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Hermann Scheer ist tot

Visionär der Energiewende

Hermann Scheer, der große Kämpfer für eine umweltfreundliche Energieversorgung, ist tot. Scheer war 66 Jahre alt. Sein Tod kam gänzlich unerwartet. Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling erzählt im Interview, wie er den "Querkopf" und lebenslustigen Menschen persönlich erlebt hat.

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Online-Redaktion: Andree, du hast Hermann Scheer persönlich gekannt. Was verbindest du mit seinem Namen?

Andree Böhling: Hermann Scheer war ein Visionär, ein Umdenker im Sinne einer zukunftsverträglichen Energieversorgung. Wegen seines Engagements vor allem für die Solarenergie wurde er ja auch der Solarpapst genannt. Als Bundestagsabgeordneter hat er sich allergrößte Verdienste um den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland und das Erneuerbare-Energien-Gesetz erworben. Den Alternativen Nobelpreis 1999 hat er völlig zu Recht erhalten.

Online-Redaktion: Wie hast du Hermann Scheer als Persönlichkeit erlebt?

Andree Böhling: Er war ein lebensfroher Mensch, einer, der das Leben in vollen Zügen genossen hat. Oft sehr fröhlich und unterhaltsam, zu Scherzen aufgelegt. Aber er war auch ein hervorragender Redner und vor allem einer, der etwas zu sagen hatte. Hermann Scheer konnte einen ganzen Festsaal in Stimmung versetzen.

Online-Redaktion: Scheer galt auch als unbequem und unkontrollierbar ...

Andree Böhling: Allerdings. Er war ein Kämpfer und Querkopf, der auch innerhalb seiner Partei, der SPD, fern von allen Ämtern seinen Einfluss geltend gemacht hat. Scheer war keiner, der mit dem Strom schwamm. Er war ein großer Linker, wurde auch oft für große Posten gehandelt. In Hessen hätte er unter Andrea Ypsilanti das Wirtschafts- und Umweltministerium übernehmen sollen. Dazu ist es dann ja nicht gekommen.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielte Hermann Scheer international?

Andree Böhling: In den vergangenen Jahren hat er sich zunehmend auch weltweit als Diplomat für den Ausbau der Erneuerbaren Energien betätigt. Das ist in dem Film "Die 4. Revolution - Energy Autonomy" dokumentiert. Der Film wurde auf der Basis von Scheers Buch "Energieautonomie" gedreht. Der Film ist so empfehlenswert wie das Buch.

Scheer hat jahrzehntelang dafür gekämpft, dass eine internationale Behörde für Erneuerbare Energien gegründet wurde, analog zur Atomenergiebehörde. Dass es heute die IRENA gibt, die International Renewable Energy Agency, ist sein Verdienst.

Online-Redaktion: Was bedeutet sein Tod für dich?

Andree Böhling: Das ist ein Moment der Trauer und des Innehaltens, aber auch ein Auftrag im Sinne von Hermann Scheer: die Welt besser zu machen!

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