Diesel: Greenpeace-Ehrenamtliche fordern Maßnahmen für bessere Luft in Städten

Los jetzt!

In 57 Städten gehen Greenpeace-Ehrenamtliche auf die Straße, weil sie die Nase voll haben - von giftigen Autoabgasen und einer Verkehrspolitik, die nichts dagegen tut.

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„Städte sind die Heimat von drei Vierteln aller Menschen in Deutschland – sie sind kein Freiluft-Showroom der deutschen Autobauer.“ Der Flyer macht deutlich, was Greenpeace-Ehrenamtliche heute und morgen in 57 Städten umtreibt. Sie wollen Orte für Menschen und nicht für Autos. Sie informieren die Bevölkerung aber auch über eine akute Gesundheitsgefahr.

Denn Autos beanspruchen nicht nur viel Platz, sie machen auch viel Dreck. Insbesondere Diesel-Fahrzeuge pusten so viel Schadstoffe in die Luft, dass die Grenzwerte in vielen deutschen Städten überschritten werden. Nun droht sogar eine Klage aus Brüssel, weil Deutschland seine Bevölkerung nicht vor dem Atemgift Stickstoffdioxid (NO2) schützt. Auch den Ehrenamtlichen reicht es. Um auf das anhaltende Problem aufmerksam zu machen, setzten sie in Städten wie Köln und Stuttgart urbanen Wahrzeichen Atemschutzmasken auf.

Damit auch weniger prominente Stadtbewohner in Zukunft wieder durchatmen können, sprechen sie mit Passanten über die regionalen Stickoxidwerte und Möglichkeiten, die Verkehrspolitik der Stadt zu verändern. Kostenloser Nahverkehr, autofreie Zonen oder Vorfahrt für Radfahrer: Viele Maßnahmen führen zu besserer Luft- und Lebensqualität. Auf Plakaten können Bürger eigene Wünsche markieren; sie dienen anschließend als Grundlage für die Diskussion mit der Stadt.

Städte wollen atmen

Deutschlands Städte stehen wegen ihrer Luftprobleme zunehmend unter Druck. Auch im vergangenen Jahr zeigten mehr als die Hälfte der offiziellen Verkehrsmessstationen zu hohe NO2-Werte. Zu dem Verfahren der EU gesellen sich Klagen von Anwohnern, die die bedrohlichen Werte nicht länger hinnehmen wollen. So lag der Stickoxidgehalt in München an der Landshuter Allee mit 80 Mikrogramm im vergangenen Jahr durchschnittlich etwa doppelt so hoch wie erlaubt. Am Neckartor in Stuttgart waren es sogar 82 Mikrogramm. Derart hohe Werte werden seit Jahren gemessen – nicht alleine in diesen beiden Städten. Zwar geht die Belastung zurück – aber viel zu langsam. Ohne wirksame Maßnahmen werden viele Städte noch im Jahr 2020 den geltenden NO2-Grenzwert von 40 Mikrogramm überschreiten – zehn Jahre nachdem er eingeführt wurde!

© Greenpeace

Schnelle Hilfe wäre mit der Einführung einer Blauen Plakette möglich: Diese würde Autos in Schadstoffklassen einteilen. An Tagen mit hoher NO2-Belastung könnten so besonders dreckige Diesel aus den Innenstädten ferngehalten werden. Baden-Württemberg hat eine entsprechende Initiative in den Bundesrat eingebracht. Unterstützung gibt es seitens der Umweltminister der Länder – Verkehrsminister Alexander Dobrindt sowie einige Ministerpräsidenten wettern dagegen.

Dobrindts Vorschlag, dem Problem mit elektrischen Taxen, Bussen und Lieferwagen zu Leibe zu rücken, mag die Autoindustrie erfreuen, den Menschen in den Städten helfen sie kaum: Seine Maßnahmen würden die NO2-Werte nur um 14 Prozent zurückschrauben. Fahrverbote für ältere Diesel hingegen bringen sehr viel mehr: 95 Prozent, so das Ergebnis eines Gutachtens des baden-württembergischen Verkehrsministeriums für Stuttgart. 

„Mit der blauen Plakette lässt sich die Luft in Städten rasch verbessern“, sagt Greenpeace-Sprecherin Gesche Jürgens. „Wenn Ministerpräsidenten und der Verkehrsminister ihre Einführung blockieren, lassen sie die Städte mit ihren Luftproblemen alleine. Das wäre verantwortungslos.“ Die blaue Plakette ist für Jürgens aber auch nur ein rasches Erste-Hilfe-Paket. Perspektivisch müssen alle Verbrennungsmotoren aus dem Verkehr gezogen werden – auch wegen des notwendigen Klimaschutzes. Vorfahrt haben dann ein elektronisch betriebener öffentlicher Nahverkehr, Fahrräder und E-Autos, die sich die Stadtbewohner in Carsharing-Modellen teilen.

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