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Seehofer gleich Genhofer

Mit einem Banner am Kreuztor, dem Wahrzeichen Ingolstadts, haben Greenpeace-Kletterer am Freitag gegen den Pro-Gentechnikkurs von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer protestiert. Gleichzeitig hat Greenpeace auf der Internetseite www.genhofer.de eine Bilanz veröffentlicht, die die Entscheidungen Seehofers bezüglich des Einsatzes genmanipulierter Pflanzen dokumentiert.

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Während Horst Seehofer in der Öffentlichkeit immer wieder den Eindruck erwecken möchte, dass er der Gentechnik kritisch gegenüberstehe, sprechen seine politischen Taten eine andere Sprache, sagt Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Obwohl zahlreiche europäische Länder den riskanten Gen-Mais verboten haben, hat Seehofer dem Anbau Tür und Tor geöffnet. Damit hat er sich den Namen Genhofer leider verdient.

Mit über 120 Hektar angemeldeter Fläche im Raum Würzburg (Bayern) werden Landwirte dieses Jahr erstmals auch in den alten Bundesländern kommerziell Gen-Mais anbauen. Bisher erfolgte der Anbau des Gen-Maises hier lediglich zu Versuchszwecken oder um verschiedene Sorten zu testen.

Gerade in Bayern ist die Ablehnung der Gentechnik jedoch besonders stark. Zahlreiche bayerische Landwirte haben sich in über 45 Initiativen zu gentechnikfreien Regionen zusammengeschlossen. Auch die Kreisobmänner des Bayerischen Bauernverbandes lehnen in einer gemeinsamen Stellungnahme den kommerziellen Anbau von Gen-Pflanzen ab.

Gen-Mais MON810

Wissenschaftliche Studien haben inzwischen belegt: Das vom Gen-Mais produzierte Gift wirkt nicht nur tödlich auf den Maiszünsler, dessen Raupen die Stängel anfressen. Es gefährdet auch viele andere Tierarten von geschützten Schmetterlingen bis hin zu Boden- oder Wasserlebewesen.

Eine solche Giftfabrik hat auf den Äckern nichts zu suchen. Statt die Interessen der Gentechnikindustrie zu vertreten, muss sich Minister Seehofer für den Schutz der Verbraucher sowie der Umwelt stark machen und den Anbau sofort verbieten, fordert Ulrike Brendel.

Landwirtschaftsminister Seehofer hatte im Frühjahr 2007 den Verkauf des Gen-Maises MON810 mit Verweis auf die möglichen Gefahren für die Umwelt ausgesetzt. Nur wenige Monate später, im Dezember 2007, hatte der Minister plötzlich keine Bedenken mehr und den Verkauf wieder erlaubt. Der Gen-Mais darf daher dieses Jahr in Deutschland auf den Feldern wachsen. Momentan ist der Anbau für rund 4.460 Hektar gemeldet.

Damit ist Deutschland neben Spanien und Portugal eines der wenigen EU-Länder, in denen der Gen-Mais in nennenswerter Menge angebaut wird. In Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich, der Schweiz und Griechenland ist der Anbau verboten.

www.genhofer.de

Zeitgleich mit der Protestaktion in Ingolstadt veröffentlichte Greenpeace auf der Internetseite www.genhofer.de eine Bilanz der Gentechnikpolitik des Ministers. In ausführlichen Hintergrundberichten werden die Entscheidungen Seehofers bezüglich des Einsatzes genmanipulierter Pflanzen dokumentiert. An Beispielen wie der Sortenzulassung für Gen-Mais, der Neufassung des Gentechnikgesetzes oder der EU-Zulassung von gentechnisch verändertem Raps wird gezeigt, wie Seehofer die Gentechnik fördert.

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