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Feinkostverband ruft zu Boykott auf

Der Bundesverband der deutschen Feinkostindustrie hat seine Mitglieder aufgerufen, gegen den Greenpeace-Einkaufsratgeber Essen ohne Gentechnik mobilzumachen. Sie sollen sich im Ratgeber unter Rot einstufen lassen. Lebensmittelproduzenten verschwören sich gegen die Verbraucher, kommentiert Carmen Ulmen, Gentechniksprecherin von Greenpeace, das Vorgehen.

In einem Schreiben benennt der Bundesverband der deutschen Feinkostindustrie sein Ziel, den Greenpeace-Einkaufsratgeber zu einem Fehlschlag werden zu lassen. Wenn sich die Feinkostindustrie rot listen lasse, wäre das Ziel des Greenpeace-Einkaufsratgebers, Gentechnik (...) zurückzudrängen, endgültig verfehlt. Rot markiert diejenigen Firmen, die nicht auf Gentechnik verzichten wollen oder aber die Aussage darüber verweigern.

Zu den Mitgliedern des Verbands zählen Kraft, Kühne und weitere Hersteller von Fertigsalaten und Soßen. Doch es regt sich auch interner Widerstand: Das Verbandsmitglied Bonduelle Frische GmbH verurteilt das Vorgehen. Der Verband verfolgt mit dieser Initiative eine kurzsichtige, am Verbraucher vorbei gehende Politik, sagt Geschäftsführer Hellmut Stöhr.

Verbraucher lehnen mehrheitlich Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmitteln ab. Der Einkaufsratgeber soll ihnen helfen, Lebensmittel von Tieren zu finden, die keine Gen-Pflanzen fressen. Wie erwünscht diese Hilfestellung ist, zeigt sich an der großen Nachfrage.

Die Feinkosthersteller sind die zweite Branche, die sich gegen die Verbraucher stellt. Zuvor wurden bereits die Molkereien von ihrem Verband aufgefordert, Greenpeace die Auskunft zu verweigern. Carmen Ulmen: Statt gentechnikfrei zu produzieren, behaupten einige Branchen immer wieder, Tierfutter ohne Gen-Pflanzen gebe es nicht mehr. Eine glatte Lüge.

Es gibt keinen Grund, die Wünsche der Verbraucher zurückzuweisen. Der Verzicht auf Gen-Futter ist möglich. Das beweisen die Molkereien Andechser und Emmi, die keine Gen-Pflanzen mehr verfüttern lassen, so Ulmen.

Milchkühe können statt importierter Soja auch einheimischen gentechnikfreien Raps fressen. Immerhin 88 deutsche Händler bieten Tierfutter ohne Gen-Pflanzen an. Internationale Zertifizierer wie Genetic ID können jederzeit gentechnikfreies Sojaschrot garantieren, das vor allem aus Brasilien stammt. 45 Prozent aller Soja- und 86 Prozent aller Maispflanzen weltweit sind gentechnikfrei.(us)

Der Greenpeace-Einkaufsratgeber kann unter Tel. 040-30618-120 bestellt werden. Er steht auch als Download zur Verfügung

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