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Illegale Gen-Leinsaat im Essen schreckt Behörden auf

In Deutschland bahnt sich ein Lebensmittelskandal an, der die gesamte EU betreffen könnte. In Brot und Müsli wurde illegale Gen-Leinsaat entdeckt, die nur in einer einzigen Saison in Kanada angebaut wurde - vor neun Jahren. Die Behörden erfuhren über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel von dem Fund.

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Bei der Gen-Leinsaat handelt es sich um die Linie FP967, Handelsname CDC Triffid. Sie ist herbizidtolerant und antibiotikaresistent. Die Saat hat keine Sicherheitsüberprüfung der europäischen Behörden durchlaufen und darf somit nicht in die EU eingeführt werden - schon gar nicht als Lebensmittel.

Die alarmierten Behörden stellten ihrerseits Untersuchungen an. Dabei fand das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg in 16 von 41 Proben Spuren der illegalen Gen-Leinsaat - fast 40 Prozent und durchweg aus konventionellem Anbau. Die 14 Proben aus Öko-Anbau waren sauber.

Die verunreinigten Proben enthielten bis zu einem Prozent CDC Triffid. Das klingt harmlos, ist aber viel. Gentechnikbefürworter versuchen schon seit längerem, die scharfen Richtlinien der EU für Saatgut aufzuweichen. Doch selbst die Gentechnikindustrie geht dabei von einem sehr viel niedrigeren Grenzwert aus: von maximal 0,1 Prozent Verunreinigung mit nicht zugelassenen Gen-Pflanzen.

Kanada ist das weltweit wichtigste Anbauland für Leinsaat. Der größte Teil wird in die EU exportiert. 2006 waren das 407.000 Tonnen, zwei Drittel des gesamten EU-Leinsamenimports. Die Saat wird für Brot und Brötchen, Müsli und Leinöl verwendet oder kommt als Leinsamen direkt in den Handel.

Die enge Handelsverflechtung zwischen Kanada und der EU könnte dazu beigetragen haben, dass Kanada die Zulassung von CDC Triffid 2001 zurückzog. Seitdem darf mit der Gen-Saat nicht mehr gehandelt werden. Wie die illegale Saat neun Jahre später in deutschen Brötchen auftauchen konnte, ist eine von vielen Fragen, die der Fall aufwirft.

Auf jeden Fall bestätigt er, dass Kritiker wie der Gentechnikexperte Alexander Hissting von Greenpeace zu Recht warnen: Die Gentechnikindustrie hat ihre künstlichen Geschöpfe nicht im Griff. Werden sie in die Natur freigesetzt, sind sie nicht mehr rückholbar und verbreiten sich unkontrolliert.

Hissting fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, ihre Pro-Gentechnik-Politik aufzugeben. Alle Parteien sollten Farbe bekennen und sagen, wie sie die deutsche Bevölkerung vor illegaler Gentechnik schützen wollen. Auch die deutschen Behörden müssen jetzt Ross und Reiter nennen: Welche Hersteller und welche Marken sind von dem Skandal betroffen?

Die Haltung der Parteien zur Gentechnik könnte auch bei der Bundestagswahl eine Rolle spielen. Ein großer Teil der Bundesbürger lehnt Gentechnik im Essen ab. Dass sie, ohne es zu wissen, bereits zu Versuchskaninchen geworden seien, dürfte sie wohl kaum erfreuen, so Hissting.

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