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Marken-Molkereien verkaufen Gen-Milch

Nach neuen Greenpeace-Analysen von Futtermittelproben lassen die Hersteller der sogenannten Qualitätsmarken Bärenmarke, Weihenstephan und Allgäuland weiterhin gentechnisch veränderte Soja an ihre Milchkühe verfüttern. Jedes Jahr werden Millionen Tonnen Gen-Pflanzen als Futtermittel nach Deutschland importiert. Der Hersteller von Landliebe zeigt, dass es auch anders geht: Seine Milchlieferanten verfüttern keine Gen-Pflanzen. Der Protest der Verbraucher ist weiterhin gefragt.

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Greenpeace hat das Kraftfutter von vier landwirtschaftlichen Betrieben je Molkerei analysieren lassen. Jeweils drei von vier Lieferanten von Bärenmarke, Weihenstephan und Allgäuland füttern gentechnisch verändertes Sojaschrot aus Südamerika. Alle getesteten Lieferanten für die Marke Landliebe verzichten dagegen auf importiertes Sojaschrot und Gen-Pflanzen. Die Milchmarken werben alle mit regionaler oder naturnaher Milchproduktion.

Vor allem namhafte Molkereien verspielen ihre Glaubwürdigkeit. Sie sollten Verbraucher nicht mit Werbemillionen Alpenidylle vortäuschen, sondern auf Qualität ohne Gentechnik setzen, fordert Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Alexander Hissting. Mit dem Anbauverbot von Gen-Mais hat die Politik schon ein Problem für die Molkereien gelöst. Jetzt müssen auch Unternehmer handeln und die Fütterung von Gen-Pflanzen einstellen.

Am Samstag werden Greenpeace-Aktivisten in vielen Städten vor etwa 80 Supermärkten gegen die Herstellung von Gen-Milch protestieren und die Verbraucher informieren. Die Supermarktleiter sollen im Sinne der Verbraucher die Molkereien auffordern, in Zukunft keine Gen-Milch mehr zu produzieren.

Die Genmanipulation von Pflanzen ist riskant. Bei der Züchtung werden die Grenzen von Arten überschritten und durch den Eingriff in die Pflanze können unerwünschte Stoffe mit Nebenwirkungen entstehen. Da patentierte Gen-Soja von bestimmten Herstellern gekauft werden muss, vergrößert sich die Abhängigkeit der Bauern von Agrarkonzernen. Zudem wird Gen-Soja stärker gespritzt als herkömmliche Soja. Die giftigen Mittel gefährden Anwohner, verunreinigen Trinkwasser und bedrohen die Pflanzenvielfalt.

Die Molkereien tragen durch die Duldung von Gen-Futter bei ihren Lieferanten zur Verbreitung der Risikosaat in Südamerika bei. Das ist auch unter Klimaaspekten verheerend: Schon jetzt werden riesige Flächen der letzten Urwälder Südamerikas gerodet und fallen als CO2-Speicher weg. Und das nur, um Platz für die Sojabohne zu schaffen.

Als Verbraucherin oder Verbraucher sind Sie den Molkereien nicht ohnmächtig ausgeliefert. Wehren Sie sich, wenn auch Sie keine Gen-Milch wollen. Machen Sie müde Molkereien munter und beteiligen sich an unserer Milchcent-Aktion.

(Autorin: Sylvia Pritsch)

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