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Stromlücke oder Deckungslücke - ist das die Frage?

Die Zeitung Energie & Management unterstellt in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Printausgabe, dass Greenpeace eine energiewirtschaftliche Deckungslücke von eine Stromlücke nicht unterscheiden könne. Andree Böhling, Energieexperte bei Greenpeace erwidert auf den Artikel "Greenpeace leidet unter Leseschwäche". Der Artikel war bereits in den Powernews vom 22. September 2008 erschienen. Trotz der ihnen vorgelegten Belege rückt Energie & Management von seinen falschen Behauptungen nicht ab.

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Greenpeace leidet keineswegs an einer Leseschwäche. Wir können sehr wohl zwischen einer Deckungslücke und einer Stromlücke unterscheiden. Allerdings hat die Deutsche Energie Agentur (dena) auf diese Unterscheidung in der Öffentlichkeit bislang wenig Wert gelegt, wie z.B. dem Interview der Wirtschaftswoche mit Stephan Kohler, Geschäftsführer der dena vom 02. August 2008 Strom wird knapper zu entnehmen ist.

Zitat Kohler: Nach neuen Berechnungen wird die Stromlücke noch größer, wenn die geplanten Kraftwerke in Hamburg-Moorburg, Mainz-Wiesbaden und der neue Block im hessischen Werk Staudinger nicht gebaut werden können. Das Greenpeace der irreführenden Behauptung einer kurz bevorstehenden Stromlücke nun entgegen tritt, kann man uns nicht zum Vorwurf machen.

Zudem hat Greenpeace nie behauptet, dass die deutsche Stromversorgung im Jahr 2020 vollständig ohne Kohlekraftwerke auskommen kann. Es geht um eine signifikante Reduzierung des Anteils der Kohle als klimaschädlichster Energieträger im Brennstoff-Mix. Der erste Schritt dazu ist es, die Zahl neuer Kohlekraftwerke erheblich zu reduzieren.

Diese Herangehensweise ist sowohl dem Greenpeace Energiekonzept Klimaschutz Plan B als auch der aktuellen Studie von EUtech zur Sicherheit der Stromversorgung zu entnehmen. Eine kurze Rückfrage bei uns hätte ausgereicht, um das Missverständnis eines Totalausstiegs aus Kohle bis 2020 auszuräumen.

Die in der Eutech-Studie zu Grunde gelegten Energieffizienzziele entsprechen nicht den tatsächlichen Möglichkeiten zur Reduzierung des Stromverbrauchs. Greenpeace hält eine deutliche höhere Stromeffizienz bis 2020 für möglich (15 Prozent). Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurden allerdings (im Rahmen der Überprüfung der dena-Studie durch EUtech) die Effizienzziele der Bundesregierung (von elf Prozent) als Maßstab festgelegt.

Dieses entspricht dem Vorgehen zu den Zielen bei Erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung. Die Überprüfung der dena-Annahmen ergeben, dass die dena-Studie, anders als öffentlich bekundet, von den Effizienzzielen der Bundesregierung abweicht und von einer deutlich geringeren Effizienzerschließung bis 2020 ausgeht (max. 6,7 Prozent). In Folge konnte eine größere Deckungslücke durch die dena berechnet werden.

Auch ihre Behauptung, die Annahme längerer Laufzeiten bei Braunkohlekraftwerken in der EUtech Studie würde zu einem insgesamt höheren CO2-Ausstoß führen, ist in der Form nicht richtig. Im Gegensatz zum dena-Konzept zielt das Modell von EUtech explizit auf das Klimaschutzziel der Bundesregierung (Minus 40 Prozent Treibhausgase bis 2020). Dies manifestiert sich u.a. in der deutlich geringeren Zubauleistung bei Kohlekraftwerken bis 2020, und mit den ehrgeizigen Stromeffizienz-Zielen, die zumindest denen der Bundesregierung entsprechen.

Die Annahme von längeren Laufzeiten bei Braunkohlekraftwerken (50 statt 45 Jahren) berücksichtigt allein die gängige Praxis in der Energiewirtschaft und entspricht keiner Zielvorstellung von Greenpeace. Dennoch bleibt auch fraglich, ob längere Laufzeiten von bestehenden Kohlekraftwerken (von z.B. 5 Jahren) in einem Vergleich mit dem Neubau von Kohlekraftwerken, deren Laufzeiten mehrere Jahrzehnte betragen können, in der Klimabilanz tatsächlich schlechter abschneiden.

Ziel der Eutech-Studie war es keineswegs, einen politisch verordneten Ausschluss der Kohle aus der Stromversorgung [...] mit Klimaschutz [...] überzeugend [zu] begründen, sondern es ging darum, die in der dena-Studie vorgenommenen Annahmen auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen und die nicht ausreichend dargestellten Bewertungsspielräume in der dena-Studie aufzuzeigen.

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