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Herr Seehofer, Abstand halten reicht nicht aus!

Während Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer den Anbau von Gen-Pflanzen vorantreiben will, fehlen im Gentechnikgesetz zentrale Regeln zum Schutz der herkömmlichen Lebensmittelerzeugung. Und sich allein um den Sicherheitsabstand zu sorgen, reicht bei weitem nicht aus. Darauf hat am Montag die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hingewiesen. In einer aktuellen Studie rückt sie die von vielen Bauern gemeinschaftlich genutzten Landmaschinen in den Fokus.

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Es ist normale Praxis, dass Bauern zur Aussaat, Pflege und Ernte Landmaschinen von Dienstleistern einsetzen. Die AbL hat nun zum ersten Mal gefragt, was denn die gründliche Reinigung der Maschinen an Kosten verursacht. Denn diese Maschinen stellen eine bedeutende Quelle für die Verschleppung von Gen-Pflanzen und Gen-Samen dar und damit der Kontamination.

Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Ein Mähdrescher mit seinen vielen Winkeln und Ecken ist auch mit viel Aufwand nicht 100-prozentig zu reinigen. Es kommt also immer zu einer Verunreinigung. Und je nach Maschine und Intensität der Reinigung entstehen Kosten von bis zu 1.850 Euro. Um diesen Betrag zusätzlich zu erwirtschaften, müssten die Gen-Pflanzen Ertragssteigerungen bis zu sagenhaften 65 Prozent erbringen. Durch die Gentechnik ist das bewährte Miteinander der landwirtschaftlichen Betriebe in Gefahr.

Mit seiner jetzigen Wischi-Waschi-Politik wird Seehofer scheitern, erklärt Martin Hofstetter, Agrarexperte von Greenpeace. Wenn er auf Seiten der Landwirte steht, muss er den Gen-Maisanbau in Deutschland verbieten. Die vorliegende Studie zeigt, dass der Anbau von Gen-Mais nicht nur ökologisch gefährlich, sondern auch ökonomisch unsinnig ist. Wenige Saatgutkonzerne verursachen mit ihren Gen-Saaten riesige Aufwendungen für Landwirte und Lebensmittelhersteller, die gentechnikfrei bleiben wollen.

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