmann: Porsche verfolgt ganz klar eine Politik: immer schnellere und immer schwerere Autos. Es findet eine regelrechte Aufrüstung auf unseren Straßen statt. Wobei ich Porsche zur Last lege, dass sie quasi den Standard für alle anderen setzen. Sie sind das Leitbild, dem die gesamte Konkurrenz nacheifert.

Doch damit wirkt Porsche massiv gegen die Umweltinteressen der Menschen in Deutschland. Gegen die Umweltinteressen der Bundesregierung. Und schlussendlich auch gegen die Umweltinteressen der Menschheit.

Greenpeace Online: Nun will Porsche ja ein Model Cayenne Hybrid auf dem Markt bringen ...

Günter Hubmann: Die Hybridtechnologie bringt rein technisch wenig. Und nach wie vor gilt, je schwerer das Fahrzeug ist, je unvernünftiger ich fahre, desto düsterer sieht es beim Klimaschutz aus.

Eine umweltverträgliche Fahrweise, die man inzwischen in Kursen erlernen kann, erbringt schon rund 90 Prozent der Einsparungen, die ein Hybridfahrzeug angeblich erreichen soll. Das heißt, den Motor abstellen bei längerem Warten an der Ampel oder Bahnschranke, das Fahrzeug auf die rote Ampel ausrollen lassen und bei Grün wieder zügig anfahren. Alles Dinge, die ich auch mit einem normalen Auto tun kann.

Greenpeace Online: Aber der Hybrid macht einem das Leben leichter, weil er vieles davon mitbringt.

Günter Hubmann: Ja, aber das zu einem Aufwand, der relativ hoch ist. Dabei ist es wichtig, die ganze Entstehungsgeschichte eines Autos, vom Erzklumpen bis zum Chrom blitzenden Porsche zu betrachten. Jede kurzfristige oder segmentale Betrachtung ist natürlich irreführend.

Wenn man in Betracht zieht, was der Zusatzaufwand für ein Hybridmodell ist und man berücksichtigt, dass man nur noch rund zehn bis 15 Prozent mehr an Umweltverträglichkeit herausholen kann, im Vergleich zu einer konsequent ökologischen Fahrweise. Dann ergibt sich im besten Fall ein Nullsummenspiel. Ich vertrete jedoch die These, wenn man den gesamten ökologischen Rucksack betrachtet, schneidet ein Hybridmodell unterm Strich immer negativ ab.

Greenpeace Online: Wer ist denn nun gefordert, gegen das Aufrüsten auf der Straße vorzugehen?

Günter Hubmann: Zuerst einmal die Politik. Sie muss Rahmenbedingungen setzen, die solche Exzesse nicht mehr zulassen. EU-weit müsste der Energieverbrauch für die neue Fahrzeugflotte festgeschrieben und das Gesamtgewicht geregelt werden.

Aber auch die Autoindustrie muss begreifen, dass sie Fahrzeuge mit einem unsinnigen Kraftstoffverbrauch produziert. Denn längst ist eine Halbierung des Verbrauchs bei fast allen Fahrzeugen machbar. Geschieht da nichts, erleben wir eine wirtschaftliche Katastrophe: Viel Geld wird in die ölproduzierenden Länder verschoben, das eigentlich der deutschen oder europäischen Wirtschaft nützen könnte. Das Geld geht drauf für Kraftstoff, der einfach verbrannt wird.

Greenpeace Online: Wie sieht denn die Zukunft aus?

Günter Hubmann: Wenn die Autoindustrie eine Zukunft haben will und wenn wir als Gesellschaft eine Automobilität haben wollen, was ja unbestritten so ist, dann müssen wir einen Paradigmenwechsel einleiten. Der führt zu einem viersitzigen Fahrzeug, das um die 700 Kilogramm wiegt und um die 2,5 Liter verbraucht. Anders wird es diese Zukunft nicht geben.

Sowohl das Gewicht als auch die Leistung der Fahrzeuge muss zukünftig gedrosselt werden. Das geht mit effizienten Motoren, wie wir ihn schon lange in unserem SmILE nutzen. Deshalb fordert Greenpeace auch eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde. Dann muss ich keine Fahrzeuge mehr bauen, deren Sicherheit auch noch bei 250 Sachen gewährleistet ist.

Greenpeace Online: Günter, vielen Dank für das Gespräch!

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