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Weniger Schmetterlinge durch Gen-Mais

Es trifft fast jede vierte Raupe: Wenn der Nachwuchs des Monarchfalters Pollen von Gen-Mais schluckt, entwickeln sich 23,7 Prozent nicht zu Schmetterlingen. Das haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. Sie untersuchten in einer Langzeitstudie die Wirkung zweier Gen-Maissorten auf den geschützten Monarchfalter.

Der Pollen stammte von den genmanipulierten Maissorten MON810 des US-Chemie- und Gentechnikgiganten Monsanto und Bt11 des Schweizer Konzerns Syngenta.

MON810 ist in der EU bereits zugelassen, für Bt11 steht die Zulassung an. Zwar kommt der Monarchfalter in Europa nicht vor, aber das ist kein Grund zur Entwarnung: Momentan fehlen ähnliche Langzeituntersuchungen für heimische Arten. In Europa gehört unter anderem das Tagpfauenauge zu den Arten, deren Raupen ähnlich empfindlich sind.

Greenpeace fordert die EU-Mitgliedsstaaten auf, sowohl den Anbau von MON810 als auch die anstehende Zulassung für Bt11 zu stoppen. EU-Staaten können den Anbau nachträglich verbieten, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Gefährdungen vorliegen.

Die neue Studie belegt, dass die Wirkung von Genmanipulation unkalkulierbar ist und man den Untersuchungen der Gen-Konzerne nicht trauen kann, sagt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. Die europäischen Staaten müssen angesichts dieser Ungewissheit jetzt handeln. Der Anbau der verdächtigen Gen-Maissorten muss gestoppt werden.

EU hält Risiko für "vernachlässigbar"

Die Sorten MON810 und Bt11 bilden ein Gift, das ursprünglich im Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) vorkommt. Es soll den so genannten Maiszünsler töten. Die Raupe dieser Schmetterlingsart richtet Fraßschäden am Mais an. Aber auch nützliche Insekten und andere Schmetterlinge können von den giftigen Pollen der Pflanzen betroffen sein. Das und auch die im August 2004 veröffentlichte Studie aus Maryland scheinen in der EU unbekannt zu sein.

Noch im Juli 2004 bezeichnete die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA in einer Stellungnahme mögliche Auswirkungen auf Schmetterlinge als vernachlässigbar. Dabei verwies sie auf ältere Untersuchungen. Folge: Im September 2004 ließ die EU-Kommission 17 Varianten des Gen-Maises von Monsanto in den offiziellen Saatgutkatalog aufnehmen, aus dem Landwirte ihr Saatgut für 2005 bestellen können.

Nicht der erste Hinweis...

In den letzten Jahren gab es bereits zahlreiche Hinweise auf mögliche schädliche Auswirkungen von genmanipuliertem Mais auf Schmetterlinge. Untersuchungen am Gen-Mais Bt176 der Firma Syngenta haben für heftige Kontroversen gesorgt. Die beobachteten Effekte wurden damit erklärt, dass dieser Mais eine besonders hohe Giftkonzentration in seinem Pollen habe.

Monsanto und Syngenta behaupteten, dass der niedrigere Gehalt von Bt-Gift in den neuen Pflanzen keine Gefahr für Schmetterlinge darstellen würde. Die neuen Untersuchungen widerlegen diese Behauptung.(mir)

Lesen Sie auch unser Hintergrundpapier: "Umweltgefährdung durch insektenresistente Bt-Pflanzen" (PDF, 69 kB)

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