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Eine neue Studie sagt die Folgen des Klimawandels für Westeuropa vorher

Überschwemmungen, Hitzewellen, Gletscherschwund

Die Mittelmeerregion und die Alpen werden sich durch den Klimawandel gravierend verändern. Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen haben in der Zeitschrift Science eine Studie vorgelegt, die beschreibt, auf welche Veränderungen sich Westeuropa bis 2080 einrichten muss. Während es überwiegend Verlierer der Erwärmung um bis zu 4,4 Grad Celsius geben wird, können einige Regionen auch profitieren.

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In Italien und vor allem Spanien wird sich die heute schon angespannte Versorgungslage beim Wasser weiter verschärfen. Hitzewellen wie im Sommer 2003, als 35.000 Menschen starben, werden häufiger auftreten und Waldbrände begünstigen. Die Landwirtschaft und der Tourismus in diesen Ländern wären davon besonders betroffen.

In den Alpen rechnen die Experten mit einem Rückgang der Schneedecke und dadurch höheren Wasserabflüssen und Überschwemmungen im Winter. Im Sommer hingegen wird weniger Wasser den Rhein oder die Rhône hinabfließen und damit für Schwierigkeiten bei der Schifffahrt und der Wasserversorgung sorgen, sind sich die Autoren der Studie einig.

Während die Mittelmeerländer ausschließlich negative Folgen zu befürchten haben, wird es in Nordeuropa zu einer Vergrößerung der Waldflächen kommen - vorausgesetzt die Natur kann sich frei entfalten. Das führe bis 2050 zu einer stärkeren Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft, wirke sich also bremsend auf den Klimawandel aus. Ab Mitte des Jahrhunderts jedoch kehre sich dieser positive Effekt um, so die Forscher. Dann überwiege die durch die Erwärmung gesteigerte Freisetzung des im Boden gespeicherten CO2. Ab diesem Zeitpunkt verstärkt sich der Klimawandel selbst - ein Teufelskreis.

Vertreter aus Wirtschaft und Politik begrüßten die Studie und betonten, dass die negativen Auswirkungen des globalen Wandels für sie ein Grund zu erheblicher Sorge seien. Anscheinend ist die Sorge jedoch noch nicht so groß, dass nicht trotz allem an fossilen Energieträgern festgehalten wird. So will der RWE-Konzern in Neurath ein neues Braunkohlekraftwerk errichten. Braunkohle trägt von allen fossilen Brennstoffen am meisten zum Klimawandel bei.

Passend dazu stellte RWE am Freitag eine neue Werbekampagne vor, mit der sich der Konzern als umweltfreundlicher Energieversorger präsentieren will. Europas größter Kohlekonzern versucht damit, dem geplanten Neubau mehrerer riesiger Braunkohlekraftwerke ein grünes Mäntelchen umzulegen, um einem möglichen Imageschaden in der Öffentlichkeit vorzubeugen, erklärt Dr. Gabriela von Goerne, Klimaexpertin von Greenpeace.

Allein das umstrittene Braunkohlekraftwerk bei Neurath würde das Klima mit über 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aufheizen. Zusammen mit dem alten Kraftwerk in Neurath würden dann jährlich über 30 Millionen des Treibhausgases in die Luft gepustet. Das entspricht in etwa dem Kohlendioxidausstoß von Neuseeland.

Greenpeace hat genau für dieses Kraftwerk ein Alternativ-Konzept mit dem Titel 2000 Megawatt - sauber! vorgelegt, das mit Erneuerbaren Energien, moderner Erdgastechnik und Energieeffizienz die gleiche Menge Strom liefert, 93 Prozent der Kohlendioxidabgase spart und 800 Prozent mehr dauerhafte Jobs schafft. Und es würde RWE keinen Cent mehr kosten.

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