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Schavans Runder Tisch für die grüne Gentechnik

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bittet zu Tisch. Eingeladen sind 25 Vertreter aus Wirtschaft und Forschung, Politik, Naturschutz und Kirche. Thema: Die Zukunft der grünen Gentechnik. An dem Treffen am heutigen Mittwoch in Berlin nimmt auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) teil. Sie hat erst kürzlich den Anbau des Gen-Maises MON810 verboten, aber den Versuchsanbau der Gen-Kartoffel Amflora erlaubt.

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Die Gästeliste der Forschungsministerin ist umstritten. So kritisiert Barbara Kamradt, Gentechnikexpertin von Greenpeace, einen Überhang an Gentechnikbefürwortern. Schavans Runder Tisch steht jetzt schon auf wackligen Beinen, sagt sie. Die Ministerin hat eine ausgewogene Runde mit allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen angekündigt. Aber weit über die Hälfte der 24 eingeladenen Experten setzt sich für die Agro-Gentechnik ein.

Fast 80 Prozent der Verbraucher in Deutschland lehnen Gentechnik in der Landwirtschaft und im Essen ab. Diese überwältigende Mehrheit dürfte sich am Runden Tisch tatsächlich kaum repräsentiert fühlen. Gentechnikbefürworterin Schavan hat nur wenige ausgewiesene Kritiker der Technologie eingeladen.

Doch nicht nur Bürgerinnen und Bürger stehen der grünen Gentechnik ablehnend gegenüber. Im Weltagrarbericht der Vereinten Nationen haben 400 Wissenschaftler ein radikales Umdenken für eine zukunftsfähige Landwirtschaft gefordert. Sie fordern eine klare Wende von der industrialisierten zur nachhaltigen Landwirtschaft.

Die Agro-Gentechnik spielt in den Überlegungen der UN-Experten keine Rolle mehr, betont Kamradt. Doch anstatt sinnvolle Forschung für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft zu fördern, bietet Schavan der Agro-Gentechnikindustrie eine Bühne.

Die grüne Gentechnik sei eine Technologie von gestern. Heute stellten sich ganz andere Fragen. Ob Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung oder die Übernutzung von Wasser und Böden - kein Problem der Landwirtschaft werde durch die Agro-Gentechnik auch nur im Ansatz gelöst.

Der Weltagrarbericht wurde im April 2008 verabschiedet und Anfang 2009 veröffentlicht. An der Ausarbeitung waren ursprünglich auch die Agrokonzerne Monsanto, Syngenta und BASF beteiligt. Unter anderem wegen der Kritik des Weltagrarrates an der Gentechnik zogen sie sich vorzeitig von der Mitarbeit zurück.

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