Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Kohle statt Klimaschutz auch in Großbritannien

Die Klimakonferenz auf Bali ist vorbei, der Alltag wieder eingekehrt - und Großbritannien genehmigt sich nach 34 Jahren das erste neue Kohlekraftwerk. Der Gemeinderat von Medway/Kent hat Mittwochabend grünes Licht für das 1600-Megawatt-Steinkohlekraftwerk Kingsnorth des Energieriesen E.ON gegeben. Nur Premier Gordon Brown kann jetzt noch die Notbremse ziehen.

  • /

Die neue Anlage wird nach der Fertigstellung 2012/13 fast achteinhalb Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Der Konzern E.ON rechtfertigt den Bau mit Plänen, die sogenannte CCS-Technik anzuwenden. Dabei würde das entstehende CO2 aus dem Abgasstrom herausgefiltert, verpresst und unterirdisch gelagert.

Der Haken an der Sache ist: CCS gibt es eigentlich noch gar nicht. Weltweit wendet kein einziges Kraftwerk diese Technik im kommerziellen Betrieb an. Die Technologie ist völlig unerprobt, sie steht auch keineswegs kurz vor der Serienreife. Die Wissenschaftler des Weltklimarates (IPCC) gehen davon aus, dass CCS noch für Jahrzehnte nicht zur Verfügung stehen wird.

In die Debatte um die Kohle hat sich vor rund drei Wochen auch ein weltweit führender Klimaforscher eingebracht, Dr. James Hansen. Hansen ist Direktor des Goddard-Instituts der NASA. In einem offenen Brief an Premier Gordon Brown und an Bundeskanzlerin Merkel machte er eindringlich klar, dass Kohlekraftwerke der herkömmlichen Art heute nicht mehr gebaut werden dürfen. Das Kohleproblem müsse JETZT gelöst werden.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Reiche profitieren am meisten

Eine neue Studie zeigt: Der zügige Abbau klimaschädlicher Subventionen hilft nicht nur der Umwelt, sondern trägt auch zu mehr sozialer Gerechtigkeit bei. Warum passiert also...

Kohle Alaaf!

Klimaprotest auf Kölner Domplatte: CDU-Chef Laschet wird für seine Kohle- und Klima-Politik kritisiert - mit einem Karnevalswagen des Künstlers Jacques Tilly.

Das Netz der Windkraftgegner

Der Ausbau der Windkraft stockt. Nicht nur wegen unglücklicher Windparkanwohner – oft bremsen auch als Bürgerinitiative getarnte Industrievertreter, so eine  Greenpeace Recherche.