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Clean Our Cloud

Die IT-Giganten Apple und Microsoft bewegen sich

Ein Erfolg: Die amerikanischen Software-Konzerne reagieren auf die Greenpeace-Kampagne Clean our Cloud, die sich für eine saubere Energieversorgung der Cloud-Rechenzentren einsetzt. Sowohl Apple als auch Microsoft geben an, ihre Dienste in Zukunft auf grünen Strom umstellen zu wollen.

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Dieses Zugeständnis folgt offensichtlich auf die Greenpeace-Proteste der vergangenen Wochen, sagt Gerald Neubauer, Energieexperte bei Greenpeace. Apple und Microsoft gestehen endlich ein, dass moderne IT-Konzerne ihre Rechenzentren mit sauberer Energie betreiben sollten. Bei näherem Hinsehen stellt sich aber heraus, dass die Firmen weiterhin Kohlestrom beziehen und diesen nur mittels Grünstromzertifikaten sauber waschen wollen.

Microsoft hatte am Dienstag, 08. Mai 2012, seine neue CO2-Richtlinie veröffentlicht, nach der ab dem 1. Juli 2012 alle Rechenzentren, Software-Entwicklungslabors und Bürogebäude CO2-neutral werden sollen. Auch Apple hat angekündigt, sein neues Rechenzentrum in Prineville, Oregon (USA) zu 100 Prozent mit grünem Strom betreiben zu wollen.

Greenpeace hält die Ankündigungen der Firmen allerdings für Mogelpackungen. Denn sowohl Apple als auch Microsoft wollen die Umstellung allein mit Grünstromzertifikaten bewältigen. Apple beispielsweise bezieht den Strom für sein neues Rechenzentrum weiterhin vom größten US-Versorger PacifiCorp, dessen Energiemix mehrheitlich auf Kohle basiert. Um diesen Strom sauberzuwaschen, kauft Apple Grünstromzertifikate für die entsprechende Strommenge.

Diese Taktik sieht auf dem Papier gut aus, wird aber den Anteil von Ökostrom in den Rechenzentren von Microsoft und Apple um kein einziges Elektron erhöhen. Denn die Grünstromzertifikate können aus Kohlestrom auch keine Erneuerbaren Energien zaubern, kritisiert Neubauer.

Der Markt für Grünstrom-Zertifikate basiert auf einer fiktiven Trennung des Stroms in seine Qualitäten Strom und Öko. So kann zum Beispiel ein Windstromproduzent seinen Strom als Graustrom verkaufen und getrennt davon Grünstromzertifikate an einen anderen Kunden verkaufen. Das Problem dabei ist, dass so große Mengen billiger Grünstrom-Zertifikate auf dem Markt sind, dass deren Kauf keinerlei Impuls für den Ausbau Erneuerbarer Energien beiträgt. Wenn ein Konzern wie Apple Kohlestrom mit Grünstromzertifikaten sauberwäscht, fließt das Geld für seinen Strombezug außerdem weiter an die Kohleindustrie.

Statt seinen Kohlestrom mithilfe von Zertifikaten grün zu färben, sollten Apple und Microsoft direkt in Erneuerbare Energien investieren. Firmen wie Yahoo, Facebook und Google zeigen, wie das geht, sagt Gerald Neubauer. In Iowa and Oklahoma hat Google etwa Langzeitverträge für bedeutende Mengen von Windenergie unterschrieben. Diese Verträge laufen über mehr als zwanzig Jahre und garantieren eine Stromabnahme von 100 Megawatt und mehr. Damit schaffen sie Planungssicherheit für die Windenergie-Anbieter. Die Grünstromzertifikate bringen dies nicht.

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