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Monsanto versucht Risiko seines Gen-Maises zu bagatellisieren

Der US-Gentechnikkonzern Monsanto versucht das potentielle Gesundheitsrisiko seines Gen-Maises MON863 herunterzuspielen. Wie riskant der Gen-Mais ist, haben wir am Dienstag publik gemacht. Wir haben eine Studie französischer Wissenschaftler vorgestellt. Dort wird auf Vergiftungssymptome und Schädigungen von Leber und Nieren durch den genmanipulierten Mais bei Ratten hingewiesen. Fakten, die Monsanto natürlich nicht hören will. Wir haben dazu unseren Gentechnik-Experten Christoph Then befragt.

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Greenpeace Online: Gibt es Reaktionen auf die Veröffentlichung der französischen Studie oder verhallt die Warnung?

Christoph Then: Das käme Monsanto wohl ganz gelegen - aber in vielen europäischen Ländern wird heute darüber berichtet. Wie zum Beispiel in Frankreich, Griechenland, Schweden, Italien, Ungarn, Dänemark und der Schweiz ist diese neue Studie Thema in den Medien und der Politik.

Greenpeace Online: Doch der Gentechnik-Konzern tut so, als gäbe es nichts Neues ...

Christoph Then: Die Verantwortlichen bei Monsanto stellen die Situation als altbekannt dar. Für sie ergebe sich keine neue Sicherheitslage. Doch sie übersehen, dass es bislang nur die Interpretation aus ihrem eigenen Haus gab. Nun liegt aber eine neue Auswertung aus einer unabhängigen Quelle auf dem Tisch, die völlig neue Ergebnisse bringt und zum ersten Mal die ursprünglich von vielen Wissenchaftlern geäußerten Bedenken wissenschaftlich bestätigt.

Zum ersten Mal werden die statistischen Auffälligkeiten in der Fütterungsstudie klar bestimmten Gesundheitsschäden zugeordnet, wie die Schäden an Leber und Nieren. Monsanto wird das nicht mehr wegreden können. Jeder kann nachvollziehen, wie die französischen Forscher zu ihrer Auswertung gelangt sind. Da gibt es keine Geheimniskrämerei wie bei Monsanto selbst.

Greenpeace Online: Monsanto hatte die Fütterungsstudie den EU-Zulassungsbehörden vorgelegt, musste von uns aber erst gerichtlich gezwungen werden, sie herauszurücken. Welche Folgen werden die neuen Fakten für die bereits erfolgte EU-Zulassung des Gen-Maises MON863 haben?

Christoph Then: Die EU wird jetzt noch einmal prüfen müssen. Das ganze Verfahren muss nochmal aufgerollt werden.

Bei der Gelegenheit sollte man sich auch Gedanken über die anderen in der EU zugelassenen Gen-Pflanzen machen. Viele von denen sind noch schlechter als MON863 untersucht worden. Trotz fehlender Sicherheitsergebnisse sind sie aber zugelassen worden. So darf beispielsweise der umstrittene Gen-Mais MON810 in Deutschland angebaut werden. Auch dieser Mais zeigt Auffälligkeiten im Tierversuch, wie diese zu bewerten sind, ist abschliessend nicht geklärt worden.

Greenpeace Online: Was heißt das denn für den Verbraucher?

Christoph Then: Der Verbraucher sollte sich nicht von Monsanto einlullen lassen. Der Konzern und leider auch die Vertreter mancher Behörden versuchen Sicherheit vorzugaukeln, obwohl in Wahhrheit gar nicht wirklich geprüft wird. Zum Glück ist der Verbraucher in Europa im Moment nicht direkt bedroht, weil Gen-Mais derzeit eher als Tierfutter eingesetzt wird.

Greenpeace Online: Was sind die nächsten Schritte?

Christoph Then: Bislang gibt es von Seiten der Bundesregierung keine qualifizierten Aussagen zur neuen Studie. Wir halten inbesondere eine Stellungnahme von Bundesverbraucherminister Seehofer für dringlich. Die EU sieht für derartige Situtationen die Möglichkeit eines nationalen Importstopps vor.

Reaktionen erwarten wir aber auch aus der Wirtschaft. Es werden sich wohl in Zukunft noch deutlich mehr Produzenten um gentechnikfreie Futtermittel kümmern. Auch eine große Molkerei wie Campina mit ihrer Marke Landliebe muss sich die Frage gefallen lassen, ob ihre Weigerung sich hier eindeutig zu positionieren, richtig war.

Greenpeace Online: Was muss jetzt geschehen?

Christoph Then: Wir brauchen einen EU-weiten Anbau- und Zulassungsstop, MON863 sollte sofort vom Markt genommen werden.

Greenpeace Online: Christoph, vielen Dank für das Gespräch!

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