Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Aktivisten etikettieren

Gen-Milch von Schwälbchen geoutet

Achtung: Hergestellt mit Gen-Futter! Signalrot klebt die Warnung auf Milchpackungen der Molkerei Schwälbchen. In sechs Frankfurter Supermärkten haben Greenpeace-Aktivisten mit den Aufklebern gegen die Genmilch-Produktion bei Schwälbchen protestiert. Ehrenamtliche in Frankfurt, Gelnhausen, Wiesbaden, Darmstadt und Marburg unterstützen die Aktion in ihren Städten. Sie fordern Schwälbchen auf, ihre Milchprodukte ohne Genpflanzen im Tierfutter zu produzieren.

  • /

Molkerei setzt auf Gentechnik

Nach wie vor weigert sich die Molkerei, ihren Milchkühen gentechnik-freies Futter vorzusetzen. Bereits mehr als 3.300 Menschen haben sich auf Postkarten mit ihrer Unterschrift hinter diese Forderung gestellt. Diese sollten Anfang Oktober 2010 übergeben werden - vergeblich. Schwälbchen will den Protest gegen Gen-Pflanzen offenbar aussitzen, sagt Jörg Dürrfeld, Lebensmittel-Experte bei Greenpeace Frankfurt. Die Molkerei weigerte sich, die Postkarten entgegenzunehmen.

Mehrheit gegen Gen-Milch

Die gleiche Ignoranz setzt Schwälbchen der Meinung ihrer Verbraucher entgegen. Immerhin 76 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sprachen sich im November 2009 für folgende Aussage aus: Alle Molkereien sollten ausschließlich Milch von Kühen beziehen, die gentechnikfreie Futterpflanzen bekommen.

Landwirte fair bezahlen!

Der Schritt zur gentechnik-freien Fütterung ihrer Milchkühe sollte der Molkerei nicht schwer fallen: Die Landwirte, die Schwälbchen mit Rohmilch beliefern, sind durchaus bereit, ihre Kühe mit gentechnikfreien Pflanzen zu füttern. Schwälbchen müsste lediglich die Mehrkosten tragen, die einen Cent pro Liter Milch betragen würden.

Schwälbchen zahlt bundesweit mit 31,6 Cent pro Kilogramm bereits den niedrigsten Preis an die Landwirte. Während sich die Molkerei der Öffentlichkeit als Kämpfer für Milch aus der Region präsentiert, zahlt sie Minipreise und nimmt Gentechnik im Tierfutter billigend in Kauf. Dabei hätte Schwälbchen durch die Umstellung auf Milch ohne Gentechnik die Chance, sich einen Marktvorteil zu sichern und so auch faire Preise an die Bauern zu zahlen, erklärt Jörg Dürrfeld.

Mit gutem Beispiel voran

Immer mehr Molkereien kommen den Verbraucherwünschen entgegen und zeigen, dass Milch ohne Gentechnik machbar ist. Marken wie Landliebe (Friesland Campina), die Molkereien Allgäuland, Berchtesgadener Land und Breisgaumilch produzieren bereits Milch- bzw. Milchbasisprodukte genfrei. Und mit EDEKA Nord und tegut vertreiben bereits zwei Supermarktketten eigene Milchmarken, die garantiert ohne Gen-Pflanzen im Tierfutter hergestellt werden.

Publikationen

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Testlabor Europa

Gentechnisch veränderte Fliegen in Spaniens Olivenhainen – das plant ein britisches Unternehmen. Für Europas Umwelt und Wirtschaft wären die Folgen unberechenbar.

Milch und Ei besiegelt

„Ohne Gentechnik“: Eier, Milch und Fleisch mit diesem Siegel gibt es nun auch in den Regalen von Aldi und Lidl. Denn endlich folgen auch die Discounter dem Trend.

„Nur Lippenbekenntnisse“

McDonald’s versagt mit seiner Billigstrategie aus Gentechnik, Massentierhaltung und Antibiotika. Greenpeace-Agrarexpertin Stephanie Töwe über Ignoranz und Umsatzeinbußen.