CO2-Kompensation durch indonesisches Waldprojekt ohne Wirkung

Luftschloss in Grün

Mit einem Wald auf Borneo wollte VW seine ID-Reihe begrünen. Nun hat der Konzern das Projekt beendet. Den mangelnden Klimaeffekt hatte Greenpeace im vergangenen Jahr offengelegt.

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Volkswagen hat eine erst 2019 gestartete Zusammenarbeit mit einem CO2-Kompensationsprojekt in Indonesien wieder beendet. Wie das Manager Magazin in seiner jüngsten Ausgabe (8/2021) berichtet, kooperiert das Unternehmen nicht mehr mit dem Waldprojekt Katingan Mentaya. Durch die Zusammenarbeit wollte der VW-Konzern sich große Mengen an CO2-Emissionen gutschreiben lassen. Doch der Klimaeffekt des Kompensationsprojekts ist höchst zweifelhaft, wie Greenpeace im vergangenen September in einer Recherche nachgewiesen hatte. (Infos dazu weiter unten.) 

Es kommentiert Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Gehrs:

 „Klimaschutz lässt sich nicht durch Luftbuchungen in fragwürdigen Waldprojekten herbeizaubern. Es ist traurig, dass erst Greenpeace VW darauf aufmerksam machen muss. Das zeigt, wie wichtig es ist, hinter grüne Konzern-PR  zu schauen.

Waldschutz ist wichtig, er darf aber einem Konzern wie VW nicht als Freibrief dienen, mit seiner SUV-Strategie Ressourcen zu verschwenden und unbeirrt weiter Millionen klimaschädliche Diesel und Benziner zu verkaufen. Statt sich nun bei anderen Projekten freikaufen zu wollen, muss VW sich seiner Verantwortung stellen und seinen gigantischen CO2-Fußabdruck drastisch reduzieren.“

Mehr zum Hintergrund der Recherche erfahren Sie in dem nun folgenden Text, den wir am 29. September 2020 veröffentlich haben: 

Das gesellschaftliche Ansehen des SUV hat zuletzt gelitten: Zu groß, zu schwer, zu schmutzig wirken die Stadtpanzer. Wie aus der Zeit gefallen. Ein Ding der Vergangenheit. Eigentlich. Wenn sich nur nicht so gut damit verdienen ließe. Um die lukrativen Dinosaurier einer alten Verkehrswelt zu retten, haben sie sich bei VW etwas ausgedacht: Erst muss der SUV elektrisch werden, dann müssen die Produktionsemissionen weg. Dann hat man ihn: Den ersten „bilanziell klimaneutralen“ E-SUV. Jetzt kann keiner mehr meckern.

Oh doch. Gerade jetzt.

Was sich leicht gespreizt „bilanziell klimaneutral“ nennt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als bilanzielle Luftbuchung. Gerade mal zehn Prozent des CO2s, das bei der Produktion eines VW bislang anfiel, hat der Konzern durch sparsamere Werke und grünen Strom eingespart. Für die restlichen 90 Prozent – beim ID.4 mit 82-kWh-Batterie sind das immerhin etwa 14 Tonnen CO2 – kauft der Konzern sich in Indonesien billige und wirkungslose Zertifikate. Ein moderner Ablasshandel, der VW ein grünes Image bescheren soll, dem Klimaschutz aber gar nichts bringt, wie eine Greenpeace-Recherche zeigt.

Die Idee der CO2-Kompensation lautet vereinfacht: Ich bezahle dafür, dass das Roden eines Waldes verhindert wird, dafür darf ich dann das CO2 ausstoßen, das der gerettete Wald speichert. Dabei sind mehrere Fragen ziemlich wichtig. Die wichtigste von allen: Wäre der Wald tatsächlich gerodet worden?

CO2-KOMPENSATION NUR BRUCHTEIL DER TATSÄCHLICHEN KOSTEN

Volkswagen will die Emissionen der neuen ID-Reihe über das Projekt Katingan Mentaya kompensieren. In der indonesischen Provinz Zentral Kalimantan verwaltet das Projekt ein Areal von 150.000 Hektar Wald. Wieviel CO2-Zertifikate sich dafür verkaufen lassen, hängt also davon ab, was mit dem Gebiet ohne Projekt passiert wäre. Die Greenpeace-Recherche zeigt, dass die Annahmen einer Rodung durch die Papierindustrie unplausibel sind. Es werden Entwaldungsraten für das Anlegen von Akazienplantagen unterstellt, die in der gesamten Region nicht annähernd erreicht werden. Die Annahmen eine Rodung sind sogar in hohem Maße unwahrscheinlich, denn das Projektgebiet liegt auf Torfmoorböden, während alle Akazienplantagen der Provinz auf leichter zu nutzenden Mineralböden liegen. Inzwischen hat ein Moratorium die Anlage von Plantagen in der Gegend gänzlich und dauerhaft untersagt. Entsprechend besteht keine Bedrohung mehr für den Wald. Eine zusätzliche Klimawirkung ist nicht zu erkennen.

Während das Projekt für das Klima nichts bringt, kommt VW damit auch noch günstig davon. Zwischen 5 und 10 Dollar zahlt der Konzern für eine Tonne CO2. Ein Spotpreis verglichen mit 180 Euro gesellschaftlicher Schäden, mit denen das Umweltbundesamt für die gleiche Menge kalkuliert.

„VW gaukelt den ID-Kunden eine klimaschonende Produktion vor und ignoriert dabei die wirklich großen Schritte zu weniger CO2“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Dabei könnte Volkswagen als Europas größter Autobauer einen enormen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Etwa indem der Konzern schneller aus dem Verbrennungsmotor aussteigt und nicht länger auf umwelt- und klimaschädliche SUVs setzt“, so Stephan.

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