Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Filmreif: Monsantos Gier nach Macht

Monsanto erwirtschaftet viel Geld. Viel Geld aus Geschäften mit Agent Orange, PCB oder Gen-Pflanzen. Erfolgreich ist der Gigant auf dem Agro-Sektor deshalb, weil er beste Beziehungen zu Regierungsbehörden hat, Druck ausübt oder Gutachten manipuliert, um seine Produkte auf den Markt zu bringen. Die Regisseurin Marie-Monique Robin dokumentiert in ihrem Film Monsanto, mit Gift und Genen, der morgen auf ARTE läuft, die dreckigen Machenschaften des Konzerns.

  • /

Monsantos Skandalgeschichte ist lang: So zeigt Robins Film, dass Monsanto seit Jahrzehnten über die hochtoxische Wirkung von PCB, eines der schlimmsten Umweltgifte, Bescheid wusste. Die Verkäufer aber erhielten die Weisung, darüber zu schweigen.

In Verruf geriet die Firma auch wegen des Verkaufs des Wachstumshormons rBGH. In Europa und Kanada sind sie verboten: Risiken für Verbraucher, die Milch von entsprechend behandelten Kühen trinken, konnten nicht ausgeschlossen werden. In den USA versuchte Monsanto Molkereien gerichtlich zu zwingen, nicht mehr mit dem Aufdruck rBGH-frei zu werben.

Monsantos Griff nach unseren Lebensmitteln

Meine größte Entdeckung war, dass die weltweite massenhafte Verbreitung der GMO (gentechnisch manipulierte Organismen, Anmerk. der Red.) aufgrund von Manipulation, ja von Intrigen möglich war. Die GMO kamen auf den Markt, ohne dass sie irgendeinem ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Test unterzogen worden wären. Die Zulassung geschah aus rein politischen Gründen. Das hat der Sprecher der Food and Drug Administration (FDA), James Maryanski, vor laufender Kamera auch zugegeben, erklärt Robin in einem Interview auf arte.de.

Tatsächlich stammen 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen von Monsanto. Über Patente sichert sich der Konzern weitreichende Zugriffsrechte auf die Produktion unserer Lebensmittel: Die Ernte gehört nicht dem Landwirt allein. Über exklusive Nutzungsrechte kann der Konzern bestimmen, wer was zu welchen Preisen kaufen darf. Denn selbst die verarbeitete Ernte, also das Endprodukt ist im Patentanspruch enthalten.

Das global agierende Unternehmen verfolgt ein atemberaubendes Ziel: Es will die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen, sagt Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Dabei greifen Monsantos Strategien wie Zahnräder ineinander: Einflussnahme auf Politik und Wissenschaft, Aufkauf konkurrierender Unternehmen, aggressiver Erwerb von Patenten, Kontrolle von Landwirten und Inkaufnahme der Kontamination unserer Nahrungsmittel mit Gen-Pflanzen.

Kapitalismus aus dem letzten Jahrhundert

Leidtragende sind Landwirte, die mit Monsanto Verträge abgeschlossen haben: Sie dürfen aus der eigenen Ernte kein neues Saatgut für die nächste Saison gewinnen, müssen Chemikalien von Monsanto kaufen und dürfen im Konfliktfall nicht mit Dritten über die Angelegenheit reden. Zu guter Letzt setzt Monsanto zur Kontrolle sogenannte Detektive ein, die jederzeit das Grundstück des Landwirts betreten dürfen.

Nicht nur die Vertragsbauern sind Opfer des Konzerns: Der kanadische Raps-Farmer Percy Schmeiser wurde von Monsanto wegen Patentrechtsverletzung angeklagt. In Schmeisers Ernte fanden sich von Monsanto patentierte Gene. Schmeiser erklärte, dass seine Ernte durch Gen-Felder verunreinigt wurde.

Dramatisch sind die Auswirkungen in Indien: Für das teure Monsanto-Saatgut nehmen Landwirte Kredite auf. Es ist gentechnisch so verändert, dass es gegen bestimmte Schädlinge widerstandsfähig ist - aber eben nur gegen bestimmte. Fällt die Ernte schlecht aus, geraten sie in eine Schuldenspirale. Hunderte von ihnen begehen jedes Jahr Selbstmord.

Drei Jahre hat Robin recherchiert - zu sehen ist der Dokumentarfilm am Dienstag, den 11. März, um 21.00 Uhr auf ARTE.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.