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Nachrichten aus dem Treibhaus

Die EU rechnet für 2005 mit einem Rückgang der Getreideernte um mindestens 28 Millionen Tonnen - zehn Prozent - gegenüber 2004. Verantwortlich ist laut EU-Kommission der verfrühte Einbruch der Sommerhitze auf der Iberischen Halbinsel. Die extreme Dürre hat in Spanien, Portugal und Südfrankreich zur schlimmsten Wasserknappheit seit 30 Jahren geführt. In Portugal und Spanien stehen Wälder in Flammen.

In Rumänien haben die heftigen Regenfälle der letzten Wochen zu den schlimmsten Überschwemmungen seit 40 Jahren geführt. 26 Menschen sind bislang ums Leben gekommen. Auch Österreich und das bayrische Alpenvorland waren von katastrophalen Überflutungen betroffen. Überschwemmungen, Erdrutsche und Schlammlawinen haben seit Juni in Afghanistan, China, Indien und Japan mehr als hundert Menschenleben gefordert.

In der Karibik hat die Hurrikan-Saison ungewöhnlich früh begonnen. Fünf tropische Stürme sind bereits über die Region hinweggefegt. Der vorerst letzte, Emily, könnte am Montag Windstärken von mehr als 255 Kilometer pro Stunde und damit die Kategorie 5 auf der fünfstufigen Saffir-Simpson-Skala erreichen.

Die australische Stadt Melbourne verzeichnete im Februar die schwersten Niederschläge seit Menschengedenken. Die Menschen erlebten mitten im südaustralischen Sommer den kältesten Februartag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1856: 13 Grad. Einen Tag zuvor hatte das Thermometer noch 36 Grad angezeigt.

Wetterberichte oder Klimawandel? Für Gabriela von Goerne, Klimaexpertin bei Greenpeace, sind die Wetterextreme in ihrer Summe ein klares Zeichen für den Klimawandel: Wie viele Hochwasser, Hitzewellen und Waldbrände brauchen wir noch, um endlich aufzuwachen? Es muss endlich Schluss sein mit der sinnlosen Verschwendung fossiler Energträger. Statt mit Kohle und Öl das Klima weiter aufzuheizen, müssen wir jetzt die Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien wie Erdwärme und Biomasse ausbauen.

Die meisten Klimaforscher sind mittlerweile der Ansicht, dass der menschengemachte Anstieg der Treibhausgasemissionen zum globalen Klimawandel führt - und dieser zu den sich häufenden Wetterextremen. Unter sintflutartigen Regenfällen, Überschwemmungen, Dürreperioden leidet vor allem die Bevölkerung der Entwicklungsländer. Doch auch die Menschen in den Industriestaaten werden die Folgen des Klimawandels mehr und mehr zu spüren bekommen.

Besonders gut lässt sich die Klimaveränderung in Grönland studieren. Die durchschnittliche Temperatur ist in den meisten Gebieten der Insel fast zweimal stärker gestiegen als im Rest der Welt. Ein beispielloses Schmelzen des Meereseises, der Gletscher und des Schnees in der Region ist die Folge.

Greenpeace ist von Juli bis August 2005 mit dem Schiff Arctic Sunrise an der Küste Grönlands unterwegs, um gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlern Ursachen und Folgen des Klimawandels zu dokumentieren. Sie können die Schiffstour aus der Ferne verfolgen: Im Weblog berichten wir über Erlebnisse und Erfahrungen auf der Thin Ice-Tour.

Publikationen

Hintergrund: Für eine Welt ohne Klimachaos

Der Klimawandel ist die größte Bedrohung der Menschheit. Wissenschaftler warnen, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um bis zu sechs Grad steigen wird, wenn wir uns nicht ändern. Das Wettersystem, wie wir es heute kennen, würde kollabieren. Das müssen wir verhindern!

Weiterführende Publikationen zum Thema

Hambacher Forst in der Krise

Der Hambacher Wald ist gefährdet - nicht nur durch die Bagger von RWE, sondern auch durch Hitze und Trockenheit. In der Studie untersuchen Wissenschaftler der Universität Eberswalde und vom Potsdam Institut für Klimaforschung, wie Klimawandel, das Mikroklima und die Lage am Rand riesiger Braunkohletagebaue sich gegenseitig negativ verstärkten.

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Hitze sichtbar gemacht

Es ist heiß in Deutschland! Da wegen der Klimakrise immer öfter Hitzewellen drohen, wäre es wichtig, die Städte zu begrünen. Was das bringt, zeigen Infrarotbilder von Greenpeace.

Weltweite Waldbrände

Ob Norden oder Süden – auf der Welt lodern erneut großflächig Waldbrände, die nicht oder nicht ausreichend bekämpft werden. Zum Beispiel in Brasilien und Russland.

Klimawandel vor der Tür

„Wir müssen hier einfach nur vor die Tür gehen, um den Klimawandel zu spüren.“ Im Interview spricht Dr. Sven Teske von der Universität in Sydney über die verheerenden Brände.