Studie: Klimaschutz verlangt Zulassungsstopp für Benziner und Diesel ab 2028

Ausgebrannt

Auch der Verkehr muss zum Pariser Klimaabkommen beitragen. Eine Studie rechnet nun vor, was das bedeutet: Ab 2025 dürfen in der EU keine neuen Verbrenner mehr auf die Straße.

  • /

Schrumpft der Kuchen, werden auch die Stücke für jeden kleiner. Beim klimaschädlichen CO2 ist es nicht anders. Die Menge an Treibhausgasen, die noch in die Atmosphäre darf, ist begrenzt. Nur so lässt sich die Erderhitzung bei 1,5 Grad stabilisieren, nur so lassen sich die verheerenden  Auswirkungen des Klimawandels noch verhindern. Dazu haben sich knapp 200 Staaten mit dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet.

Schaut man auf die EU plus Norwegen und Schweiz, drückt sich jedoch einer besonders davor, vom Kuchen abzugeben und zum Gelingen des großen Ganzen beizutragen: der Verkehr. Während alle anderen Bereiche ihren Ausstoß an Treibhausgasen seit 1990 gesenkt haben, ist er im Verkehr sogar noch weiter gestiegen. Was bedeutet es, wenn der Verkehr einen fairen Beitrag zu den in Paris vereinbarten Zielen leisten würde? Dieser Frage ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Auftrag von Greenpeace nachgegangen, und die Antwort ist alarmierend für die meisten Autohersteller: Ab 2025 dürfen keine neuen Diesel- und Benzin-Pkw mehr zugelassen werden. Hybridantriebe wären ab 2028 nicht mehr zulässig

Verkehr hat CO2-Budget fast aufgebraucht

In spätestens zehn Jahren muss also Schluss sein mit dem Verbrennungsmotor. Abgeleitet haben die Wissenschaftler das aus einer Fülle an Daten. Als Grundlage für ihre Berechnungen zogen sie die Treibhausgasmenge heran, die die Erdbevölkerung noch maximal ausstoßen darf, um das 1,5-Grad-Ziel zu halten. Diese Menge wurde heruntergebrochen auf die 28 EU-Staaten sowie Norwegen und Schweiz und den Verkehr in diesen 30 Ländern.

Demnach kann dieser Sektor nur noch zum Klimaziel beitragen, wenn für 2028 das Aus für alle neuen Verbrenner festgelegt wird. Notwendig sei aber auch, bis zum Jahr 2035 mindestens 80 Prozent der bereits zugelassenen Diesel und Benziner aus dem Verkehr zu ziehen. Die letzten Fahrzeuge dieser Art wären dann Anfang der 2040er schrottreif. „Danach gibt es nur noch emissionsfreie Fahrzeuge“, erklärt Benjamin Stephan, Greenpeace-Experte für Mobilität, „wobei der Fokus auf geteilter Mobilität wie E-Bussen und -Bahnen und nicht auf dem eigenen Auto liegen muss.“

Deutschland hat die meisten Autos

Deutschland spielt dabei eine besondere Rolle: In keinem anderen EU-Land fahren so viele private Pkw; gut 46 Millionen sind es derzeit. Auch bei den Neuwagen führt das Land die Riege an. 23 Prozent der Neuwagen wurden im Jahr 2017 hierzulande gekauft. Für Deutschland fordert Greenpeace deshalb bereits für das Jahr 2025 das Aus. „Verkehrspolitiker und Autokonzerne haben die Herausforderung der Klimaerwärmung jahrelang ignoriert. Jetzt führt kein Weg an schnellem Handeln vorbei“, so Stephan.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Geschönte Statistik

Wie der VW-Konzern mit Eigenzulassungen von E-Autos 140 Millionen Euro Strafzahlungen umgangen hat.

Zur Kampagne

Bewegt euch!

Während Rekordtemperaturen die Sorge vor der Klimakatastrophe befeuern, drängen sich auf deutschen Straßen weiterhin SUVs mit Verbrennungsmotoren. Dabei kommen Stadtbewohner mit dem Fahrrad oft umwelt- und gesundheitsfreundlicher voran. Setzen Sie sich mit uns für eine klimafreundliche Verkehrswende ein!

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Gebremste Euphorie

Mit schlechteren Bedingungen für den Handel bremst VW den Verkauf von E-Autos. Wie sich das im Autohaus niederschlägt, überprüfte Greenpeace bundesweit in 50 Beratungsgesprächen.

Geht um mehr als die A49

Eine Viertelmillion Menschen haben gegen die Rodung im Dannenröder Wald unterschrieben. Den Streit um die Bäume haben wir verloren, die Verkehrswende aber hat Boden gewonnen.

Schmutzig wird teuer

Weil Daimler, VW und BMW auf große SUV setzen, drohen jetzt empfindliche Strafen. Wieviel näher die Hersteller ohne SUV an ihren CO2-Zielen wären, zeigt eine Greenpeace-Recherche.