CO2-Kompensation durch indonesisches Waldprojekt ohne Wirkung

Luftschloss in Grün

Mit einem Wald auf Borneo will VW seine neue ID-Reihe begrünen. Eine Greenpeace-Recherche zeigt: Das Projekt täuscht Klimaschutz nur vor. 

  • /

Das gesellschaftliche Ansehen des SUV hat zuletzt gelitten: Zu groß, zu schwer, zu schmutzig wirken die Stadtpanzer. Wie aus der Zeit gefallen. Ein Ding der Vergangenheit. Eigentlich. Wenn sich nur nicht so gut damit verdienen ließe. Um die lukrativen Dinosaurier einer alten Verkehrswelt zu retten, haben sie sich bei VW etwas ausgedacht: Erst muss der SUV elektrisch werden, dann müssen die Produktionsemissionen weg. Dann hat man ihn: Den ersten „bilanziell klimaneutralen“ E-SUV. Jetzt kann keiner mehr meckern.

Oh doch. Gerade jetzt.

Was sich leicht gespreizt „bilanziell klimaneutral“ nennt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als bilanzielle Luftbuchung. Gerade mal zehn Prozent des CO2s, das bei der Produktion eines VW bislang anfiel, hat der Konzern durch sparsamere Werke und grünen Strom eingespart. Für die restlichen 90 Prozent – beim ID.4 mit 82-kWh-Batterie sind das immerhin etwa 14 Tonnen CO2 – kauft der Konzern sich in Indonesien billige und wirkungslose Zertifikate. Ein moderner Ablasshandel, der VW ein grünes Image bescheren soll, dem Klimaschutz aber gar nichts bringt, wie eine Greenpeace-Recherche zeigt.

Die Idee der CO2-Kompensation lautet vereinfacht: Ich bezahle dafür, dass das Roden eines Waldes verhindert wird, dafür darf ich dann das CO2 ausstoßen, das der gerettete Wald speichert. Dabei sind mehrere Fragen ziemlich wichtig. Die wichtigste von allen: Wäre der Wald tatsächlich gerodet worden?

CO2-KOMPENSATION NUR BRUCHTEIL DER TATSÄCHLICHEN KOSTEN

Volkswagen will die Emissionen der neuen ID-Reihe über das Projekt Katingan Mentaya kompensieren. In der indonesischen Provinz Zentral Kalimantan verwaltet das Projekt ein Areal von 150.000 Hektar Wald. Wieviel CO2-Zertifikate sich dafür verkaufen lassen, hängt also davon ab, was mit dem Gebiet ohne Projekt passiert wäre. Die Greenpeace-Recherche zeigt, dass die Annahmen einer Rodung durch die Papierindustrie unplausibel sind. Es werden Entwaldungsraten für das Anlegen von Akazienplantagen unterstellt, die in der gesamten Region nicht annähernd erreicht werden. Die Annahmen eine Rodung sind sogar in hohem Maße unwahrscheinlich, denn das Projektgebiet liegt auf Torfmoorböden, während alle Akazienplantagen der Provinz auf leichter zu nutzenden Mineralböden liegen. Inzwischen hat ein Moratorium die Anlage von Plantagen in der Gegend gänzlich und dauerhaft untersagt. Entsprechend besteht keine Bedrohung mehr für den Wald. Eine zusätzliche Klimawirkung ist nicht zu erkennen.

Während das Projekt für das Klima nichts bringt, kommt VW damit auch noch günstig davon. Zwischen 5 und 10 Dollar zahlt der Konzern für eine Tonne CO2. Ein Spotpreis verglichen mit 180 Euro gesellschaftlicher Schäden, mit denen das Umweltbundesamt für die gleiche Menge kalkuliert.

„VW gaukelt den ID-Kunden eine klimaschonende Produktion vor und ignoriert dabei die wirklich großen Schritte zu weniger CO2“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Dabei könnte Volkswagen als Europas größter Autobauer einen enormen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Etwa indem der Konzern schneller aus dem Verbrennungsmotor aussteigt und nicht länger auf umwelt- und klimaschädliche SUVs setzt“, so Stephan.

Publikationen

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Bewegt euch!

Während Rekordtemperaturen die Sorge vor der Klimakatastrophe befeuern, drängen sich auf deutschen Straßen weiterhin SUVs mit Verbrennungsmotoren. Dabei kommen Stadtbewohner mit dem Fahrrad oft umwelt- und gesundheitsfreundlicher voran. Setzen Sie sich mit uns für eine klimafreundliche Verkehrswende ein!

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Schmutzig wird teuer

Weil Daimler, VW und BMW auf große SUV setzen, drohen jetzt empfindliche Strafen. Wieviel näher die Hersteller ohne SUV an ihren CO2-Zielen wären, zeigt eine Greenpeace-Recherche.

Highway Revisited

Nirgends ist der Rückstand beim Klimaschutz größer als im Verkehr. Das liegt auch an einer falschen Verkehrsplanung. Warum die Verkehrswende keine weiteren Autobahnen verträgt.

Der Weg ist das Ziel

Es ist voll geworden auf den Radwegen. Wie sich die schmalen Streifen zu einem sicheren Netz breiter Wege ausbauen lassen, hat Greenpeace für 30 Städte untersuchen lassen.