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USA: Gentechnik außer Kontrolle

Gentechnik ist sicher behauptet gebetsmühlenartig die Gentechnikindustrie. Doch das einzig Sichere ist die Unzuverlässigkeit rund um die Gentechnik auf den Feldern. Neuestes Beispiel: Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Gentechnikkonzern Syngenta über vier Jahre in den USA Saatgut einer Gen-Maissorte vertrieb, die gar nicht zugelassen war. Das Fachblatt New Scientist spricht davon, dass 133.000 Tonnen des genmanipulierten Maises auch in die Nahrungskette gelangt seien.

Ende vergangenen Jahres wurde Syngenta von einem Abnehmer auf das Versehen aufmerksam gemacht. Eine Konzernsprecherin erklärte, dass daraufhin sofort die staatlichen Stellen informiert worden seien. Sie wertete das als Zeichen für die volle Funktionsfähigkeit der Kontrollmechanismen. Allerdings begannen die US-Umweltbehörde (EnvPA) und das US-Landwirtschaftsministerium erst einmal monatelange Gespräche mit Syngenta darüber, wie man diese Neuigkeit der Öffentlichkeit vermitteln sollte. Weil zurzeit vor der Welthandelsorganisation (WTO) ein Streit zwischen den USA und der EU wegen des freien Handels mit Gen-Pflanzen schwelt, schaltete sich sogar das Weiße Haus in die Gespräche ein.

Syngenta räumte inzwischen ein, dass der in der EU nicht zugelassene Gen-Mais auch nach Europa gelangt sei. Laut Wissenschaftszeitung Nature lehnt der Gentechnikkonzern es ab, die Länder zu nennen, in die der Gen-Mais geliefert wurde. Natürlich beeilten sich Vertreter der EU am Mittwoch darauf hinzuweisen, dass der Syngenta-Mais völlig ungefährlich sei.

Keine Zulassungen für Gen-Firmen, die mit ihrem Saatgut schlampig umgehen, fordert Henning Strodthoff, Gentechnikexperte bei Greenpeace. Syngenta wurde in Deutschland bereits gerichtlich zu einem Bußgeld wegen eines ähnlichen Falls verurteilt. Dieses Beispiel verdeutlicht eindringlich, wie wichtig es ist, besonders strenge Regeln für Saatgut festzulegen. (mir)

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