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EU-Minister stellen Gen-Maisanbau in Frage

Stoppt die Invasion der Gen-Saaten! Mit dieser Greenpeace-Forderung sahen sich am Donnerstag die EU-Umweltminister bei ihrem Treffen in Brüssel konfrontiert. Und 14 der 25 EU-Umweltminister, darunter der deutsche Vertreter, haben sich der Forderung angeschlossen.

Vor dem EU-Ministerratsgebäude protestierten rund 20 Greenpeace-Aktivisten gegen den kommerziellen Anbau genmanipulierter Pflanzen in Europa. Die Aktivistinnen und Aktivisten hatten einen drei Meter großen Mais-Roboter aufgestellt, der die Fehlkonstruktion des Gen-Maises symbolisiert. Auf Transparenten forderten sie Stop GMO Invasion.

Der Ministerrat befasste sich mit einem Antrag Österreichs, der die Anbaugenehmigung des Gen-Maises MON 810 des US-Gentechnikgiganten Monsanto infrage stellt. Mit ihrer Erklärung sandten die 14 Länder ein starkes Signal an die neue EU-Kommission aus, die darauf jetzt reagieren muss.

Stein des Anstoßes: Der von dem US-Saatgutkonzern vorgelegte Überwachungsplan für den Anbau seines Gen-Maises erfüllt nicht die gültigen EU-Anforderungen.

Der Anbau des Gen-Maises MON 810 muss verboten werden. Es gibt zahlreiche Risiken, die nicht ausreichend geprüft wurden, sagt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. Solange die EU sich nicht um die Sicherheit von Umwelt und Verbrauchern kümmert, müssen die EU-Länder den Risiko-Mais selbst verbieten.

Ungarn hat bereits im Januar den Anbau des MON 810 verboten. Polen und die Slowakei planen derzeit ein nationales Verbot des Gen-Maises. Greenpeace fordert die deutsche Regierung auf, sich anzuschließen.

EU gibt sich mit unzureichendem Überwachungsplan zufrieden

Ein Überwachungsplan ist Voraussetzung für eine EU-Anbaugenehmigung. Monsanto hatte 1996 einen ersten Überwachungsplan eingereicht und 1998 eine Anbaugenehmigung nach der damals gültigen EU-Richtlinie erhalten.

Die heute gültige EU-Richtlinie 2001/18 schreibt jedoch eine viel umfassendere wissenschaftliche Beobachtung der angebauten Gen-Pflanzen vor. Obwohl Monsanto nur seinen alten Überwachungsplan vorgelegt hatte, genehmigte die EU-Kommission im September 2004 trotzdem den europaweiten Anbau des Gen-Maises.

Neueste Studien zeigen vielfältige Gefahren

Nach der Erstzulassung erschienene Studien zeigen jedoch eine Reihe von Gefahren. Der Gen-Mais produziert das so genannte Bt-Gift, ein Insektengift, mit dem er schädliche Insekten wie den Maiszünsler abtötet. Dieses Gift kann ebenfalls die Raupen geschützter Schmetterlinge, wie dem Tagpfauenauge, aber auch nützliche Insekten schädigen.

Das Gift landet über die Wurzeln im Boden und schädigt Bodenorganismen. Viele Kühe fressen täglich mit ihrem Futter Gen-Pflanzen. Fest steht: Sogar mit dem Tierkot wird das Gift ausgeschieden und kann sich so auf Weideflächen verbreiten. Der Gen-Mais zeigte im Freisetzungsversuch zudem ungewollte und unerwartete Veränderungen zum Beispiel der Geruchsstoffe und des Holzanteils.

All diese Effekte wurden weder von den EU-Behörden überprüft noch sind sie im Überwachungsplan von Monsanto berücksichtigt. Nach dessen Plan wird nur untersucht, ob der Maiszünsler mit der Zeit gegen das Bt-Gift widerstandsfähig wird. (mir)

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