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MON 863: Für Ratten schädlich, für Menschen verträglich?

MON863 stellt ein potentielles Gesundheitsrisiko dar. Das belegt eine Studie französischer Wissenschaftler. Der Gen-Mais des Konzerns Monsanto ist seit Jahren im Gerede, weil er, an Ratten verfüttert, zu Vergiftungssymptomen und Schädigungen von Leber und Nieren führte. In die EU darf er trotzdem als Lebens- und Futtermittel eingeführt werden. Daran halten die EFSA und die nationalen Zulassungsbehörden fest - auch das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz.

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Durch die Studie der unabhängigen Expertengruppe CRIIGEN (Committee for Independent Research and Genetic Engineering) wird erstmals ein Gesundheitsrisiko für eine bereits zugelassene Gen-Pflanze nachgewiesen. Die vollständige Auswertung wird in den nächsten Tagen online im US-Wissenschaftsmagazin Archives of Environmental Contamination and Toxicology publiziert.

MON863 wird legal in den USA und Kanada angebaut. Für Lebens- und Futtermittel hat er eine Genehmigung in der Europäischen Union, Australien, China, Japan, Korea, Mexiko, den Philippinen und Taiwan. Der Gen-Mais produziert ein Insektengift gegen den schädlichen Maiswurzelbohrer. Er enthält auch ein Resistenzgen für Antibiotika.

Für die Zulassung auf dem europäischen Markt legte Monsanto seine über 1000-seitige Risikobewertung vor. Jedoch nur für den Prüfungsausschuss. Der Konzern hat jahrelang zu verhindern versucht, dass die Daten aus dem Fütterungsexperiment vom Dezember 2002 veröffentlicht werden. Im Juni 2005 gelang es Greenpeace per Gerichtsbeschluss, die Offenlegung der Studie zu erzwingen. Anschließend wurde die über 1000-seitige Studie von CRIIGEN ausgewertet. Die Experten stellten fest, dass der Gen-Mais nach den verfügbaren Daten als nicht sicher bewertet werden kann.

Es gibt erhebliche Mängel in der statistischen Auswertung der Studie, wie sie von Monsanto vorgelegt wurde, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der das französische Wissenschaftlerteam CRIIGEN leitet. {video_r}Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere, ließ Monsanto unter den Tisch fallen.

Für Christoph Then, Gentechnikexperte bei Greenpeace, zeigt der Fall MON863 exemplarisch das Versagen der nationalen und europäischen Sicherheitskontrollen für Gen-Food auf. Wären die Sicherheitsprüfungen am Flughafen ähnlich schlampig organisiert, könnte auf jedem Flug eine Bombe im Handgepäck mitreisen. Monsanto nutzt die Schwächen des Systems gezielt, um seine Produkte zur Marktzulassung zu bringen. In Deutschland muss Verbraucherminister Horst Seehofer den Anbau von Gen-Saaten und den Import von Gen-Food jetzt endlich stoppen.

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