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Die Wälder brennen in Griechenland, Brasilien und Indonesien

Aus Griechenland treffen die ersten Meldungen ein, dass die Anzahl der Brände zurückgehe. Aber Entwarnung möchte niemand geben, denn die jetzt abflauenden Winde können schnell wieder an Stärke gewinnen. Verheerend ist die Bilanz der vergangenen sieben Tage: Offiziell wurden bislang 64 Tote gemeldet, die bei den riesigen Waldbränden auf dem Peleponnes und auf der Ägäis-Insel Euböa umkamen. Insgesamt ging eine Waldfläche so groß wie ganz Luxemburg in Rauch auf - die Rauchfahnen zogen übers Mittelmeer bis an die afrikanische Küste. Über die Ursachen und Folgen dieser Brände sprachen wir mit Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace.

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Greenpeace Online: Wie konnte es zu der Waldbrandkatastrophe in Griechenland kommen?

Martin Kaiser: Das Land hatte einen extrem milden Winter erlebt. Darauf folgten dann drei Hitzewellen in diesem Jahr. Das hat die Wälder regelrecht für die Feuer vorbereitet.

Greenpeace Online: Ist das für Griechenland der Normalfall?

Martin Kaiser: Es entspricht dem Szenario, das durch den IPCC-Report und von anderen wissenschaftlichen Institutionen für die Region als Folge des Klimawandels vohergesagt wird. Fatal ist, dass durch das Abfackeln der Wälder ein zusätzlicher Beitrag zur Klimazerstörung geleistet wird. Denn dabei gelangen große Mengen Kohlendioxid und andere Klimagase in die Atmosphäre.

Greenpeace Online: Auf welche Folgen müssen sich die Menschen in Griechenland nun aufgrund der Waldbrände einstellen?

Martin Kaiser: Auf eine hat schon der EU-Kommissar Stavros Dimas hingewiesen. Durch die Brände kann der Boden das Regenwasser nicht mehr aufnehmen. Das steigert die Erosion und die Gefahr von Überschwemmungen. Gerade in den gebirgigen Gebieten, wo vor allem der Wald gebrannt hat. Dort können dann ganz schnell die Bäche anschwellen und große Schäden verursachen.

Der Wald war aber auch ein Grundwasserspeicher. Der ist nun weg. Außerdem geht durch den Waldverlust auch das angenehme Mikroklima verloren. Die bewaldeten Flächen waren ein Regenpuffer. Sie nahmen das Wasser auf und gaben es allmählich wieder ab. Jetzt wird das Wasser einfach ungeschützt verdunsten.

Greenpeace Online: Das heißt, den Menschen in den betroffenen Gebieten ist die Lebensgrundlage abhanden gekommen?

Martin Kaiser: Viele von ihnen waren Olivenbauern. Ihre Olivenbäume sind jetzt verbrannt. Es dauert jedoch rund 15 Jahre bis ein neugepflanzter Olivenbaum wieder Gewinn abwirft. Es wird wahrscheinlich Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dauern, bis der ursprüngliche Waldzustand wieder neu entstanden ist und alle Pflanzen und Tiere wieder zurückgekehrt sind.

Unsere Kollegen von Greenpeace in Griechenland sprechen schon von Zehntausenden Umweltflüchtlingen. Sie verlassen ihre ländlichen Wohnorte und machen sich auf, um in die großen Städte zu ziehen.

Greenpeace Online: Und wie reagieren die griechischen Politiker?

Martin Kaiser: Die griechische Regierung hat bislang den Umwelt- und Klimaschutz nicht ernst genommen. Es wird Zeit, dass sie das endlich tut. Allerdings muss sie dabei behutsam vorgehen. Es wäre keine gute Idee, jetzt eine schnelle Aufforstung mit einer einzigen Baumart zu betreiben. Eine solche großräumige Aufforstung würde nur zu weiteren Problemen führen.

Greenpeace Online: In der jüngsten Vergangenheit hat nicht nur in Griechenland der Wald gebrannt.

Martin Kaiser: Der Wald brannte und brennt auch gegenwärtig auf allen Kontinenten der Welt. Dagegen muss die Staatengemeinschaft einschreiten. Denn diese weltweiten Bränden tragen zu einem Drittel zur Klimaerwärmung bei. Deshalb muss es ein wichtiges Klimaschutzziel sein, die Zerstörung der Wälder durch Brände zu stoppen. Vor allem in Ländern wie Griechenland, Brasilien oder Indonesien.

Greenpeace Online: Martin, vielen Dank für das Gespräch!

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