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BASF gibt Europa auf

Agro-Gentechnik wird in die USA abgeschoben

In weiten Teilen Europas fehle immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker - heißt es in der im Januar 2012 herausgebenen Pressemitteilung der BASF. Daher sei es aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, weiter in diesen Markt zu investieren. Das findet auch Dirk Zimmermann, Gentechnikexperte bei Greenpeace. Er kommentiert die Entscheidung des Konzerns und den Vorwurf der FDP, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen.

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Europa hat sich bisher weitgehend resistent gezeigt gegen die Versprechen der Agro-Gentechnik. Daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern. Der nun vollzogene Schlussstrich der BASF ist daher ebenso konsequent wie unternehmerisch sinnvoll.

Ausschlaggebend war der ausgebliebene kommerzielle Erfolg der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora. Mit der Anbauzulassung 2010 hatte sich die BASF für die Gen-Knolle eine Art Türöffnerfunktion erhofft. Diese Hoffnung hat sich nicht einmal ansatzweise erfüllt.

Schon im ersten Anbaujahr gelang BASF selbst der Beweis, wie schwer sogar Pflanzkartoffeln im Versuchsanbau auseinanderzuhalten sind - der Konzern brachte versehentlich die nicht zugelassene Gen-Kartoffel Amadea gemeinsam mit der Amflora aus. Dem kommerziellen Erfolg von Amflora standen aber andere Gründe entgegen: Weder wird die besonders stärkehaltige Gen-Knolle aufgrund gentechnikfreier Alternativen gebraucht, noch besteht ein Interesse von Seiten der Industrie, die Knollen für die industrielle Stärkeproduktion abzunehmen.

2011 wurde Amflora von BASF selbst auf nur noch zwei Hektar in Sachsen-Anhalt sowie - begleitet von Greenpeace-Protesten - auf 15 Hektar in Nordschweden angebaut. Künftig wird BASF auf den Anbau von Amflora verzichten. Die Gen-Knolle, die vor allem 2010 ein zentraler Bestandteil der Greenpeace-Kampagnenarbeit war, ist damit Geschichte. Es droht nur noch die Zulassung bereits im Verfahren befindlicher Gen-Kartoffeln - BASF kündigte aber an, die Entwicklung von Gen-Pflanzen für den europäischen Markt komplett einzustellen. Es bleibt zu hoffen, dass die BASF damit eine Vorreiterrolle unter den Biotech-Konzernen einnehmen wird. Und dass auch ihre Mitbewerber die Zeichen der Zeit erkennen und Konsequenzen aus dem europäischen Widerstand gegen die Agro-Gentechnik ziehen.

An der Unternehmensphilosophie der BASF hat sich indes nichts geändert. Die Verlagerung der Agro-Gentechnik-Sparte in die USA bedeutet keine neue Ausrichtung, sondern nur die Fokussierung auf amerikanische Märkte. Nur hier bestehen wohl auch in Zukunft weiter Chancen für Gen-Pflanzen auf dem Acker. Denn Europa ist nicht allein mit seiner ablehnenden Haltung: 2010 und 2011 hat es eine ganze Reihe von Niederlagen der Industrie unter anderem in China, Indien, den Philippinen und Thailand gegeben. China kündigte 2011 an, auf Gen-Reis verzichten zu wollen.

BASF hat die Chance verpasst, sich im Wettbewerb für die Zukunft neu aufzustellen. Dass nun erneut Gefahren für den Technologiestandort Deutschland diskutiert werden, passt nur auf den ersten Blick ins Bild. Tatsache ist: Die Agro-Gentechnik hat längst unter Beweis gestellt, keine Zukunftstechnologie zu sein. Mit nachhaltigen Anbausystemen hat die Kultivierung von Gen-Pflanzen bisher nichts zu tun gehabt. Die Biotechnologie könnte aber durchaus einen Beitrag bei der Entwicklung zukunftsfähiger, innovativer Sorten leisten.

Die Gentechnik basiert allerdings auf einem allzu simplen Verständnis von der Komplexizität biologischer Vorgänge und ist daher schon zum Scheitern verurteilt. Molekularbiologische Kenntnisse könnten aber durchaus genutzt werden, um vorhandenes Material weiterzuentwickeln - auf züchterischer Ebene und nicht durch gentechnische Manipulation. So werden beispielsweise bei der sogenannten Markergestützten Selektion (Marker Assisted Selection; MAS) ohne gentechnische Manipulation, aber basierend auf genetischen Informationen und mithilfe molekularbiologischer Methoden, Pflanzen mit den Eigenschaften entwickelt, die die Gentechnik seit Jahren verspricht - ohne zu liefern.

Die Nutzung von Biotechnologie ist hier nicht nur unbedenklich, sondern liefert auch Ergebnisse. Auch Greenpeace befürwortet diese Technik. Ebenso wäre BASF gut beraten gewesen, ihre Investitionen verstärkt in diese Richtung zu lenken - über den Verlust von Arbeitsplätzen hätte man dann gar nicht reden müssen. Wobei es einem Weltkonzern vom Format der BASF ohne weiteres gelingen müsste, die Umstrukturierung ohne den Abbau von Jobs aufzufangen.

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