Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Amflora - ja, nein, ja, was denn nun?

Verwirrung um den Anbau der Amflora: Am Freitag hieß es, der einzige Gen-Kartoffelbauer in Mecklenburg-Vorpommern habe aufgegeben, BASF die Kündigung des Vertrages bestätigt. Nun hat Landwirt Karl-Heinrich Niehoff dementiert: Die Amflora werde auch 2011 wieder angebaut.

  • /

Auf Gut Bütow bei Zepkow befand sich 2010 das einzige Amflora-Feld der Republik. Doch die Gen-Kartoffel brachte dem Bauern kein Glück. Umweltschutzorganisationen, Bürgerinitiativen und Verbraucher liefen Sturm gegen den Anbau. Und ob es um das Ausbringen ging oder die Ernte - der Rummel war groß und die Polizei immer dabei.

Auch Greenpeace hatte mehrfach vor Ort gegen die umstrittene Knolle protestiert. Umso erfreuter war Gentechnikexpertin Stephanie Töwe, als das Aus für den Anbau eingeläutet schien: Die Entscheidung, die Amflora nicht mehr anzubauen, ist absolut richtig. Es war unverantwortlich, dass der Landwirt in den vergangenen Jahren überhaupt Gen-Kartoffeln auf seine Äcker ausgebracht hat. Er baut in großem Maßstab konventionelle Kartoffelsorten zur Vermehrung als Saatgut an. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, wann es zu Verunreinigungen gekommen wäre. Dieses Risiko geht Herr Niehoff nun offenbar doch ein.

Die Amflora ist nicht nur unzureichend auf Sicherheit geprüft und daher riskant, sie ist auch überflüssig. Ihre Stärke sollte in der Papierindustrie eingesetzt werden. Es gibt jedoch längst konventionelle Züchtungen, die sich in gleichem Maße für diesen Zweck eignen - ohne die Umwelt zu gefährden. Nicht zuletzt ist die Zulassung der Gen-Knolle rechtswidrig. Wie ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace ergab, verstößt sie gegen EU-Recht.

Dass es mit der Gentechnik grundsätzlich keine Sicherheit geben kann, zeigte ein Vorfall in Nordschweden. Dort war auf einem Amflora-Acker die illegale Gen-Kartoffel Amadea gefunden worden. Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) ließ daraufhin auch die deutsche Amflora-Ernte stichprobenartig auf Verunreinigungen durch Amadea überprüfen.

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.