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Greenpeace reicht Klage gegen Landesbetrieb Hessen-Forst ein

Alte Buchenwälder spielen eine wichtige Rolle für das Klima und die Artenvielfalt. Trotzdem werden sie in Deutschland zu wenig geschützt und die alten Bäume oftmals durch ausländische, profitablere Arten ersetzt. Mit der Klage gegen den Landesbetrieb Hessen-Forst will Greenpeace Informationen über den Zustand alter Buchenwälder in Hessen erhalten.

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Im November 2011 hatte Greenpeace bereits eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an den Landesbetrieb gestellt. Dieser gab aber trotz mehrmaliger Nachfrage keine Auskunft über die alten Buchenwälder Hessens. Bei den von Greenpeace angefragten Daten und Karten handelt es sich weder um Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse noch um geistiges Eigentum, sagt Greenpeace-Sprecher Martin Hofstetter.

Mehrere Landesforsten verweigern Auskünfte

Der Wald ist nicht Privateigentum des Vorstands von Hessen-Forst sondern der Wald aller hessischen Bürger. Die Auskunftsverweigerung beweist fehlendes Demokratie- und Rechtsverständnis, so Hofstetter. Den Betrieb in den öffentlichen Wäldern überwacht die hessische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU). Zuständig für die Bewirtschaftung des Staatswaldes ist der Landesbetrieb Hessen-Forst. Die entsprechenden Wälder haben eine Fläche von 342.000 Hektar.

Bei insgesamt sieben Forstbetrieben in Deutschland hat Greenpeace Informationen zu deren öffentlichen Wäldern angefordert. Die ausgewählten Forstbetriebe - dem jeweilen Forstminister des Landes unterstellt - sind besonders wichtig für ein Verbundkonzept alter Buchenwälder in Deutschland.

Die Reaktionen der Forstbetriebe auf die Greenpeace-Anfragen fallen allerdings sehr unterschiedlich aus. Von den Landesforsten Rheinland-Pfalz liegen Greenpeace schon umfassende Daten vor und auch Thüringen hat erste Informationen geliefert. Ganz anders stellt es sich in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen dar. In diesen Bundesländern geben die Forstbetriebe keine Auskünfte über ihre öffentlichen Wälder.

Industrielle Forstwirtschaft gefährdet alte Laubwälder

Wir befürchten, dass Profitinteressen ökologisch wertvollste Waldgebiete dauerhaft ruinieren, sagt Hofstetter. Offenbar haben die Vorstände der Landesforsten jedes Maß bei der Nutzung alter Buchenwälder verloren und wollen das vertuschen. Denn schon seit Jahren beobachtet Greenpeace einen zunehmenden Holzeinschlag in alten Buchenwäldern - deutschlandweit. Öffentliche Wälder werden zunehmend nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung bewirtschaftet, mit weitreichenden Folgen für die Artenvielfalt und das Klima.

Im bayerischen Spessart ist Greenpeace schon seit mehreren Wochen für die alten Buchen im Einsatz. Über einen Zeitraum von sechs Wochen erfassten Aktivisten 23.844 alte Buchen und Eichen vor Ort. Aus den Daten erstellten sie 17 Karten und Grafiken mit den Beständen. Diese zeigen, wie sehr die industrielle Forstwirtschaft alte Laubwälder bedroht.

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Schutz der Buchenwälder: Greenpeace und andere Umwelt- und Naturschutzverbände fordern mindestens zehn Prozent der Waldfläche Deutschlands dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen.

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