Durch den Klimawandel ändern sich weltweit die Niederschläge, schwere Überschwemmungen sind die Folge.

Land unter

Hochwasser sind natürliche Ereignisse und wichtig im ökologischen Gefüge: Die Tiere und Pflanzen der Flussauen haben sich an den Wechsel zwischen Überflutung und Austrocknung angepasst. Sie benötigen die Vielfältigkeit der Lebensräume, die durch die Änderung des Wasserstandes im jahreszeitlichen Rhythmus hervorgerufen wird. Doch durch den Klimawandel läuft das Wasser vielerorts höher auf und richtet Schaden an.
  • /

Im 21. Jahrhundert könnte sich diese Entwicklung verschärfen. Der Mensch verändert nicht nur das Klima auf der Erde, er greift auch zunehmend in natürliche Flussverläufe ein: Er begradigt Flüsse, asphaltiert und bebaut Flussauen, er siedelt sich direkt an Flussufern an. Häufigere und schwerere Überflutungen entlang von Flüssen sind zu befürchten. Starkregenfälle nehmen zu.

Uns kosten Flutkatastrophen viel Geld, arme Länder kosten sie viele Menschenleben

In den westlichen Industriestaaten rauben Flutkatastrophen den Menschen ihre Häuser. Straßen und Geschäfte werden zerstört, Menschen müssen evakuiert werden, der Wiederaufbau kostet viel Geld. Ein Beispiel dafür war die Elbeflut im Sommer 2002. Rund 164.000 Quadratkilometer waren überflutet, insgesamt 337.000 Menschen betroffen. Großbritannien erlebte Anfang 2014 die schlimmsten Niederschläge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, Stürme und Überschwemmungen. Doch die Menschen in den Industrieländern stehen durch den Schaden nicht völlig mittellos da, auch sind glücklicherweise in der Regel wenig Todesopfer zu beklagen.

In den Entwicklungs- oder Schwellenländern sind die finanziellen Schäden meist geringer, weil die Menschen viel weniger besitzen. Sie leben oft in wenig befestigten Unterkünften direkt am Fluss oder in Küstenregionen. Werden sie von Flutkatastrophen überrascht, verlieren sie ihr Zuhause oder ertrinken in den Fluten. Die Zahl der Todesopfer und existenziell Geschädigten ist meistens wesentlich höher als bei vergleichbaren Ereignissen in den Industrieländern.

Im August 1998 starben bei schweren Überschwemmungen im Nordosten Chinas über 4.000 Menschen in den Fluten des Jangtse und des Shonghua. Hunderttausende Quadratkilometer Land waren überflutet, 120 Millionen Menschen betroffen. Es war die schwerste Flutkatastrophe seit 1954. Im Sommer 2011 führten sintflutartige Regenfälle erneut zu schweren Überschwemmungen im Jangtse-Becken, rund eine halbe Million Menschen mussten flüchten. Die Wassermassen folgten unmittelbar auf die schlimmste Dürre seit einem halben Jahrhundert. Überschwemmungen sind in China nicht ungewöhnlich, doch laut Sonderbericht des UN-Klimarates IPCC 2011 sind schwere Regenfälle mit Überflutungen seit den 1950er Jahren siebenmal häufiger aufgetreten als in den Jahrzehnten davor.

Im indonesischen Jakarta wurden Anfang Februar 2007 über 300.000 Menschen obdachlos, weil heftiger Monsunregen und Hochwasser die halbe Stadt überflutet hatten. Besonders hart traf es die Armenviertel an den Flussläufen, wo das Wasser meterhoch über die Ufer getreten war.

Schwere Monsunregen setzten im August 2012 die philippinische Hauptstadt Manila teilweise bis zu sechs Meter unter Wasser. Auf den nördlichen Inseln traten Flüsse über die Ufer, Stauseen konnten die Wassermengen nicht halten. Insgesamt waren mehr als zweieinhalb Millionen Menschen betroffen, fast 650.000 mussten flüchten.

Monsunkatastrophe in Pakistan

Im Sommer 2010 führte ungewöhnlich heftiger Monsunregen in Pakistan zu einer Jahrhundertkatastrophe. Von Nordwesten bis Südwesten standen etwa 160.000 Quadratkilometer unter Wasser, rund 20 Prozent der Landesfläche. Fast 2000 Menschen starben, 20 Millionen waren betroffen, viele von ihnen verloren Hab und Gut. Hunderttausende Menschen erkrankten durch verunreinigtes Trinkwasser, Lebensmittelvorräte waren verloren, weite Teile der landwirtschaftlich genutzten Fläche zerstört - über 3,2 Millionen Hektar. Der Schaden wird insgesamt auf 40 Milliarden US-Dollar (knapp 31 Milliarden Euro) geschätzt.

Nur ein Jahr später, im September 2011, kam es erneut zu schweren Überschwemmungen durch den Monsun, rund sechs Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. In der südpakistanischen Provinz Sindh standen 24.000 Quadratkilometer Land unter Wasser – eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern.

Solch extreme Hochwasserstände entlang vieler Flussläufe werden weltweit zunehmen. Nach Angaben der Münchner Rück, einer weltweit führenden Rückversicherung, hat sich die Zahl schadensrelevanter Überschwemmungen global seit 1980 mehr als verdreifacht. Neben einer Reduktion der Treibhausgase muss deshalb auch der Hochwasser- und Küstenschutz dringend verbessert werden. Die Entwicklungsländer können das Geld dafür nicht aufbringen. Die Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels stehen in der Verantwortung, ihnen zu helfen.

(Stand: Februar 2014)

Alarm für die Gletscher

Weltweit schmelzen die Gletscher - die unverwüstlich erscheinenden Eisriesen haben einen Feind: den vom Menschen gemachten Klimawandel. Zeit zum Handeln!

Mehr zum Thema

Wetterextreme: Stürme

Seit etwa 1970 beobachten Klimaforscher eine „zunehmende Aktivität starker tropischer Wirbelstürme im Nordatlantik“ (Weltklimarat). Die Münchner Rück, einer der weltweit führenden...

Klimawandel in Deutschland

Hitzesommer 2018: In Deutschland herrschten über Wochen teils 30 und mehr Grad. Doch das ist erst der Anfang, sagen Forscher, uns erwarten schwerwiegende Klimaveränderungen.

Klimakapriolen weltweit

Stürme, Hitzewellen und sintflutartige Regenfälle werden an Heftigkeit und Häufigkeit zunehmen. Ursache dieser extremen Wetterlagen ist der Klimawandel. Dies ist das Ergebnis eines...